FeedDaktyliothek
Bildende KunstBrockhaus 1882

Daktyliothek (grch., eigentlich Behältnis für Ringe) nennt man eine Sammlung von geschnittenen Steinen, Gemmensammlung. Als in Alexanders Zeitalter die Kunst, Edelsteine zu bearbeiten, große Vollkommenheit erreicht hatte, mag die Sitte, eigene Sammlungen dafür anzulegen, sich zuerst in größerm Umfange entwickelt haben. Pompejus brachte die Sammlung des Mithridates nach Rom, stellte sie im Kapitol auf und weihte sie dem Jupiter. Eine ungleich größere (aus sechs D. bestehende) legte Cäsar im Tempel der Venus Genetrix nieder, eine andere Marcus Marcellus (unter Augustus) im Tempel des palatinischen Apollo. Als im verfallenden Römischen Reiche neben vielen andern Zweigen der Skulptur auch die Glyptik außer übung kam, wurden bedeutende Werke dieser Art dadurch erhalten, daß Kleinodienkästen, Heiligenschreine und Kirchengefäße damit geschmückt wurden. Petrarcas Begeisterung für überreste alter Kunst machte zuerst in Italien auch auf jene als selbständig wertvolle Kunstprodukte des Altertums aufmerksam, und die Mediceer, namentlich Lorenzo de' Medici, legten wieder die erste D. in Europa an. Seitdem gehörten geschnittene Steine dem Schmucke jeder bedeutenden Antikensammlung, und Florenz, Rom, Neapel, Mailand, Mantua und das Schloß Amras hatten wertvolle Schätze dieser Art aufzuweisen, die indes zum Teil zerstreut worden sind. Gegenwärtig sind die wichtigsten öffentlichen Sammlungen geschnittener Steine die zu Wien, die reichste an 0 großen Kameen von unschätzbarem Werte, die zu Paris, zu Petersburg, in Florenz, Neapel, letztere insbesondere bereichert durch das ehemals Borgiasche Kabinett, und in Berlin. Unter den öffentlichen Sammlungen geringern Umfangs sind die kasseler, die im Haag und fendne at und die gothaische bedeutend. Der umfassendste Katalog m altenhan Steine ist der von Raspe über eine vom Pastenhändler Tassie zusammengebrachte Sammlung(2 Bde., Lond.1791). Die bedeutendste Sammlung von Pasten (Abdrücken von Gemmen) ist die von Cades in Rom zusammengebrachte. In Kupferstich wurden abgebildet Gemmen der florentiner Sammlung von Gori in dem „Museum Florentinumo, sowie von Wicar und Mongez in den «Tableaux statues ete.o und von Zannari und andern in der Reale Galleria di Firenzep. Von Gemmen der frühern pariser wurden von Mariette in Recueil des pierres gravées ete.v (Par. 1750), von solchen der Sammlung des Herzogs von Orléans (jetzt in Petersburg) von Leblond und Lachaux in der Description des principales pierres gravées du cabinet du duc d'Orléanso (2 Bde., Par. 1780—84), der wiener von Eckhel in dem Choix des pierres gravées du Cabinet impérialo (Wien 1788) und von Arneth in Monumente des k. k. bid und Antikenkabinetts zu Wien (Wien 1849) Abbildungen herausgegeben. Unter pert (s. d.) eine Sammlung von Abgüssen antiker Gemmen heraus; auch ist die ehemals Stoschische, Anuene in Berlin befindliche Sammlung in Abgüssen (und Alchisch verkäuflich gemacht worden und das Archäologische Institut hat von Abgüssen von Cades sechs Centurien (Rom 1831-39) veröffentlicht. Vgl. Murr, «Bibliotheque glyptographiquen (Dresd. 1804). derchmn⸗ In (grch.), die Kunst, an den Fingern zu rechnen. Bei den Römern wurden die Zahlen bis 99 teils durch Einschlagen, teils durch Krümmungen der Finger der linken Hand bezeichnet; ebenso mit der rechten Hand die Zahlen von 100 bis 9000; die Zahlen über 9000 mit der ganzen Hand, indem man sie in die Höhe, an die Brust u. s. w. hielt, und zwar von 10000 bis 90000 die linke, von 100000 bis 900000 die rechte. Eine Million wurde durch Faltung der Hände über dem Kopfe angedeutet. — D. ist auch die Bezeichnung für Fingersprache (s. d.). tation.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 780Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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