FeedIngres (Jean Auguste Dominique)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Ingres (Jean Auguste Dominique), berühmter franz. Historienmaler, geb. 15. Sept. 1781 zu Montauban, ging nach Paris, trat dort bei David 1797 als Schüler ein und gewann 1801 bei der akademischen Konkurrenz den ersten großen Preis und das damit verbundene Stipendium, konnte aber erst 1806 die Reise nach Rom antreten. Da seine Arbeiten in Paris eine kühle Aufnahme fanden, blieb er nach Ablauf seiner offiziellen Studieneit in Italien (1810—20 in Rom, 1820- 24 in lorenz), wo er, aller Hilfsmittel entblößt, seinen Unterhalt durch Porträtmalen kümmerlich erwarb. Die 1813 von der Königin Karoline von Neapel bestellte Odaliske war das erste Bild, welches in Frankreich die Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Das Gelübde Ludwigs XIII., in Florenz gemalt (in der Kathedrale zu Montauban) und die Apotheose Homers, in der Ausstellung 1827 (Deckenbild in einem Saale des Louvre) vermehrten seinen Ruf. Sein bedeutendstes Historiengemälde, die Marter des heil. Symphorian, auf der Ausstellung 1834 (in der Kathedrale von Autun), wurde jedoch von den Kunstkritikern so hart mitgenommen, daß sich J. in seine Stelle als Direktor der Französischen Akademie zu Rom zurückzog. Seine zweite Rückkehr von Rom 1841 fiel in die erste Zeit der Reaktion — die romantische Schule und war für ihn ein riumph. Man begrüßte seitdem jede seiner Leistungen, und bei der großen Ausstellung 1855 wurden 40 seiner Bilder in einem besondern Saale vereinigt. Im J. 1862 berief ; sogar ein kaiserl. Dekret in den Senat. Er starb zu Paris 13. Jan. 1867. J. gilt in seinem Vaterlande mit Recht für den vornehmsten Vertreter der strengen und stilisierenden Malerei. Sein Talent und Verdienst ist unzweifelhaft, aber sehr überschätzt. Bei allen Vordie stilgemäßer und sorgsamer Durchbildung sind ie Dürftigkeit der Erfindung, der fehlende Sinn für tiefere Beseelung und feinere Individualisierung, die Kälte und Härte der Färbung, die Glätte und Nüchternheit des Vortrags doch zu auffallende Mängel an seinen Werken. Sein Streben ging dahin, die besten Traditionsmuster mit lebender Modellnatur zu verbinden. Sein Ödipus und die Sphinx (1808), Jupiter und Thetis, Virgil und Augustus, sowie seine gefeierte Stratonike (1836) zeigen die von David fur die Darstellung antiker Gegenstände aufgebrachte Behandlungsweise, ja diese noch überbietend in kalter Eleganz. Die Francesca von Rimini (1819) er-Rinin dagegen wie aus einer alten Handschrift mit iniaturen herausgeschnitten, und der Einzug König Karls V. in Paris (1822) gleicht einem alten Tapetengemälde. Seine beiden Hauptwerke. die Apotheose Homers und die Marter des heil. Sym52 Das verraten den direkten Einfluß der Stanzen es Vatikans, und die Schlüssel Petri (1820), Christus als Knabe unter den Schriftgelehrten (1862) suchen sich dem —7 Kirchenstil anzunähern, aber ohne Erfolg. Das Gelübde Ludwigs XIII., die Madonna mit der Hostie, die meergeborene Aphrodite (1848) sowie die Quellnymphe (1859) stützen sich ebenfalls auf weltbekannte Werke Rafaels. Seine Darstellungen von Anekdoten aus dem Leben berühmter Männer: Rafael und die ornarina, Rafael und der Kardinal Bibiena, einrich IV. und seine Kinder, Ludwig XIV. und Moliere u. s. w., haben vor andern Stücken der historischen Genremalerei nur eine bessere Stilisierung voraus. Ganz vortrefflich aber sind zwei kleine Genrebilder, die beide eine Messe in der Sirtinischen Kapelle vorstellen, das eine von 1814, das andere von 1821. Als Lehrer in seinem Atelier zu Paris und auch als Direltor der Villa Medici in Rom (1834—41) betrieb J. den Unterricht seiner Kunst mit einem Ansehen, wie es kein anderer siche besaß. Seine Hauptwerke sind durch treffliche Kupferstiche von Richomme, Calamatta, Henriquel-Dupont, Flameng u. a. vervielfältigt worden. Vgl. Oeuvres de Jean Auguste I., gravées au trait par A. Reveil (Par. 1851, mit 102 Kupfertafeln); Delaborde, 4I., sa vie, ses travaux, sa doctrines (Par. 1870); Blanc, «I., sa vie et ses ouvrageso (Par. 1870). ugrien, s. Ingermanland. ugrossieren (ital.), etwas mit großer (edickero) Schrift ins Reine schreiben, ins Grund- und Hypothekenbuch eintragen; Ingrossator, der Fubrer eines solchen Buchs; Ingrossation, Eintragung in dasselbe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 600Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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