FeedDavid (Pierre Jean)
Bildende KunstBrockhaus 1882

David (Pierre Jean), berühmter franz. Bildhauer, von seiner Geburtsstadt Angers gewöhnlich David d'An gers genannt, geb. 12. März 1789, Sohn eines Ornamentenschnitzers, kam 1808 nach Paris, arbeitete daselbst bei J. L. David und Rolland und erwarb 1811 den ersten Preis der Bildhauerei, der ihm die Vollendung seiner Studien in Rom ermöglichte. Eine kolossale Marmorstatue des großen Condé (im Schloßhofe zu Versailles), die er nach seiner Rückkehr aus Italien in Paris ausführte, begründete seinen Ruf und bereits 1826 wurde D. zum Mitgliede des Instituts ernannt. Zwei Jahre später unternahm er seine erste Reise nach Deutschland, wo er das Modell zu Goethes kolossaler Büste verfertigte, die von ihm in Marmor ausgeführt und der großherzogl. Bibliothek in Weimar geschenkt wurde. Auf einer zweiten Reise nach Deutschland 1834 modellierte er die Büsten von Dannecker, Schelling, Tieck und Rauch. Die Juliregierung übertrug ihm die Skulptur in dem Giebelfelde des Pantheons, ein Hautrelief von gewaltigem Umfange und des Künstlers bedeutendste Arbeit, die er 1837 vollendete. Im J. 1848 von den Wählern des Maine-Loire-Departements zur Konstituierenden Nationalversammlung abgeordnet, nahm er seinen Platz unter den Repräsentanten der radikalen Demokratie. Seine polit. Rolle beschränkte sich indes nur auf Abstimmen. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. aus Frankreich verbannt, besuchte er Griechenland und starb, später nach Frankreich zurückgekehrt, in Paris 5. Jan. 1856. Sein Standbild von Louis Noel wurde 24. Okt. 1880 auf der Place de Lorraine in Angers enthüllt. Seine Werke bestehen in 46 großen Statuen, 25 kleinern, mehr als 50 Basreliefs, 30 und einigen kolossalen Büsten und über 500 Porträtmedaillons. D. ist der Hauptvertreter der realistischen Richtung in der franz. Kunst. Seine Hauptstärke bestand im leichten Erfinden und in der Ausführung umfangreicher Bildhauerarbeiten. In seinen kleinern Werken fehlt es der Zeichnung und Modellierung an Feinheit und Schärfe. Um die Genialität berühmter Personen hervortreten zu lassen übertrieb er in den Büsten oft die Formen des Kopfes, zumal des Schädels. Ebenso ließ ihn die Furcht vor leerer Glätte vielfach in Härten verfallen, während er andererseits in monumentalen Werken die Zufälligkeiten des modernen Kostüms zu sehr im einzelnen verfolgte und deshalb von Stillosigkeiten nicht freizusprechen ist. Vgl. «Oeuvres compleétes de D. d' Angerso (Par. 1856—58, Fol., mit 152 lithographierten Blättern); Marc, L'Guvre de D. d'Angerso (2 Bde., Par. 1873); und besonders Jouin, D. d'Angers, sa vie, son Euvre, ses écrits et ses contemporainso (2 Bde., Par. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 914Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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