FeedDayak
TierreichBrockhaus 1882

Dayak (loder Dajak, unrichtig Dyak, wie häufig von den Engländern geschrishen wird), ein der großen malaiischen Völkerfamilie angehöriger, die Hauptmasse und 5150 den ältesten Teil der Bevölkerung der Insel Borneo (s. d.) bildender Stamm. Die D. zeigen in ihrer Körper⸗, Schädel- und Gesichtsbildung den charakteristischen Typus der malaiischen Rasse. Sie sind schlank, wohlgebaut, von mittlerer Größe, und obwohl ihre Arme und Beine auffallend dünn erscheinen, kräftig und ausdauernd, namentlich unermüdliche Fußgänger. Ihre Hautfarbe ist ein bald helleres, bald dunkleres, bei einigen mehr gelbliches, bei andern mehr rötliches Braun; ihre häufig runden und vorspringenden Augen, sowie ihr langes glattes Haupthaar sind immer schwarz. Ihre Sprache, ein Zweig des malaiisch-polynesischen Stammes, zeigt eine unverkennbare Verwandtschaft mit den auf den andern ostind. Inseln herrschenden Idiomen. Von Charakter sind die D. ehrlich, treu und zuverlässig; gereizt und beleidigt dagegen werden sie rachsüchtig und grausam. Ihre Gesamtzahl dürfte sich auf höchstens 2½ Mill. belaufen. Die D. sind ein dem Untergange verfallener Volksstamm, der früher sowohl die Küstenstriche als auch das Innere von Borneo bewohnte, gegenwärtig aber fast nur auf letzteres beschränkt ist. Hauptursache ihres allmählichen Aussterbens ist die Unterdrückung durch die Malaienstaaten auf Borneo und der unter ihnen herrschende Gebrauch (Menayau), daß kein Jüngling heiraten und in die Gemeinschaft der Männer aufgenommen werden darf, der nicht zuvor eine bestimmte Anzahl Personen eines andern Dayakstammes getötet und deren Köpfe nach seinem Wohnorte gebracht hat, wo dieselben als Trophäen in dem Versammlungsraume der Männer an dem Dachbalken aufgehängt werden. Die D. zerfallen in eine Menge kleiner, meistens 50—150 Familien zählender, in der Regel einander feindlich gegenüberstehender Stämme. Die unabhängigen D. wählen sich baalt ihre Stammeshäupter; die in den Malaienstaaten lebenden erhalten sie von den Fürsten dieser letztern angewiesen. Die D. führen meist eine Art von Nomadenleben, nur wenige Stämme sind seßhaft. Mehrere Stämme im Norden und Osten der Insel waren und sind teilweise noch gefürchtete Seeräuber. Eigentümlich sind die Wohnungen, namentlich die der herumziehenden Stämme. Dieselben, deren Wände und Dächer 25 nur aus abgeschälten Streifen Baumrinde bestehen, ruhen auf 4—6 m hohen Pfählen und sind in der Regel 50 —70 m lang, daß 15—20 Familien, 50—70 ndividuen darin Raum finden. Die Häuser der Pare-D. am Kouteiflusse sind selbst 100—150 m lang und beherberen nicht selten einen ganzen, mehrere hundert dadmn zählenden Stamm. Ein ganzes Dorf esteht oft nur aus einem einzigen Hause, dessen Mitte der Versammlungssaal der Männer einnimmt. Die Kulturstufe der D. ist eine sehr niedrige. Nur die seßhaften Stämme, namentlich die in der Residentschaft Bandjermassing, welche Garten-⸗ und Ackerbau treiben, das Eisen zu schmelen und vorzüglich gehärtete Hiebwaffen zu verfertigen wissen, stehen mit den gewöhnlichen Malaien ungefähr auf gleicher Höhe. Anthropophagie besteht weder, noch Rf sie erweislich jemals bei einem Dayakstamme bestanden. Die fruher bei den D. allgemeine Gewohnheit, den Körper zu tätowieren, ist bei den seßhaften allmählich außer Gebrauch gekommen. In ihren religiösen Vorstellungen, die in der Anbetung einer Gottheit der Ober- und einer der Unterwelt besteht, denen sie Opfer darbringen und von denen sie nicht selten auch aus Holz geschnitzte Bilder vor ihren Häusern aufstellen, zeigen sich aus jener Zeit, wo der nördl. Teil von Borneo dem gegen Ende des 15. Jahrh. untergegangenen Hindureiche Modjopahit auf Java unterworfen war, einige dunkle Anklänge an den Hinduismus. Eine große Rolle unter den D. spielen die Balians, Frauen, welche zugleich als öffentliche Sängerinnen, Tänzerinnen, Priesterinnen, Wahrsagerinnen, Zauberinnen, Beschwörerinnen der bösen Geister, als Hebammen und Arztinnen fungieren. Überhaupt sind die D. sehr abergläubisch, richten sich z. B. bei ihren Jagd⸗ und Raubzügen stets nach dem Fluge der Vögel, namentlich eines Angang genannten Raubvogels (Palco Pondicerianus). Die herumziehenden D. leben hauptsächlich von dem Fischfange und der Jagd, außerdem von wilden Früchten, Sago und Reis, welchen sie in trockenen Reisfeldern, sog. Ladangs, anpflanen. Salz können die D. sich nur von der malaiijchen und chines. Küstenbevölkerung u. Diesem weshalb michreibt Mangel hieran leiden. Diesem Umstande schreibt man zu, daß Hautkrankheiten, namentlich der Fischschuppenausschlag (Ichthyosis) allgemein unter ihnen verbreitet sind. Ihre Waffen sind mit einer Lanzenspitze versehene Blaserohre (Siped genannt), aus denen sie vergiftete Pfeile 40—50 m weit schießen, große säbelartige Messer (Mandan genannt) und Schilder. Vgl. M. + H. Perelaer, „Ethnographische beschrijving der Dajakso (Zalt-Bommel 1870); Bud⸗ (3 Bde., Rotterd. 1859—61); Bock, «Reis in Oosten Zuid-Borneo in 1879 en 18805 (Haag 1881; deutsche Ausgabe: Unter den Kannibalen auf Borneov, von Rob. Springer, Jena 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 921Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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