Dame (frz., vom lat. Domina, d. h. Herrin), in der Anrede später Madame, war lange nur der Titel adeliger Frauen zum Unterschiede von den bürgerlichen. Welche Ehrfurcht mit diesem Titel verbunden war, beweist der Name Notre-Dame, welcher in Frankreich der Muttergottes gegeben wurde. Die Töchter der Könige von Frankreich hießen von der Geburt an Madame, und diesen Namen allein führte die Frau des ältesten Bruders des Königs. Als Napoleon sich die Kaiserkrone aufsetzte, ließ er seine Mutter den Titel Madame Mère annehmen, und während des Julikönigtums hatte Ludwig Philipps Schwester, Adelaide, diesen Titel. Die frühern Könige von Frankreich nannten nur die Ritterfrauen Damen; die Frauen der Schildknappen hießen Demoiselles (ehemals damoiselles, Verkleinerung von dame). Auch die verheirateten Bürgerfrauen wurden sonst nur mit Mademoiselle angeredet und bezeichnet. Die pariser Marktweiber hießen ausnahmsweise Damen, Dames de la Halle, weil sie dem Könige bei gewissen Gelegenheiten gratulieren und einen Blumenstrauß .Sder durften. Aus Frankreich kam das Wort D. in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. auch nach Deutschland, wo es aber zunächst nur in anrüchiger Bedeutung gebraucht ward und erst allmählich zu Ehren gelangte. Gegenwärtig bezeichnet es in Deutschland vorzugsweise eine den höhern Ständen angehörige Frau. In Frankreich dient jetzt das Wort Madame in der Anrede als Höflichkeitstitel für alle Frauen und für erwachsene Mädchen (wenn man von letztern nicht bestimmt weiß, ob sie noch unverheiratet sind). In Deutschland blieb der Ausdruck auf die Frauen aus den bessern Ständen beschränkt. In neuerer Zeit begann man hier mehr und mehr wieder zu dem deutschen Worte Frauo 9.19500 8900 Vgl. Dietrich, Frau und D.v (Marb. 1864). Im Schachspiel bezeichnet man mit D. die Königin, im Damenspiel (s. d.) ist D. der doppelt aufgelegte Stein, in der franz. Karte entspricht die D. dem Ober der deutschen Karte.