Dacier (Andre), franz. Philolog, geb. zu Castres in Oberlanguedoc 6. April 1651, stammte von prot. Eltern und studierte zu Saumur unter dem berühmten Philologen Tanneguy-Lefebre. Nach dem Tode desselben ging er 1672 nach Paris. Gleiche Neigung zu den Wissenschaften knüpfte zwischen ihm und der Tochter seines Lehrers, Anna Lefsbre, 1683 das Band der Che. D. wurde nachmals Bibliothekar des Königs und 1695 Mitglied der Akademie der Inschriften und der Akademie, welche letztere ihn in der Folge zu ihrem beständigen Sekretär wählte. Er starb 18. Sept. 1722. Außer der Ausgabe des Festus und der 4Oeuvres d'Horace en latin et en français (10 Bde., Par. 1681—89) sind bekannt seine Ausgabe des Valerius Flaccus, die der u50t des Marcus Antoninus, des Epiktet, der «Poetiko des Aristoteles, eine seiner besten Arbeiten, der Lebensbeschreibungen des Plutarch, des Sophokleischen Odipus v und der „Elektrav, der Werke des Hippokrates und mehrerer Dialoge des Plato. Seine Übersetzungen sind zumeist mittelmäßig und seine Erklärungen der alten Schriftsteller sehr seicht. Seine berühmte Gattin, Anna D., geborene Lefebre, war 1654 zu Saumur geboren. Nach dem Tode ihres gelehrten Vaters, der sie in der lat. und griech. Sprache unterrichtet Amea begab sie sich nach Paris, wo sie durch eine Ausgabe des ihr der 6r (1674) einen solchen Ruf erlangte, daß ihr der Herzog von Montausier die Bearbeitung mehrerer alter Schriftsteller zum Gebrauche des Dauphin (ad usum Delphini) übertrug. Auch nach ihrer Verheiratung setzte sie ihre gelehrten Arbeiten fort. Besonders machte Aufsehen ihre, obschon keineswegs ausgezeichnete übersetzung des Homer (Amsterd. 1708; neue Aufl., 8 Bde., Par. 1756), die sie mit Houdart de Lamotte in einen Streit über den Vorrang der alten vor den modernen Dichtern verwickelte. In den «Considérations sur les causes de la corruption du goutv (Par. 1714) verteidigte sie den Homer mit dem Scharfsinn eines gründlichen Kommentators. Ihre Schrift Homère défendus (Par. 1716) ist aus gleichem Anlaß gegen den Jesuiten Hardouin erichtet. Auch übersetzte sie den Terenz (3 Bde., Par. 1688), den «Amphitruo v, Epidicusv und K(Rudens » des Plautus (3 Bde., Par. 1683), den Anakreon und die Sappho (Par. 1681), sowie den „Plutuso und die Wolkeno des Aristophanes (Par. 1684). Sie starb 17. Aug. 1720.