FeedAbbe
ReligionBrockhaus 1882

Abbe, die franz. Wortform für Abt (s. d.), bezeichnet wie dieses in Frankreich ursprünglich den Vorsteher eines Klosters. Als Honte infolge des zwischen Papst Leo X. und dem König Franz I. abgeschlossenen Konkordats den Königen von Frankreich das Recht zugestanden wurde, 225 Abbés commendataires für fast alle franz. Abteien zu ernennen, verlockte die arbeits⸗ und sorgenlose, aber ansehnlich dotierte Stellung viele junge Männer, zum Teil jüngere Söhne von Adelsgeschlechtern, sich dem geistlichen Stande zu widmen, um gelegentlich eine solche Sinekure zu erlangen. Ihhrim 16. Jahrh. übertrug man den Titel A. über96. 8 auf alle junge Geistlichen, mochten dieselben die Weihen erhalten haben oder nicht. Ihre Kleidung bestand in einem kurzen schwarzen oder violetten Gewande mit einem kleinen Kragen, ihr Haar war in eine runde Locke geformt. Da jedoch nur ein kleiner Teil unter der großen Anzahl von A. auf die wirkliche Erfüllung ihrer Wünsche hoffen konnte, so wurden viele in angesehenen Häusern Hauslehrer und drangen als Gewissensräte und Hausfreunde in die Familien ein, in welcher Stellung sie nur allzu häufig verderblich wirkten. Im ältern franz. ullche K spielen daher die A. eine nicht sehr erbauli e Rolle. Ein anderer Teil der jungen amtlosen Geistlichen suchte sich in höhern Lehrämtern nützlich zu machen oder als Dichter und Schriftsteller Ruf zu gewinnen. Erst mit der Revolution Ende des 18. Jahrh. verschwanden die A. aus der Gesellschaft, und jetzt wird der Titel in Frankreich nur noch in Briefen an junge Geistliche als Höflichkeitsformel an ewendet. Dem französischen A. entspri t die ital. ezeichnung Abbate; jeder junge Geistliche, der die Weihen noch nicht empfangen hat, wird mit diesem Titel angeredet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 20Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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