FeedDechamps (Victor)
ReligionBrockhaus 1882

Dechamps (Victor), Kardinal-Erzbischof von Mecheln, jüngerer Bruder des vorigen, geb. zu Melle 6. Dez. 1810, schloß sich nach einer sorgfältigen Erziehung eifrig der von Lamennais vertretenen theol. Richtung an. In diesem Sinne schrieb er in mehrere polit. Blätter, bis er sich plötzlich 1832 dem theol. Studium in Tournay, Mecheln und Löwen zuwandte. Nach vollendeten Studien trat er in das Redemptoristenkloster zu St.⸗Trond, welches er kurz darauf mit dem Ordenshause Wittem bei Aachen vertauschte. Seine Missionspredigten in den verschiedenen Städten Belgiens, besonders in Lüttich und Brüssel, stellten ihn an die Seite der franz. Kanzelredner Ravignan, Lacordaire und Dupanloup. Nach einer Pilgerfahrt nach Rom (1849—50) übernahm er die Leitung eines Ordenshauses in Tournay und beteiligte sich eine Zeit lang am Religionsunterrichte des jetzigen Königs Leopold II. Er wurde Bischof von Namur 6. Sept. 1865, von wo er 20. Dez. 1867 auf den erzbischöfl. Sitz in Mecheln versetzt wurde. Im J. 1875 erhielt er den Kardinalshut, eine Belohnung für seine eifrige Beförderung des Infallibilitätsdogmas. D hat eine große Anzahl polemischer, apologetischer und ascetischer Schriften geschrieben und sich besonders durch seine Angriffe gegen die Freimaurerei hervorgethan. In dem leidenschaftlichen Kampf, den seit dem belg. Schulgesetz von 1879 die röm. Kirche gegen das belg. Ministerium führt (s. unter Belgien), hat D. sich als eifriger Anhänger des Ultramontanismus bewährt. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 931Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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