Duncker, namhafte deutsche Buchhändlerfamilie. Karl D., Sohn eines Kaufmanns, geb. zu Berlin 25. März 1781, verlor zwei Jahre alt seinen Vater, besuchte eine Zeit lang ein Gymnasium und eine Handelsschule und trat darauf als Lehrling zunächst in ein kleines Ladengeschäft in Berlin, im J. 1800 in die Buchhandlung von Georg Voß in Leipzig ein. Anfang 1806 kam er als Gehilfe in die Buchhandlung von Heinr. Frölich in Berlin. Als dieser sechs Wochen später starb, wurde D. von den Erben desselben mit der Führung des Geschäfts betraut. Nach Abzug der Franzosen (Dez. 1808) entschloß sich D. mit einem Berufsgenossen, Peter Humblot, von der Witwe Frölich das Geschäft zu kaufen. Am 1. Jan. 1809 trat die neue Firma ins Leben. Trotz der Kriegsjahre gedieh das Geschäft. Nach dem Tode Humblots (1828) führte D. dasselbe allein unter Beibehaltung der Firma fort und hob es zu immer größerer Blüte. Aus seinem Verlage gingen unter anderm die von Frölich übernommene Beckers Weltgeschichte, Leopold Rankes epochemachende Geschichtswerke, Hegels sämtliche Werke und Vorlesungen, die Jahrbücher für wissenschaftliche Kritiko, die Litterarische Zeitungo und außerdem eine Menge jurist., naturwissenschaftlicher, mathem. und schönwissenschaftlicher Werke hervor. Zugleich widmete sich D. mit Erfolg dem Gesamtinteresse des deutschen Buchhandels. Ostern 1828 war er in den Vorstand des Börsenvereins der deutschen Buchhändler gewählt worden; mit F. Fleischer, W. A. Barth und F. Brockhaus bildete er den Ausschuß für die 1833 beschlossene und 1836 vollendete Erbauung der Deutschen Buchhändlerbörse in Leipzig; von 1837 bis 1866 gehörte D. ununterbrochen entweder dem Verwaltungsausschusse oder dem Wahlausschusse des Börsenvereins, sowie daneben verschiedenen besondern Ausschüssen für wichtige Fragen des buchhändlerischen Betriebs an, wie er auch seit 1843 bis 1866 ständiges Mitglied des preuß. Litterarischen Sachverständigenvereins zu Berlin war. Nicht minder erwarb sich D. um die Angelegenheiten seiner Vaterstadt Verdienste; so gehörte er der Stadtverordnetenversammlung ununterbrochen 15 Jahre an. Da eine Verbindung des Geschäfts mit den von seinen Söhnen Alexander und Franz gegründeten Verlagsgeschäften unthunlich erschien, so ging es 1. Jan. 1866 käuflich an Karl Geibel jun. in Leipzig über, welcher es seitdem (zuerst, bis 1. Juli 1874, unter Teilnahme seines Vaters) unter der alten Firma im Geiste und Sinne des Gründers derselben fortführt. Doch beielt D. einige Verlagsartikel zurück, die später Karl Heymons unter der Firma Karl Duncker, Verlagsandlungo übernahm. D. starb 15. Juli 1869. Von seinen Söhnen widmeten sich zwei, Alexander und Franz Gustav D., dem Buchhandel. Alexander D., geb. 18. Febr. 1813 zu Berlin, trat, nachdem er eine gründliche Schulbildung genossen hatte, 1829 in das Geschäft seines Vaters ein und begründete 1. Jan. 1837 eine eigene Verlagshandlung unter seinem Namen. Seine Verdienste, welche er sich durch Herausgabe größerer künstlerischer Werke erwarb, unter welchen das bedeutendste die 28 Stiche nach Kaulbachs Wandgemälden sind, trugen ihm den Titel eines Königl. Hofbuchhändlers ein. — Franz Gustav D., Bruder des vorigen, geb. 4. Juni 1822, studierte an der Universität zu Berlin Philosophie und Geschichte und wandte sich dann dem Buchhandel zu. Am 23. Febr. 1850 erwarb er die W. Bes-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V. sersche Verlagsbuchhandlung in Berlin, welche er später unter seinem Namen fortführte. In seiner polit. Richtung volksfreundlich gesinnt (1848 war er Hauptmann einer Bürgerwehrkompagnie), kaufte er 1853 die Bernsteinsche «Urwählerzeitunge, ließ sie in vergrößerter Form unter dem Titel «Volkszeitungo erscheinen und brachte sie trotz vielfacher Polizeimaßregelungen über die Reaktionsperiode hinaus. Als Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei gehörte er zu den hervorragendsten Mitgliedern derselben im preuß. Landtage und im Deutschen Reichstage. Neben seiner polit. Thätigkeit wirkte D., seit 1865 an der Spitze des Berliner Handwerkervereins, für geistige und materielle Hebung der arbeitenden Klassen und suchte durch die in Gemeinschaft mit Schulze-Delitzsch und Mar Hirsch 1869 gegründeten Deutschen Gewerkvereine den um sich greifenden sozialistischen Ideen mit praktischen Mitteln entgegenzutreten. Im J. 1876 verkaufte D. einen Teil seines Verlags an Karl Krabbe in Stuttgart, welcher denselben unter seiner Firma weiter führte, während der Rest im Herbst 1877 an Karl Geibel jun., den Besitzer der Firma Duncker u. Humblot, überging und von diesem unter der Firma Franz Duncker (in Leipzig) bis zum Sommer 1882 fortgeführt wurde, wo dann Karl D., Sohn Franz D.s, die Handlung übernahm.