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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Decker, Buchdrucker⸗ und Buchhändlerfamilie in Basel, Colmar und Berlin. Georg D., geb. 26. April 1596 zu Eisfeld in Thüringen, errichtete um 1635 in Basel die Universitätsbuchdruckerei und starb daselbst 1661. Diese Druckerei, zu welcher später noch die Parlaments⸗ und Hofbuchdruckerei in Colmar hinzukam, verblieb in ununterbrochenem Besitz der Familie bis 1. Aug. 1802, wo sie Joh. Jakob Thurneyßen in Basel um 200000 Frs. erwarb. — Ein Nachkomme Georg D.s, Georg Jakob D. (geb. 12. Febr. 1732 in Basel), ging 1751 nach Berlin, heiratete dort 1755 die Tochter des akademischen Buchdruckers Joh. Grynäus und übernahm dessen Geschäft, welches er rasch in die Höhe brachte. Er erhielt 1763 den Titel und 1765 die Rechte eines Königlichen Hofbuchdruckers und fing einige Jahre später an, Werke für eigene Rechnung in Verlag zu nehmen. Im J. 1782 wurde er zum Geh. Oberhofbuchdrucker ernannt und druckte als solcher 1787—89 in einer besondern im königl. Schlosse errichteten Druckerei die 28 Bände umfafsenden Werke Friedrichs d. Gr. Er starb 17.Nov. 1799, nachdem er bereits 1792 sein Geschäft seinem gleichnamigen Sohn Jakob D. (geb. 9. Nov. 1765) übergeben hatte. Derselbe erweiterte das Geschäft durch Ankauf der Sommerschen Hofbuchdruckerei in Potsdam und durch Errichtung der Südpreußischen Hofbuchdruckerei in Posen. Nach seinem 26. Aug. 1819 erfolgten Tode ging sein Geschäft auf seine beiden Söhne Karl Gustav D. (geb. 23. Jan. 1801) und Rudolf Ludwig D. (geb. 8. Jan. 1804) über, von denen ersterer bereits Rudolf Ludwig D. führte das Geschäft in großartiger Weise fort. Aus seinen Pressen gingen neben andern zahlreichen Werken hervor die 4«Oeuvres de Frédéric le Grando in 30 Bänden größten Quartformats mit vielen künstlerischen Beilagen, auf Befehl Friedrich Wilhelms IV. in 200 Eremplaren gedruckt; ferner Das Neue Testament. Deutsch durch M. Luther nach der Ausgabe von 1545, ein mit Holzschnitten nach Cornelius und Kaulbach geschmücktes, nur in 80 Exemplaren in Oliphant-Folio bei Gelegenheit der Welt-Industrieausstellung zu London 1851 hergestelltes Prachtwerk. Bei der Feier des hundertjährigen Bestandes des Geschäfts 1863 wurde Rudolf Ludwig D. in den erblichen Adelstand erhoben. Mit seinem Tode, 12. Jan. 1877, erlosch die Firma «Königl. Geheime Oberhofbuchdruckerei (R. von Decker)v. Die Druckerei ging 1877 durch Kauf an das Deutsche Reich über und wurde seit 1879, mit der Preußischen Staatsdruckerei vereinigt, als Reichsdruckerei weitergeführt; das Verlagsgeschäft erwarben 1. Juli 1877 die langjährigen Mitarbeiter im Deckerschen Hause, Otto Marquardt und Gustav Schenck, welche dasselbe unter der Firma «R. von Deckers Verlag (Marquardt u. Schench betreiben. Val. Potthast, „Die Abstammung der Familie D.» (Berl. 1863). — Seine Gattin Pauline, geb. von Schätzell, eine Enkelin der Sängerin Margareta Schick, wurde 1812 zu Berlin geboren und war von 1828 bis zu ihrer Verheiratung (1832) am königl. Opernhaus in Berlin engagiert, wo sie sich zur gefeierten Primadonna emporschwang und namentlich in Mozarts und Webers Sopranpartien glänzte. Auch als Liederkomponistin Zuerst unter dem Namen P. F. Marxhausen) hat sie sich einen Namen gemacht. Sie starb 9. Sept. 1882 in Eichberg bei Hirschberg in Schlesien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 937Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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