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TechnikBrockhaus 1882

Damascieren, Bezeichnung für verschiedene im Orient gebräuchliche Arten, das Eisen zu verzieren. Auch bedient man sich uneigentlich dieses Ausdrucks für die Tauschierung, d. h. für die Einlegung eines Metalls in ein anderes. Das Blauanlaufen des Stahls wird in Europa ebenfalls D. genannt (daher Damascener Stahl). Im eigentlichen Sinne aber bezeichnet D. die bunte, wellige, scheinbar willkürliche Zeichnung des grauen Solinger Stahls. Gewöhnlich nennt man Damascus als die Heimat dieser elastischen, über und über mit einem Gewinde von Linien bedeckten Klingen (daher auch „Damascener Klingenogenannt). Allerdings war Damascus im Mittelalter eine berühmte Waffenstätte und gilt noch heute als Fabrik atürkischer Waffen. Von Damascus aus nahm Timur eine Anzahl Waffenschmiede und verpflanzte sie in seine östl. Länder. Chardin aber, ein franz. Orientreisender des 17. Jahrh., spricht schon von vergangenen Jahrhunderten, in welchen jene berühmten Klingen in Damascus angefertigt worden, und ein anderer franz. Reisender aus derselben Epoche, Tavernier, der gleich Chardin tief in die Kenntnis des Orients eingedrungen, bekämpft ausdrücklich den Irrtum, daß Damascus noch die Fabrikstätte sei. Diese war und ist weiter östlich in Persien zu suchen und darüber hinaus, in Khorassan, Schiras, Ispahan, Kerman, Herat und Metsched. Noch Semper scheint der Ansicht zu sein, der Damascener Stahl sei aus Nägeln zusammengeschmiedet und daher rühre seine Zeichnung, die durch die ganze solide Dicke hindurchgehe. Diese Herstellung ist wohl nur Fabel. Chardin und Tavernier wissen nichts davon, und ebenso wenig ein neuester Kenner und Berichterstatter, MurdochSmith, der als Offizier längere Zeit in Persien residiert und dem South Kensington Museum in London zu seiner pers. Sammlung verholfen und dieselbe beschrieben hat. Wenn die Fabrikation in den obigen Orten stattsindet, so kommt doch, wie Tavernier sagt, der Stahl dazu aus Golkonda in Indien, denn der pers. Stahl, weil hart wie Diamant und spröde wie Glas, sei unbrauchbar. Der ind. Stahl komme etwa in Gestalt und Form eines franz. Sou-Brotes. Dieses werde mitten auseinander gebrochen; der Bruch sei die Prüfung, und jede Hälfte ergebe ausreichendes Material für eine Säbelklinge. Nach Chardin wird dieser ind. Stahl mit persischem gemischt, und so vereinige die Klinge die Härte des pers. Stahls mit der Clasticität des indischen. Vermutlich hat man beides gethan: den ind. Stahl allein genommen oder mit persischem gemischt. Um aber auch seine Eigenschaften hervorzurufen, ist nach den genannten Autoritäten noch eine eigenartige Wher Aptuhl nötig. Die europ. Behandlung mit rascher Abkühlung würde auch den ind. Stahl spröde machen. In Persien macht man ihn rotglühend und wickelt ihn in nasses Tuch. Nach Murdoch Smith werden die Klingen, wenn sie ihre Form erhalten haben, sechs bis acht Tage lang in eine mäßige Hitze gegeben, welche durch trockenen Dünger von Kühen und andern Tieren gleichmäßig erhalten wird. Dieser Dünger soll auch die Salze enthalten, welche zur Entwickelung der eigentümlichen Eigenschaften für notwendig gehalten werden. Aus dem Ofen genommen läßt man den Stahl sich ruhig abkühlen und poliert ihn sodann. Damit hat er seine Schneidigkeit, seine Biegsamkeit und Elasticität erhalten, aber noch nicht den Damasto, die wellige Zeichnung. Diesehervorzurufen, bedarf es noch einer neuen Behandlung, einer Atzung mit Vitriol, wie Tavernier angibt. Murdoch Smith nennt ein anderes Atzmittel, das mittels Baumwollwatte mit dem Stahl in Verbindung gebracht wird so lange, bis der Damast klar und deutlich erscheint. Die Bedingung zu diesem Damast ist nach Chardin bereits im ind. Stahl enthalten, der voll Adern sei. Vgl. Falke, Metall-und Schmuckarbeiten des Orientso, rin Lützows «Zeitschrift für bildende Kunsto (Bd. 13). In Europa wird es verschiedentlich versucht in der Eisenfabrikation bei Klingen, Gewehrläufen und andern Gegenständen die Damascierung nachzu⸗ „ahmen, allein immer ist es nur falsche Imitation auf der Oberfläche, weder der echte Damast noch eder echte Stahl.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 791Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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