FeedCurtius (Ernst)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Curtius (Ernst), ausgezeichneter Archäolog und Historiker, geb. 2. Sept. 1814 zu Lübeck, erhielt seine Gymnasialbildung auf dem Katharinum seiner Vaterstadt, widmete sich auf den Universitäten zu Bonn, Göttingen und Berlin philol. Studien und ging 1837 mit dem Professor Brandis nach Athen, wo er mit E. Geibel die Klassischen Studiend Bonn 1840) herausgab. Als 1840 sein Lehrer „Müller nach Athen kam, begleitete er diesen auf dessen Reisen durch Griechenland. Nach einem Aufenthalt in Italien promovierte er im Dez. 1841 zu Halle mit der Schrift De portubus Athenarumv (Halle w1842), unterrichtete dann in Berlin am Französischen und Joachimsthalschen Gymnasium und habilitierte sich 1843 an der berliner Universität, an welcher er 1844 eine außerord. Professur erhielt. Um diese Zeit erschienen von ihm Anecdota Delphicad (Berl. 1843), Inscriptiones Atticae duodecimo (Berl. 1843) und «Die Akropolis von Athenv (Berl. 1844). Im Okt. 1844 zum Erzieher des Prinzen Friedrich Wilhelm, des Sohnes des damaligen Prinzen von Preußen, berufen, wirkte C. als solcher bis 1849, wo er den Prinzen auf die Universität Bonn begleitete. Im Frühjahr 1850 nach Berlin zurückgekehrt, widmete er sich wiederum seinem akademischen Lehramte, bis er 1856 als ord. Professor der klassischen P Shftoth- und Archädlogie und Mitdirektor des Philologischen Seminars nach Göttingen i C. wurde 1853 Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und 1863 als ord. Professor an die Universität Berlin berufen, wo er zugleich Direktor des Antiquariums und beständiger Sekretär der königl. Akademie der Wissenschaften wurde. Die Hauptwerke C.“ sind: (Peloponnesos v (2 Bde., Gotha 1851—52), eine Darstellung dieser griech. Halbinsel mit Bezug auf deren 358.6 Sagen und Kunstdenkmäler, und die Griech. Geschichtes (5. Aufl., 3 Bde., Berl. 1878—81), in welcher er die Ergebnisse der gelehrten Forschung in geschmackvoller Darstellung einem größern Publikum zugänglich machte. Sonst sind von seinen wissens aftl en Arbeiten noch hervorzuheben: Die Jonier vor der ion. Wanderunge (Berl. 1855), Zur Geschichte des Wegebaues bei den Griecheno (Berl. 1855), «Abhandlung über griech. Quell⸗ und Brunneninschrifteno (Gött. 1859), «Attische Studiend (Heft 1 und 2, Gött. 1863—64). In letztern at C. die Ergebnisse einer Reise nach Griechenand, die er 1862 in Begleitung von Bötticher und Strack unternahm, zu veröffentlichen begonnen. Daran schlossen sich die éSieben Karten von Athen mit erläuterndem Texto (Gotha 1868). Das Resultat einer dritten Reise nach Kleinasien und Griechenland waren die Beiträge zur Geschichte und Topographie von Kleinasieno (Berl. 1872; mit einem Nachtrag: Philadelphiad, Berl. 1873), und der Vortrag Ephesosp (Berl. 1874). Im Frühjahr 1874 ging C. im Auftrag des Deutschen Reichs nach Athen und schloß mit der griech. Regierung einen Vertrag wegen der Ausgrabungen zu Olympia ab, welche im Okt. 1875 begannen. Im J. 1878 gab er mit Kaupert heraus den «Atlas von Athenv (Berl.), dem «Die Karten von Attikay sich anschlossen. In demselben Jahre erschien: „Zwei Giebelruppen aus Tanagrap (Berl.). C. hat noch eine eihe wissenschaftlicher Arbeiten in den Abhandlungen der berliner Akademie der Wissenschaften und in der von ihm und Schöne herausgegebenen Archäolog. Zeitungo veröffentlicht. Dazu gehören: «Über Wappengebrauch und Wappenstil im griech. Altertumv (Berl. 1874), «Die Plastik der Hellenen an Quellen und Brunneno (Berl. 1876). u. s. w. Die Reden, welche er zu Göttingen bei Gelegenheit der öffentlichen Preisverteilungen zu halten hatte, sind als (Göttinger Festreden (Berl. 1864) gesammelt erschienen. Diesen schließt sich an: Altertum und Gegenwart. Gesammelte Reden und Vorträger (Bd. 1, 3. Aufl., 1882; Bd. 2, 1882). In der zweiten Sammlung sind auch die Vorträge enthalten, welche gesammelt eine geschichtliche übersicht der Ausgrabungen von Olympia gewähren. Die Resultate derselben sind enthalten in den fünf Foliobänden Ausgrabungen von Olympigv (Berl. 1877 fg.). Dazu gehören als Ergänzung: Olympia und Umgegend. Zwei Karten und ein Plan mit nißt, sind unter K aufzusuchen. Text, herausgegeben von C. und F. Adlero (Berl. 1882) und von C. Die Altäre von Olympia. Akademische Abhandlungend (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 722Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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