David (Jacques Louis), berühmter franz. Maler, der Stifter und das Haupt der klassischen franz. Schule, geb. 31. Aug. 1748 zu Paris, Schüler von Vien, 1774 mit dem großen akademischen Preis das Stipendium für den fünfjährigen Studienaufenthalt in Rom, wo er sich ganz in die Betrachtung der antiken Bildwerke vertiefte und viel mehr Beiitar als malte. Auf sein Bild: Der blinde Belisar (gegenwärtig in Altontower bei Lord Shrewsbury), wurde er außerordentliches Mitglied der königl. Akademie (1780), und sodann ordentlicher Akademiker auf das Gemälde: Hektors Tod (1783). Bald nachher unternahm er eine zweite Reise nach Italien und verfertigte daselbst, im Auftrage Ludwigs XVI., das Gemälde: Schwur der Horatier (1784), das in Rom ein Gegenstand der Bewunderung aller Künstler war und später auch in Paris (jetzt im Museum des Louvre) ungemeines Aufsehen erregte. D. besuchte 1787 Belgien. Nach seiner Rückkehr nach Paris malte er den Tod des Sokrates, den Brutus (1788) und die Versöhnung des Paris mit der Helena (1789). Im Verlauf der Revolution von der polit. Bewegung ergriffen, Mitglied des Nationalkonvents, eifriger Jakobiner und Anhänger Robespierres, leitete D. dabei alle Kunstunternehmungen von Staats wegen mit Energie. Von seinen damals ausgeführten Gemälden sind besonders der Verscheidende Lepelletier und der Ermordete Marat bekannt, zwei Bilder von ener-Dche Naturalismus und ergreifendem Eindruck. schenkte dieselben dem Konvent, und sie hingen eine Zeit lang in dem Sitzungssaal der Versammlung. Der Opernpomp am Feste des höchsten Wesens, welchen D. angeordnet hatte, machte ihn nach Robespierres Sturz zu einem Hauptmitschuldigen desselben, und die Thermidorianer erwirkten seine Verhaftung; aber die Verwendung einiger Konventsmitglieder von Einfluß, die sein gutherziges Wesen kannten, rettete ihn vor der Guillotine, und er kam mit siebenmonatlicher AIndovoriuni davon. Unter seinen spätern Werken sind vorzüglich zu erwähnen: Die Sabinerinnen lietzt im Louvre), sodann Die Adlerverteilung auf dem Marsfelde und die Kaiserkrönung in Notre-Dame lietzt im Historischen Museum zu Versailles), zwei kolossale Bilder für 180 000 Frs., im Auftrage Napoleons J. gemalt, welcher D. zu seinem ersten Hofmaler ernannt hatte. Während der Restauration, als das sog. Amnestiegesetz vom 16. Jan. 1816 herauskam, mußte D. wegen seines königsmörderischen» Votums im Konvent Frankreich verlassen und siedelte, da ihm die Erlaubniß, sich nach Rom zu begeben, verweigert wurde, nach Brüssel über, wo er 29. Dez. 1825 starb. Von der zu seiner Zeit herrschenden akademischen Malerei abgehend, suchte D. in dem formalen Studium der Antike und in daraus abstrahierten Kunstprinzipien eine neue Grundlage für die Malerei, machte aber dabei arge Mißgriffe. Seine pseudo-klassischen Historiengemälde sind ebenso unwahr, konventionell und frostig-theatralisch als die vorhergehenden akademischen Bilder. Doch ist seinem Schaffen eine gewisse Vornehmheit und großer Stil nicht abzusprechen. Daß D. ein tüchtiger Lehrer gewesen sein muß, beweisen die vielen von ihm Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IV. herangebildeten Schüler, die nachher teilweise berühmte Maler wurden, wie Gros, Gerard, Girodet, Isabey, Ingres, Léopold Robert u. a. Sein Einfluß erstreckte sich über den ganzen Kontinent und wirkte umgestaltend alle europ. Schulen. Was man auch seinem Stile mit gutem Grunde vorwerfen mag, D. bleibt ein großer Meister, welcher eine ernste Reform auf dem Gebiete seiner Kunst erstrebte. So oft er von einem Vorfall, von einer Persönlichkeit oder Staatsaktion lebhaft affiziert wurde und bei der Abbildung sich selbst, sein System und seine Schule vergaß, zeigte er, außer seinem lebhaften Sinn für Korrektheit und Schönheit der Form, auch ein sehr reines Naturgefühl und meisterhafte Technik. Vgl. Delécluze, Louis D., son école et son tempsy (Par. 1855).