FeedDraperie (frz.)
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Draperie (frz.), Dekoration mit frei aufgehängten oder in Falten gelegten Geweben (draps). In diesem Sinne ist sie ein uralter Brauch, der im höchsten Altertum noch von größerer Bedeutung war als heutzutage, wo er eine Arbeit des Tapeziers ist und über die Wohnung kaum hinausreicht. Bei den Agyptern, Babyloniern, Persern wurden nicht bloß die Eingänge und Lichtöffnungen mit D. geschlossen, sondern die ganzen Paläste und Höfe mit ornament- und figurenreichen Geweben verhängt und mittels Gerüsten aus ihnen lange Straßen gebildet, wahre Triumphstraßen, durch welche sich die Festzüge, die Siegeseinzüge der Fürsten und Heere bewegten. Der Brauch ging auf die klassischen Völker über und fand reichliche oinshesonde zur Entfaltung bei religiösen Festen und insbesondere bei den Triumpheinzügen röm. Feldherren. Das Mittelalter war schon durch ungenügenden Fensterverschluß vielfach zur Verwendung der D. gezwungen, aber es benutzte sie ebenso zur Bekleidung von Wänden, Möbeln, Thronen und Baldachinen. Dann folgte die chen der niederländ. Brokatstoffe, der figurenreichen Arazzi (gewirkte Tapeten) und der franz. Gobelins. Mit diesen Stoffen war die D. eine Kunst, heute ist sie in den Händen der Tapeziere, die nach der Schablone arbeiten, zum Handwerk geworden. So, wie sie jetzt in der Wohnung, auch in der reichsten, angewendet wird, ist sie eine ausgeklügelte Künstelei, die den eigentlichen Charakter der D. gar nicht mehr besitz. Denn wenn man absieht von der figürlichen Verzierung der Gobelins, die heute in ihren überresten eingerahmte Bilder oder steife Möbelüberzüge geworden sind, so D sie auch ihr anderes Element verloren, die Falte. Die D. von heute als Behang von Thuren und Fenstern ist ein faltenlos ausgebreiteter Stoff, der in ganz willkürliche, seiner Art und Natur zuwiderlaufende Formen ausgeschnitten worden. Falte ist nur vorhanden, wo sie nicht vermieden werden kann, bei zusammengerafften Portieren oder Vorhängen. Indessen beginnt in neuester Zeit der Geschmack dieser Tapeziermanier HH und Falte und Natur der D. wieder in ihr Recht einzusetzen, vor allen auch orient. Stoffe und Teppiche wieder zur Mitwirkung zu berufen. Doch ist die D. noch weit von der Bedeutung entfernt, welche sie im Altertum besaß. Zur Geschichte der D. ist vor allem wichtig Bd. 1 von Semper, Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten » (2. Aufl., Münch. 1879). Vgl. noch Guilmard, Le Garde-Meublen (Par. 1874 fg.); Dariel, Les tapisseries décoratives du Garde-Meublen (Par. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 532Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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