FeedDon gratuit (frz.)
GeschichteBrockhaus 1882

Don gratuit (frz.), d. i. freiwilliges Geschenk, nannte man die ehemals in Frankreich bei außerordentlichen Veranlassungen von den Ständen dem Könige als Geschenk bewilligte Steuer. Ebensolche Steuern gab es auch in den österr. Niederlanden und in einigen deutschen Hochstiften. Doenhoff, richtiger Dönhof, uraltes adeliges Geschlecht aus der Zeit Karls d. Gr., stammt aus Westfalen vom Schlosse Dönhof in der Grafschaft Mark im Amte Wetter und Kirchspiel Oberwengern. m 14. Jahrh. wanderte zur Bekehrung der Heiden ermann von D. als Deutschordensritter in Livland ein. Ein Nachkomme dieses Ritters, im sechsten Gliede von ihm abstammend, war Gerardt von D., welcher 70 Jahre hindurch Bannererr von Livland war und im seltenen Alter von Jahren 1574 starb. Er verteilte 1551 seine ter in Livland und Kurland unter seine vier Söhne. Der jungste, Hermann von D., aus dem Hause Illien in Kurland, dessen Nachkommenschaft noch nicht erloschen e“Gerh ebenfalls vier Söhne, von denen der zweite, Gerhardt von D., Statthalter von Livland war und drei Söhne: jaß öf Gerhardt und Magnus Ernst, besaß, die dem Geschlechte den Grafen⸗ und Fürstentitel zuführten. Kaspar von D., Oberhofmarchall von Polen, wurde 1637 vom König Wlaislaus IV. wegen dessen Vermählung mit der Schwester des Kaisers Ferdinand III., Cäcilie Renata von Ssterreich, nach Wien geschickt, wo der Kaiser ihn, nachdem sein Vorgänger Kaiser Ferdinand II. ihm und seinen beiden Brüdern 11. Jan. 1635 die Reichsgrafenwürde verliehen hatte, in den röm. Reichsfürstenstand erhob (8. Aug. 1637). Von ihm stammt die fürstl. Linie, die in der Mitte des 18. Jahrh. erlosch. Sein jüngster Bruder Magnus Ernst, Graf von D., geb. 16. Dez. 1581 zu Illien in Kurland, besuchte die Universität Leiden, wo er mit den vornehmsten Gelehrten damaliger Hee mit Joseph Scaliger und Justus Lipsius, nähere Bekanntschaft machte, bereiste darauf Frankreich und verschiedene andere Länder, kehrte in sein Vaterland zurück und kämpfte in poln. Diensten aedln die Türken, Russen und Schweden, war beim Abschluß des Waffen-Eanbals zu Stumsdorf 1635 gegenwärtig und tarb als Hauptmann von Würzburg am 18. Juni 1642 zu Wilkam bei Elbing. (Vgl. Bussi, Magnus Ernst, Graf von D.», Riga 1854.) Eine von diesem Hause abstammende Nebenlinie ist die des Hauses D.⸗Friedrichstein in Ostpreußen. ugust, Graf von D., preuß. Diplomat, geb. zu Potsdam 10. Okt. 1797, besuchte 1812—14 das Collegium Fridericianum zu Königsberg und machte den Feldzug von 1815 als Freiwilliger bei einem Kavallerieregiment mit. Von 1816 bis 1819 besuchte er die Universitäten Königsberg, Göttingen und Heidelberg, lebte darauf in der Schweiz und Italien, begann 1821 seine Laufbahn im preuß. Staatsdienst und wurde zunächst im Auswärtigen Amte beschäftigt. Im Herbst 1823 wurde er der Gesandtschaft in Paris zugeordnet, 1825 zum Le—⸗ gationssekretär ernannt und nach Madrid, nfang 1828 in gleicher Eigenschaft nach London versetzt und bald darauf zum Legationsrat befördert. Gen Herbst 1833 wurde er zum Gesandten in München und 1842 zum Bundestagsgesandten ernannt. Nachdem er im Mai 1848 auf seinen Wunsch abberufen worden, zog er sich auf seine Güter zurück, wurde aber schon Anfang September desselben Jahres an die Spitze der auswärtigen Angelegen-Rückt im Ministerium Pfuel gestellt, nach dessen Rücktritt er sich wieder ins Privatleben zurückzog. Im Febr. 1849 wählte ihn der zweite gumbinner Wahlkreis zum Abgeordneten in die Erste Kammer, von der er 1850 in das Staatenhaus nach Erfurt gesandt wurde. Bei den Neuwahlen im Sommer 1850 abermals zum Mitgliede der Ersten Kammer gewählt, schloß er sich hier der zur Rechten gehörigen, aber gemäßigten Partei Jordan an. Nach Umwandlung der Ersten Kammer in das Herrenhaus wurde er 18. Nov. 1861 vom Könige zum erblichen Mitgliede ernannt. Er starb 1. April 1874. — Sein Sohn, August, Graf von D., geb. 26. Jan. 1845, wurde nach ihm das Haupt der Familie. — Sophie Juliane Friederike, Gräfin von D., geb. 17. Okt. 1768, Tochter des Majors Grafen Friedrich Wilhelm von D. aus der erloschenen Linie Beinunnen, erregte unter den Hofdamen der Gemahlin König Friedrich Wilhelms II. von Preußen die Aufmerksamkeit des Fürsten. Obwohl die Ehe mit der Königin nicht getrennt war, wurde dennoch die Gräfin 11. April 1790 im Schlosse zu Charlottenburg dem Könige zur linken Hand angetraut. Vor dem Ausbruch des Kriegs gegen Frankreich stand sie an der Spitze der Friedenspartei, intriguierte viel wider die polit. Neigungen des Königs, wurde im Nov. 1793 vom Hofe verwiesen und starb zu Stettin 1826. Die Gräfin gebar dem Könige zwei Kinder, Friedrich Wilhelm und Julie, die 28. April 1794 unter dem Namen eines Grafen und einer Gräfin von Brandenburg in den Grafenstand erhoben wurden. Julie starb 28. Jan. 1848 als Witwe des Herzogs Ferdinand von Anhalt-Köthen; ihr Bruder, der Graf von Brandenbug (s. d.), wurde preuß. Ministerpräsident.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 469Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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