Davoust, auch Davout (Louis Nicolas), Herzog von Auerstädt und Fürst von Eckmühl, franz. Marschall, geb. 10. Mai 1770 zu Annoux in Burgund, aus angesehener Familie, war gleichzeitig mit Bonaparte auf der Militärschule zu Brienne und wurde 1785 Lieutenant im Reiterregiment Royal Champagne, 1791 Chef eines Freiwilligenbataillons, mit welchem er an den Feldzügen von 1702 und 1793 unter Dumouriez teilnahm. Als Dumouriez auf Abfall sann, ließ D. Feuer auf ihn geben und richtete eine energische Proklamation an die Armee. Schon im Juni 1793 ward er zum General befördert, zwar im August seiner Herkunft wegen abgesetzt, aber nach dem 9. Thermidor wieder angestellt. Er focht in der Moselarmee und 1795 unter Pichegru bei der Rheinarmee, wurde in Mannheim gefangen, bald aber wieder ausgewechselt und diente 1796 unter Moreau. D. begleitete 1798 Bonaparte nach Agypten und fand hier Gelegenheit, sich als Fuührer auszuzeichnen. Unter Desair kommandierte er die Kavallerie auf dem Zuge nach Oberägypten und kämpfte bei Abukir unter Bonapartes Augen, für welchen er seitdem eine unbegrenzte Anhänglichkeit zeigte. Er kehrte mit Desair 1800 nach Frankreich zurück und wurde von Bonaparte zum Divisionsgeneral und Befehlshaber der Kavallerie der ital. Armee, 1801 zum Chef der Gardegrenadiere, nach der Thronbesteigung Napoleons zum Marschall von Frankreich und Großkreuz der Ehrenlegion, auch zum Major-General der Kaisergarde ernannt. Im österr. Feldzuge von 1805 befehligte er das 3. Korps, mit welchem er bei Austerlitz auf dem rechten Flügel den Feind aufhielt. Im preuß. Feldzuge avoust (Léopold Claude Etienne) von 18086 siegte er bei Auerstädt, wofür er 2. Juli 1808 den Herzogstitel erhielt. Gegen Ssterreich führte er 1809 wiederum das 3. Korps, hatte wesentlichen Anteil an dem Siege bei Eckmühl, konnte aber an der Schlacht von Aspern nicht Anteil nehmen, weil die Zerstörung der Brücken den Donauübergang seines Korps hinderte. Dagegen entschied seine Umgehung, eine der großartigsten, welche die Kriegsgeschichte kennt, den Sieg bei Wagram. Nach dem Frieden wurde er zum Fürsten von Eckmühl und 1811 zum Generalgouverneur des Departements der Elbmündung ernannt und befehligte die franz. Truppen in Deutschland. Im russ. Feldzuge 1812 führte er das 1. Korps. Nach dem unglücklichen Rückzuge organisierte er seine Truppen in Sachsen, sprengte 19. März 1813 beim Anmarsch der Verbündeten die Elbbrücken zu Meißen und Dresden und marschierte dann durch Mecklenburg nach Beneral das seit dem 18. März von dem russ. General Tettenborn besetzt war. Am 30. Mai besetzte er Hamburg und behauptete sich dort bis zum 31. Mai 1814 mit rücksichtsloser Energie und Strenge, unter welcher die Stadt schwer zu leiden hatte. Durch unerhörte Erpressungen gedachte Napoleon die reiche Stadt für ihre deutsche Gesinnung zu strafen, und D. war sein willfähriges Werkzeug. Er legte den Einwohnern zunächst eine Kontribution von 48 Mill. Frs. auf, welche größtenteils eingetrieben worden ist. Am 5. Nov. ließ D. die Bank mit einem Kassenbestande von 7489 343 Mark Banco in Beschlag nehmen, gegen Ende des Jahres aber mehr als 30000 Menschen aus der Stadt treiben und die Wohnungen von mehr als 8000 niederbrennen. Erst nach dem Sturze Napoleons verließ D. auf Befehl Ludwigs XVIII. Hamburg. Während der ersten Restauration blieb D. ohne Anstellung, wurde jedoch nach Napoleons Rückkehr von Elba Kriegsminister. Als die Verbündeten nach dem Siege bei Waterloo gegen Paris vorrückten, übernahm D. an der Spitze von 60000 Mann die Verteidigung der Stadt, schloß 3. Juli 1815 die Übereinkunft mit Blücher und Wellington ab und führte die franz. Armee hinter die Loire. Er unterwarf sich Ludwig XVIII., forderte auch die Armee dazu auf und trat auf des Königs Befehl das Kommando an den Marschall Macdonald ab. Dieser dem königl. Interesse förderlichen Thätigkeit ist vorzugsweise seine Wiederanstellung (1817) und die Ernennung zum Pair von Frankreich (1819) zuzuschreiben. D. starb 1. Juni 1823 zu Paris. Festigkeit des Charakters und persönliche Tapferkeit waren D.s Haupteigenschaften; seine militärische Strenge ging oft in Härte, ja in Grausamkeit über. Vgl. Chenier, «Histoire militaire, politique et administrative du Maréchal D. (Par. 1868).