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GeschichteBrockhaus 1882

Dalberg, früher Dalburg, ein altes Geschlecht, welches im 17. Jahrh. in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurde und dessen Mitglieder seit alten Zeiten das Erbkämmereramt des Hochsists Worms bekleideten. Schon im frühen Mittelalter wird ein Heribert, Kämmerer von Worms, erwähnt, der als Erzbischof von Köln 1002 Kaiser Heinrich II. krönte und unter die Heiligen versetzt wurde. Als der Stamm in männlicher Linie mit Anton von D. erlosch, pflanzte Greta von D. durch ihre Verheiratung mit dem Ritter Gerhard, Kämmerer zu Worms, das Geschlecht fort. Die Dalbergschen Güter gingen auf ihn über und er fügte dem Dalbergschen Namen den seinigen bei. Die Verdienste der Urahnen und das Ansehen der D. waren so groß, daß bei jeder deutschen Kaiserkrönung der kaiserl. Herold rufen mußte: „Ist kein D. da 2», worauf der anwesende D. vor der neugekrönten Majestät seine Knie beugte und von ihr den Ritterschlag als erster Reichsritter empfing. Nachdem das Geschlecht lange in mehrern Linien geblüht, erloschen dieselben allmählich, und 1722 beruhte der Mannsstamm nur noch auf der Familie des kaiserl. Geheimrats füe Franz Eberhard von D. Doch seitdem blühte das Geschlecht wieder auf und teilte sich in zwei Linien, die D.⸗Hernsheimer, von dem Pfarrdorfe Hernsheim bei Worms, wo sich auch das Dalberger Archiv befindet, und die D. Dalbergsche Linie. Die erstere ist in neuerer Zeit erloschen, während die letztere in einer Speziallinie (Heßloch) fortbesteht. Johann von D., Kämmerer und seit 1482 Bischof von Worms, geb. 1445, war Vorsteher der von Konr. Celtes gestifteten Societas literaria Rhenana seu sodalitas Celtica, die zu Heidelberg ihren Hauptsitz hatte, stand auch mit Trithemius, Eitelwolff vom Stein und Reuchlin in gelehrtem Umgange. Er starb 23. Juli 1503. Vgl. Zapf, «über Leben und Verdienste Joh. von D.s (Augsb. 1789). — Wolfgang von D., Kämmerer von Worms, ward 1582 Erzbischof und Kurfürst von Mainz und starb 5. April 1601.— Adolf, Freiherrvon D.,gefürsteter Abt zu Fulda (geb. 29. Mai 1678, gest. 3. Nov. 1737), gründete 1734 die Universität zu Fulda. Wolfgang Heribert, Reichsfreiherr von D., ein jüngerer Bruder des Großherzogs Karl von Dalberg (s. d.), geb. 13. Nov. 1750, machte sich bekannt durch seine Liebe zur dramatischen Dichtkunst, sowie durch seine Verdienste um das mannheimer Theater. Er veranlaßte die erste Aufführung von Schillers Räuberp (Jan. 1782) und die Anstellung Schillers als Theaterdichter in Mannheim. schrieb unter anderm Der Mönch vom Carmelo, dramatisches Gedicht (Berl. 1787). Er starb 28. Sept. 1806 als bad. Staatsminister zu Mannheim. An ihn sind Schillers Briefe an den Freiherrn von D.v (Karlsr. 1819; 3. Aufl. 1838) gerichtet. Vgl. Koffka, „Iffland und D. Geschichte der klassischen Theaterzeit h Joseph, (Lpz. 1865). Emmerich Joseph, Herzog von D., des vorigen Sohn, Pair von Frankreich, geb. 30. Mai 1773 zu Mainz, begann sein öffentliches Leben unter den Augen seines Oheims zu Erfurt, trat dann in den bad. Staatsdienst und ging als bad. Gesandter nach Paris, wo er ein Günstling Talleyrands ward. Während des Feldzugs von 1809 übernahm er die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten in Baden. Nach dem Frieden verließ er den bad. Dienst, ging nach Paris, vertauschte wegen seiner Stammgüter, die auf dem linken Rheinufer, mithin in dem damaligen Frankreich lagen, das deutsche Staatsbürgerrecht mit dem französischen und wurde von Napoleon 1810 zum Herzog und Staatsrat erhoben. Nach Napoleons I. Vermählung mit der Erzherzogin Marie Luise erhielt er eine Dotation von 4Mill. Frs. auf das Fürstentum Bayreuth. Als Talleyrand in Ungnade fiel, zog sich auch D. zurück und trat in die Reihen der Mißvergnügten. Nachdem aber sein Gönner im April 1814 an die Spitze der Provisorischen Regierung getreten, ward D. eins der fünf Regierungsmitglieder, welche die Restauration des Hauses Bourbon beförderten. Als bevollmächtigter Minister Frankreichs wohnte er auch dem Wiener Kongreß bei und unterzeichnete 1815 die Achtserklärung gegen Napoleon, der ihn dafür während der Hundert Tage ächtete. Nach der zweiten Restauration wurde D. Staatsminister und Pair und erhielt den Gesandtschaftsposten am Hofe zu Turin. Die letzten Lebensjahre brachte er auf seinem Schlosse Hernsheim zu, wo er 27. April 1833 starb. Johann Friedrich Hugo, Freiherr von D., der jüngste Bruder des Fomtapiaule Karl von D., geb. 16. Mai 1760, war Domkapitular zu Trier, Worms und Speier und starb 25. Juli 1812 als trierscher Hofrat zu Aschaffenburg. Wissenschaftlich und künstlerisch hochgebildet, bewies er sich stets als hochherzigen Beschützer der Musen. Auch leistete er selbst Treffliches als Komponist, Musikschriftsteller und Altertumsforscher.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 780Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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