FeedDampfbagger
TechnikBrockhaus 1882

Dampfbagger, s. unter Bagger. Dampf-Bodenkultur. Seit Einführung der Dampfkraft in den Betrieb der Landwirtschaft hat es nicht an Versuchen gemangelt, die erstere auch der Bodenkultur dienstbar zu machen. Die Versuche richteten sich anfänglich zumeist auf die Erfindung von Grabemaschinen, bei welchen Motor und Arbeitsmaschine eins waren. Zuerst trat damit John Heatheoat in Dumfries (Schottland) auf, welcher sich 1832 ein Patent auf Dampfpflüge erwirkte; ihm folgte der österr. Hauptmann Bauer, mit dessen von Harkort in Leipzig gebauter Maschine 1847 der erste Versuch in Schönefeld bei erilt gemacht wurde. Ferner sind hier zu nennen Usher in Edinburgh 1849, Romaine in Canada 1855 u. a. Der Erfolg derartiger direkter Maschinen scheiterte immer an der Zerbrechlichkeit der Arbeitsteile, welche von dem ganzen schwerfälligen Apparate untrennbar waren. Die Einführung der Dampfkraft in die Praxis der Bodenbearbeitung nahm erst eine greifbarere Gestalt an, als J. T. Osborne in England 1846 sich ein Patent auf das sog. indirekte System erwirkte, bei welchem eine Dampfmaschine den Pflug vermittelst eines Seiles zog. Lord Willoughby faßte die Idee auf und führte sie ins Leben; sie war aber damals praktisch unhaltbar, da sie eine Eisenbahn inmitten des Feldes verlangte und den Streifen derselben ungebrochen ließ. Im J. 1849 gelang es endlich zwei brit. Schullehrern, den Gebrüdern Fisken in Hartlepool, im Vereine mit dem Dorfschmiede Rodgers in Stockton on Tees einen Apparat auszudenken, welcher die Grundlage der heutigen e den Dalanierpf bildet, und zwar dadurch, daß sie den Balancierpflug und den Ankerwagen anwandten. Der Ingenieur John Fowler in Leeds, welcher sich schon 1848 durch die Ersindung des Drahtseils um die Vervollkommnung der D. verdient gemacht hat, verfolgte die Fiskensche Idee mit seltener Energie und ist infolge dessen als der eigentliche Vater des Dampfpflugs in seiner jetzigen Gestalt zu bezeichnen. I. Howard in Bedford arbeitete im Vereine mit W. Smith in Woolestone ein von dem Fowlerschen insofern abweichendes System aus, als bei dem F. Fowlerschen die Dampfmaschine entsprechend der Breite des bei jedesmaligem ducke des Pflugs umgebrochenen Stück Landes vorrückt, bei Howard dagegen die Dampfmaschine feststeht. Eine 1856 in Vincennes bei Paris stattgehabte internationale Dampfpflugkonkurrenz bewies, daß zu dieser Zeit die Zukunft der D. schon gesichert war. In Deutschland arbeitete der erste Dampfpflug 1865 auf der Ausstellung in Köln a. Rh., welcher von Baron Hirsch in München für seine in Bayern gelegenen Güter angekauft wurde. Im J. 1868 folgte ein weiterer und von 1870 an fand dieses Gerät eine ausgedehntere Verwendung. In Deutschland und OÖsterreich sind jetzt etwa 200 solcher Apparate in Gebrauch. Gegenwärtig sind drei Systeme von D. in Anwendung: das Zweimaschinensystem, das Einmaschinensystem und das Rundherum⸗(round-about-) System. Bei dem Zweimaschinensystem wird der Pflug (loder ein anderes Bodenbearbeitungsinstrument) zwischen zwei, an den entgegengesetzten Feldrändern aufgesellten eokomotiven mittels eines rahtseils und mit Hilfe der an den Lokomotiven befestigten Windetrommeln hin⸗ und hergezogen (s. Tafel: Dampf-Bodenkultur, Fig. 1) bei dem Einmaschinensystem steht an einer Seite des Feldes nur eine Lokomotive an der andern Seite eine Leitrolle auf dem Boden und eine zweite auf einem sog. Ankerwagen, dessen scheibenförmige Räder in den Boden einschneiden und das seitliche Verschieben des Wagens verhindern. Vermittelst zweier an der Lokomotive befindlichen Seiltrommeln erfolgt das Hin- und Herziehen des Pflugs zwischen Lokomotive und Ankerwagen, welch letzterer durch eine sinnreiche Konstruktion von ersterer aus vorwärts bewegt wird. (S. Fig. 2.) Bei dem Rundherum-System endlich ist an einem Ende des Feldes eine Lokomobile mit einem hinter derselben befindlichen Windewagen aufgestellt, von dessen Trommeln Drahtseile unter der Lokomobile durch über 2 an den andern Enden des Feldes stehende Leitrollen und ferner über 2 sich einander gegenüberstehende, beim Pflügen entsprechend fortschreitende Ankerwagen laufen und zwischen diesen den Pflug hin⸗ und herziehen. (S. Fig. 3.) Die Instrumente, deren man sich zur odenbearbeitung mittels der Dampfkraft bedient, sind in der Regel die Balancierpflüge, welche mit gegenständig Balzarbei Pflugkörpern, drei bis sieben an der Zahl, arbeiten (s. Fig. 4); doch werden auch Grubber (s. Fig. 5), Eggen, Walzen u. s. w. angewandt. ö Bringt das Dampfpflügen auch an sich keine Kostenersparnis gegenüber der Gespannarbeit mit sich, besitzt das erstere doch bedeutende Vorzüge vor dem letztern. Dieselben sind hauptsächlich darin begründet, daß dabei eine so tiefe und infolge des scnehen Ganges des Pfluges so energische und ründliche Umwühlung des Bodens stattfindet, wie olche durch Gespanne nicht zu erreichen, und daß infolge dessen bei wirklicher Tiefkultur die Erträge des durch Dampf gepflügten Bodens anerkannt höhere sind als nach anderer Bearbeitung. Al'z weitere Vorteile der D. sind noch folgende Umstände zu nennen: daß gleich nach der Ernte mit der Arbeit begonnen werden kann und daß kein Festtreten des Bodens durch Zugtiere stattfindet. Trotz der höhern Anschaffungskosten des Zweimaschinensystems im Vergleiche zum Einmaschinen- und Rundherum-System ist das erstere doch, namentlich bei Tiefkultur, vorzuziehen, weil es die beste Arbeit liefert. Die bei der D. angewandten Dampfmaschinen sind 6 —20 Pferdekräfte stark; meistens nimmt man Spferdige. Trotzdem die Dampfmaschinen auch noch zu andern Zwecken verwendet werden können, z. B. zum Dreschen, so rentiert sich die Beschaffung eines

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 806Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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