FeedDwernicki (spr. nitzki, Jos.)
GeschichteBrockhaus 1882

Dwernicki (spr. nitzki, Jos.), poln. General, geb. 14. März 1779 zu Warschau, nahm 1809, nachdem er in der poln. Legion für Frankreich gefochten, mit einer aus eigenen Mitteln ausgerüsteten Schar freiwilliger Reiter am Feldzuge Poniatowskis in Ostgalizien am Dnjestr teil, wurde mit seinen freiwilligen Podoliern dem 15. Ulanenregiment zugeteilt und zog mit diesem 1812 nach Rußland. Nach dem Rückzuge über die Beresina kam er nach Warschau zurück und wurde Major und Kommandeur des neuorganisierten 15. Ulanenregiments. Nach den Schlachten bei Leipzig und Hanau ward er Offizier der Ehrenlegion und 1814 bei Paris Oberst, nachdem er den bedeutendsten Anteil an den letzten Thaten der poln. Reiterei genommen. In sein Vaterland zurückgekehrt, erhielt D. das Kommando des 2. Ulanenregiments, das er auf eine hohe Stufe der Vollkommenheit brachte, und wurde als der älteste Oberst bei der Krönung des Kaisers Nikolaus (1826) zum Brigadegeneral ernannt. Nach Ausbruch der Revolution 1830 wurde ihm von Chlopicki die Organisation der 3. Divisionen (u je 2 Schwadronen) der Nalten Kavallerieregimenter übertragen, und er begann bereits 6. Febr. 1831 mit 6000 Mann den kleinen Krieg zur Deckung Warschaus gegen die Russen. Am 14. Febr. erfocht er bei Stoczek trotz der Übermacht der Russen (unter General Geismar) den ersten Sieg über dieselben. Noch auf dem Schlachtfelde erhielt er den Befehl des Oberfeldherrn, den bei Pulawy über die Weichsel Legangs; nen General Kreutz schleunigi anzugreifen. ging sofort über das noch schwache Eis der Weichsel zurück und vereinigte sich mit den zusammengerafsten neuen Truppen des Generals Sierawsti, schlug die Vorhut der Russen bei Nowawiez 19. Febr. und zwang den General Kreutz, über die Weichsel zurüczugehen. Nach der Schlacht von Grochow wurde er nach Volhynien gesandt und überschritt 10. April den Bug; da er aber eine kalte Aufnahme sand, zog er sich längs der galiz. Grenze hin, um nach Podolien zu kommen, wo er auf kräftigere Unterstützung hoffte. Er nahm eine feste Stellung bei Boremel gegen das Rüdigersche Korps, gewann 19. April einige Vorteile, mußte zwar nachher der Übermacht weichen, bewerkstelligte jedoch seinen Übergang über den Styr. Auf den Aufstand in Podolien im Rücken der Russen hoffend, nahm er bei Mokalowka an der galiz. Grenze eine starke Stellung, wurde aber hier von Rüdiger mit bedeutenden Streitkräften so eingeschlossen, daß er 27. April 1831 nach Galizien übertreten mußte. Sein Korps wurde entwaffnet und mußte kriegsgefangen nach Ungarn ziehen. Er selbst erhielt erst Laibach, danach Steyr als Wohnsitz angewiesen; seit 1832 lebte er teils in Frankreich, teils in London. Eine zu Brüssel (1837) erschienene Kritik seiner Operationen in Volhynien veranlaßte ihn zu einer ausführlichen Gegenschrift (Lond. 1837). An den Parteikämpfen der Emigranten nahm D. keinen Teil. Noch in späten Jahren verheiratete er sich mit einer Französin, mit der er 1848 nach Galizien zurückkehrte, wo er im Dez. 1857 zu Lopatyn, einem Landgute des Grafen Zamoysti, starb. Seine „Memoireno (Pamietnikivp) gab Ludw. Plagowski (Lemb. 1870) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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