FeedDaru (Pierre Antoine Bruno, Graf)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Daru (Pierre Antoine Bruno, Graf), franz. Staatsmann und Schriftsteller, geb. zu Montpellier 12. Jan. 1767, betrat im 16. Jahre die militärische Laufbahn, nachdem er eine ausgezeichnete Schulbildung erhalten, die seine in jeder Lebenslage fortdauernde Vorliebe für litterarische Beschäftigungen erklärt. Als Generalintendant in Osterreich und Preußen in den J. 1805, 1806 und 1809 machte er sich durch seine strenge Verwaltung verhaßt, sodaß Blücher 1813 Dis Besitzungen sequestrieren ließ, welche Maßregel jedoch aufgehoben ward, sobald sie zur Kenntnis der verbündeten Monarchen gekommen war. D. wurde 1818 zum Pair ernannt und 1828, nachdem er schon seit 1805 Mitglied des Nationalinstituts gewefen, in die Alademie der Wissenschaften aufgenommen. Von Staatsämtern seit der Restauration entfernt, widmete er seine Muße vorzüglich geschichtlichen Studien. Er starb auf seinem Landsitze Becheville bei Meulan 5. Sept. 1829. Sein Hauptwerk ist die Mistoire de la république de Veniser (7 Bde., Par. 1819 — 21; 4. Aufl., 9 Bde., 1853), ausgezeichnet durch wissenschaftliche Genauigkeit und sorgfältigen Stil. Einen deutschen Auszug daraus lieferte Bolzenthal (3 Bde., Lpz. 1825—27). Seine „Histoire de la Bretagnen (3 Bde., Par. 1826; deutsch von Schubert, 2 Bde., Lpz. 1831) ist ein zwar minder anziehendes, aber ebenfalls sehr gründliches Werk. Ferner sind zu erwähnen die „Notions statistiques sur la librairie pour servir à la discussion des lois sur la presser (Par. 1827). Darn (Napoléon, Graf), franz. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 11. Juni 1807, erbte von dem Vater die Pairswürde, die er auch nach der Julirevolution von 1830 bis zur Februarkatastrophe von 1848 besaß. Vom Depart. Manche ward er 1848 in die Konstituierende und in die Gesetzgebende Nationalversammlung gewählt, wo er mit der Majorität stimmte. Beim Staatsstreiche vom 2. Dez. 1851 berief er als Vizepräsident die Repräsentanten auf die Mairie des 10. Arrondissements. Er übernahm hier den Vorsitz und beantragte die Absetzung Ludwig Napoleons, weshalb er verhaftet und eine Zeit lang in Vincennes gefangen gehalten, jedoch nicht aus Frankreich verbannt wurde. Freigelassen, zog sich D. ins Pripatleben zurück, aus dem er nicht eher wieder hervortrat als während der allgemeinen Wahlen von 1869, bei denen er als konservativliberaler Kandidat auftrat und im „As Angegen den offiziellen Kandidaten siegte. Als Anfang 1870 Napoleon III. durch Berufung Olliviers „zur Bildung eines Ministeriums den Schein er⸗ „weckte, daß es ihm mit Einführung einer konstitutionellen Regierung Ernst sei, wurde D. von dem neuen Ministerpräsidenten veranlaßt, in sein Mi⸗ „nisterium einzutreten und das Portefeuille des Außern zu übernehmen. D. willfahrte, gab jedoch „kurze Zeit vor dem Plebiscit seine Entlassung und lebte während der Dauer des ogeuhent Im Fehr. „Kriegs von 1870 in Zurückgezogenheit. Im Febr. 1871 vom Depart. Manche in die Nationalversammlung gewählt, schloß er sich dem rechten Centrum an, wurde 1876 Senator für dasselbe Deartement und hielt sich im Senat zur Rechten. m J. 1879 wurde er nicht wieder gewählt und zog sich ins Privatleben zurück.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 892Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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