Denifle (Friedr. Heinr. Suso), einer der bedeutendsten Schriftsteller und Gelehrten unter den Dominikanern der Gegenwart, geb. 16. Jan. 1844 zu Imst im Oberinnthal in Tirol, war Zögling des Cassianeums in Brixen in Tirol, trat 1861 in Gratz in den Dominikanerorden und legte 1862 die Profeß ab. Im gratzer Kloster vollendete er seine Studien an der dortigen Hauslehranstalt, fortwährend beschäftigt mit dem Studium des Aristoteles wie der Werke des heil. Thomas von Aquino. Er erhielt 1866 die priesterliche Weihe, setzte darauf 1867 — 69 das Studium der griech. Philosophie, namentlich des Plato und Aristoteles fort und bearbeitete eine Schrift Küber den Aristotelischen Substanzbegriff in der Scholastiko. Im J. 1869 vollendete er am Collegium Sancti-Thomae de Urbe in Rom seine Studien und legte im großen Dominikaner-Studienhause St.⸗Maximin in Marseille die Lektoratsprüfung ab, wodurch er das Recht erhielt, den Studenten des Ordens Vorträge über die theol. Fächer zu halten. Hierauf wirkte D. seit 1870 in Gratz, teils im dortigen Dominikanerkloster als theol. Lehrer, teils als gefeierter Kanzelredner im Dom. Seine gelehrten Studien bezogen sich damals vor allem auf die eSummar des Thomas von Aquino, die er mit einem historischen, die Quellen, aus denen Thomas geschöpft, heranziehenden Komvöllige Mangel an Teilnahme bestimmte ihn, das Unternehmen aufzugeben. Er wandte sich nun dem Studium der mittelalterlichen Mystiker zu, mit denen er sich bis dahin nur nebenbei hatte beschäftigen können. Schon diese doch mehr gelegentlichen Beschäftigungen hatten ihn zu der lberzeugung geführt, daß diese Mystiker im engsten Zusammenhange mit den Scholastikern wahrscheinlicherweise sogar in einem deutlichen Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen stehen. Mehrjährige Reisen ermöglichten ihm die ausgebreitetste Kenntnis des handschriftlichen Materials, sodaß D. jetzt zu den größten Kennern der mittelalterlichen Mystik gehört. D., welcher sodann in hervorragender Weise sich an der von Papst Leo XIII. angeordneten Ausgabe der Werke des heil. Thomas von Aquino beteiligte, indem er die Bibliotheken des europ. Kontinents und Großbritanniens zu diesem Zweck durchforschte, ist im J. 1880 zu der einflußreichen Stellung eines Generaldefinitors des Dominikanerordens für Deutschland nach Rom berufen worden, wo er für die neue Ausgabe der Schriften des Thomas thätig ist und wohl eigentlich an der Spitze dieses großartigen Unternehmens steht, von dem der erste Band (Rom 1882) erschienen ist. Die Hauptschriften D.s sind (außer seiner Ausgabe von «H. Susos Schrifteno, Abteil. 1, Bd. 1—3, Augsb. 1878—80, und vielen wissenschaftlichen Aufsätzen, namentlich in Haupts Zeitschrift für deutsches Altertumo) folgende: Die kath. Kirche und das Ziel der Menschheito (Gratz 1872), «Das geistliche Leben. Eine Blumenlese aus den deutschen Mystikern des 14. Jahrh.» (Gratz 1873; 3. Aufl. 1880), Der Gottesfreund im Oberlande und Nikolaus von Baselo duhto 1875), 4Bekehrung Taulers kritisch untersucht »(Straßb. 1879), «Zu Susos ursprünglichem Briefbuch' (Gratz 1875), «Das Buch von geistlicher Armuto (mit dem Nachweise, daß Tauler nicht der Verfasser desselben ist, Münch. 1877).