FeedDelille (Jacques)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Delille (Jacques), auch Delisle, der berühmteste didaktische Dichter der Franzosen, war der natürliche Sohn eines Advokaten Montanier, weshalb er sich auch Montanier-Delille nannte, und wurde 22. Juni 1738 zu Aigueperse in Auvergne geboren. Nachdem er im College Lisieur zu Paris und später zu Amiens seine Bildung vollendet hatte, trat er zuerst mit seiner Übersetzung der „Georgica Virgils hervor (Par. 1769). Dem Aufsehen, das diese freie Nachdichtung machte, verdankte D. eine Anstellung am Collége de France: später begleitete er den Herzog von Choiseul-Gouffier, der als franz. Gesandter nach Konstantinopel ging. Seine erste selbständige Dichtung: Les jardins, ou l'art d'embellir les paysageso (Par.“ 1782; vermehrte Aufl. 1801), fand zwar anfangs den Beifall nicht, der seiner Übersetzung Virgils, die er später noch durch Bearbeitung der «Aneiden (1804) vermehrte, geworden war, gilt aber wohl mit Recht für eins der bessern Lehrgedichte, welche die Franzosen aufzuweisen haben. Beim Beginn der Revolution verlor D. fast sein ganzes Vermögen, lehnte aber als Anhänger des alten Regime einen ihm angebotenen Siß im Institut ab. Erst später nahm er ihn auf wiederholtes Anerbieten an. Seit 1794 lebte er von Paris entfernt und dichtete während seines Aufenthalts in der Schweiz seinen Homme des champs, ou les Géorgiques françaiseso (Straßb. 1800; deutsch von Müller, Lpz. 1801), mit dessen Entwurf er sich 20 Jahre beschäftigt hat. Der Anblick der Leiden seines Vaterlandes erzeugte das Gedicht La pitién (Par. 1803; Lond. 1805), durch eine Reihe lieblicher und rührender Gemälde anziehend. Von Basel aus begab sich D. nach London. Nachdem er dort seine libertragung des Verlorenen Paradieseso (Lond. 1805) vollendet hatte, kehrte er in sein Vaterland zurück und ließ seine KTrois regnes de la naturev (2 Bde., Par. 1808), zu denen Cuvier Anmerkungen schrieb, und sein Gedicht La conversationd (Par. 1812) erscheinen. D. ist ein Dichter, dem die beschreihenden Partien besonders gelangen. Wo er jedoch Begeisterung zeigen will, wird er rhetorisch, und die schöne Form entschädigt nicht für die Nüchternheit, die seinen didaktischen Dichtungen anhaftet. Er starb 1. Mgi 1813. Nach seinem Tode erschien „Le départ d'Edeno (Par. 1815). D.s Werke sind öfter (am besten 16 Bde., Par. 18²⁴ in Einem Bande, Par. 1833) gesammelt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 22Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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