Dembinski (Heinr.), poln. General und Anführer im ungar. Revolutionskriege von 1848 bis 1849, geb. 3. Mai 1791 in oder bei Krakau wurde nach dem Tode seines Vaters durch seine Mutter, eine Tochter des sächs. Oberhofmeisters Grafen Moszynski, trefflich erzogen, kam 1807 mit zweien seiner Brüder in die wiener Ingenieurakademie, kehrte jedoch nach dem Großherzogtum Warschau zurück und trat als Soldat in das 5. reitende Jägerregiment. Bei Eröffnung des Feldzugs gegen Rußland im Sommer 1812 war er Lieutenant und wurde für sein Verhalten bei Smolensk von Napoleon auf dem Schlachtfelde zum Kapitän ernannt. Während des Feldzugs in Deutschland stand D. in der Division Sokolnicki beim 4. Kavalleriekorps, urlt bei Leipzig mit, kehrte aber 1815 nach Polen zurück, heiratete und lebte zurückgezogen auf einem Landgute. Beim Ausbruch der Revolution von 1830 wurde er Major, erhielt den Oberbefehl über die mobile Nationalgarde von Krakau und später das Kommando einer Kavalleriebrigade. An der Spitze derselben hielt er bei Kuflew mit ungefähr 4000 Mann sieben Stunden lang den 60000 Mann starken, vom Feldmarschall Diebitsch geführten Feind auf. Nach dieser Waffenthat stieg er zum Brigadegeneral auf. Als Skrzynecki gegen die russ. Garden vorrückte, erhielt D. den Befehl, die Russen von der Brücke bei Ostrolenka zu vertreiben, was ihm nach 14stündigem Kampfe gelang. Hierauf zu Gielguds Korps versetzt, teilte er nach der Schlacht bei Ostrolenka, an der er nicht teilnehmen konnte, dessen Schicksale. Nur als jener auf das preuß. Gebiet berzugehen beschloß, trennte sich D. von ihm, faßte den kühnen Plan, sich mitten durch das vom Feinde besetzte Land durchzuschlagen, und erschien Anfang Aug. 1831 mit seiner kleinen Schar in Warschau, wo er im Triumph empfangen, zum Gouverneur der Stadt, bald darauf zum Oberbefehlshaber ernannt wurde. Nach Warschaus Fall trat D. mit Rybinstis Korps auf preuß. Gebiet über und ging von hier nach Frankreich, wo er, mit Ausnahmie einer kurzen Zeit (1833 im Dienst des Pascha Mehemed-Ali von Agypten, dessen Truppen in Syrien D. organisierte), bis 1848 zurückgezogen lebte. Nach der Februarrevolution von 1848 verließ er Frankreich, beteiligte sich zunächst an den Slawenkongressen zu Breslau und Prag, suchte eine Versöhnung der Magyaren und Slawen zu bewirken und folgte dem Rufe zur übernahme eines Kommandos in Ungarn. Ende Jan. 1849 traf er in Debreczin, dem damaligen Sitz der ungar. Regierung, ein und ward mit größter Auszeichnung 5. Febr. zum Oberkommandanten der ungar. Hauptarmee ernannt. Doch entsprach er nicht den gehegten Erwartungen. Die Eifersucht Görgeis, seine Unkenntnis des Landes und Volkscharakters sowie die Abneigung der Truppen vor dem schroffen, hochfahrenden Ausländer untergruben seine Stellung. Nach der Niederlage bei Käpolna (26. bis 28. Febr. 1849) und dem Rückzug hinter die Theiß legte er auf Verlangen des gesamten Offizierkorps den Oberberfehl nieder; doch wurde noch der Frühlingsfeldzug größtenteils nach den von ihm entworfenen Plänen ausgeführt. D. blieb mehrere Monate in der Operationskanzlei zu Debreczin beschäftigt und wurde im Juni 1849, beim Herannahen der Russen, mit dem Kommando der ungar. Nordarmee betraut, welches er jedoch vor Eröffnung des Sommerfeldugs niederlegte, weil sein Plan, in Galizien einzuiulen, von der ungar. Regierung nicht gebilligt wurde. Er wurde dann als Generalquartiermeister dem neuen Oberfeldherrn Meszäros beigegeben und leitete den Rückzug der Theißarmee bis Szegedin sowie die Schlacht bei Szöreg G. Aug.). Vor Temesvär, wohin er sich zurückgezogen, wurde er endlich von der vereinigten österr.⸗russ. Macht geschlagen und sein Heer völlig aufgelöst. D. rettete sich mit Kossuth und den andern Revolutionshäuptern auf türk. Gebiet und ging erst nach Widdin, von da Inach Schumla, wo er als nationalisierter Franzose den Schutz der franz. Gesandtschaft in Anspruch nahm. Im Juli 1850 begab er sich EM wo er sich mit der Ausarbeitung seiner Denkwürdigkeiten über den ungar. Feldzug, 1848 und 18495 beschäftigte und 13. Juni 1864 starb. über die poln. Revolution hat er früher in seinen Mémoireso (Par. 1833) sowie in der Schrift Mein Feldzug uach und in Litauen und mein Rückzug von Kurszany nach Warschauo (herausg. von Spazier, Lpz. 1832) Bericht erstattet. Vgl. Danzer, «D. in Ungarn. Nach den hinterlassenen Papieren des Generalso (2 Bde., Wien 1873). (sammlung.