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GeschichteBrockhaus 1882

Dalberg (Karl Theod. Ant. Maria, Reichsfreiherr von), Kämmerer von Worms, letzter Kurfürst zu Mainz und Erzkanzler, später Fürst-Primas des Rheinbundes und Großherzog von Frankfurt, endlich Erzbischof zu Regensburg und Bischof zu Worms und Konfanz, geb. 8. Febr. 1744 zu Hernsheim, war der Sohn Franz Heinrich von D.s, kurfürstl. 18 und en wasen zu Fr Statthalters von Worms und Burggrafen zu Friedberg. D. erhielt im väterlichen Hause mit seinen Brüdern eine treffliche Erziehung, ging schon im 15. Jahre auf die Universität zu Göttingen, von da nach Heidelberg, wo er 1761 als Doktor der Rechte promovierte, und unternahm hen. zu seiner weitern Ausbildung mehrere Reisen. Nach seiner Rückkehr widmete er sich dem geistlichen Stande und studierte Theologie in Worms, Mannheim und Mainz. Bald war er Kapitularherr bei dem WII Mainz und Domherr in den Hochstiften Würzburg und Worms. Im J. 1772 ernannte ihn der Kurfürst zum Wirkl. Geheimrat und Statthalter zu Erfurt. Während einer vieljährigen Verwaltung daselbst blühte der kleine Staat unter seiner 2. Thätigkeit sichtbar auf. Dabei zog D. Schriftsteller, Gelehrte, Künstler und Handwerker in seine Nähe und unterstützte aufstrebende Talente. Durch Preußens Einfluß 1787 zum Koadjutor des Erzstifts und Kurfürstentums Mainz erwählt, ward er bald darauf Koadjutor im Hochstift Worms, 1788 Koadjutor von Konstanz und Erzbischof von Tarsus. Im J. 1800 gelangte D. zur 20d6 des Hochstifts Konstanz, und nach dem Tode Fredrich Karls (25. Juli 1802) wurde er Kurfürst zu Mainz und Erzkanzler des Deutschen Reichs. Da infolge des Luneviller Friedens die Besitzungen des Kurfürstentums jenseit des Rheins an Frankreich abgetreten, die diesseitigen aber 1803 säkularisiert wurden so behielt D. die Würde als Reichserzkanzler und Metropolitan für ganz Deutschland mit Ausnahme der preuß. und österr. Gebiete und ward mit Regensburg, Aschaffenburg, Wetzlar und andern Besitzungen entschädigt. Um mit Pius VII. über die kirchlichen Angelegenheiten zu verhandeln und zugleich von Napoleon in Betreff mehrerer streitiger Punkte billige Bedingungen für Deutschland zu erhalten, ging D. 1804 nach Paris, wo er mit vieler uvorkommenheit behandelt wurde. ů Mit Errichtung des Rheinbundes erlosch die Reichserzkanzlerwürde, und D. erhielt, unter Bei- und Titel des Erzbistums Regensburg, den Rang und Titel als souveräner Fürst-Primas des Rheinbundes mit dem Vorsitz in der Bundesversammlung. Zugleich wurden seinen i Besitzungen noch die Reichsstadt Frankfurt a. M., das Gebiet des Fürsten und Grafen von Löwenstein-Werthheim und die Grafschaft Rheineck einverleibt. Für das Fürstentum Regensburg, das er 1810 an Bayern abtrat, erhie t er einen beträchtlichen Teil der Fürstentümer Fulda und Hanau. Auch ward er infolge dessen von Napoleon zum Großherzog von Frankfurt ernannt; doch mußte er Napoleons Stiefsohn, den Prinzen Eugen, statt des Kardinals Fesch zu seinem Regierungsnachfolger annehmen. Im J. 1813 sah sich D. genötigt, auf alle diese Besitzungen als Landesherr zu verzichten. Er zog sich ins Privatleben zurück, indem er nur seine geistlichen Gerechtsame als Erzbischof von Regensburg, wo er von nun an wohnte, sich vorbehielt. Dort starb er 10. Febr. 1817. Sein Neffe, der Herzog von D., ließ ihm 1824 im Dom zu Regensburg, wo er beerdigt liegt, ein Denkmal aus carrarischem Marmor setzen. D. war als Gelehrter, als Regent und als Mensch gleich achtungswert, überall ließ er Spuren seiner nach den verschiedensten Seiten hin gemeinnützigen Thätigkeit zurück; jedoch fehlte seiner rationalistisch-kosmopolit. Gesinnung die 125 stigkeit und echtes patriotisches Streben. Aus seinen Schriften sind hervorzuheben: «Betrachtung über das Universum» (Frankf. 1777; 6. Aufl. 1819), „(Grundsätze der Ästhetiko (Frankf. 1791), Von dem Bewußtsein als allgemeinem Grunde der Weltweisheitv (Erfurt 1793), „Von dem Einflusse der Wissenschaften und Künste in Beziehung auf öffentliche Ruher (Erfurt 1793), Perikles, über den Einfluß der schönen Künste auf das öffentliche Glücko (Erfurt 1806). Mehrere seiner Schriften sind in franz. Sprache abgefaßt. Auch der Deutsche Merhalten manchen schätzbaren Aufsatz von ihm. Seine Lieblingswissenschaften waren außer der Kunstphilosophie die Mathematik, Physik, Chemie, Botanik und Mineralogie. Vgl. Krämer, «Karl Theodor von D.v (Lpz. 1821); Beaulieu-Marconnay, Karl von D. und seine Zeito (2 Bde., Weim. 1879); Bernays, «Schicksale des Großherzogtums Frankfurt und seiner Truppeno (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 781Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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