FeedDemetrius
GeschichteBrockhaus 1882

Demetrius ist der Name mehrerer russ. Groß-Ban — D. I., ein Sohn des Großfürsten Alexaner Newskij, lebte mit seinem Bruder Andreas nach des Vaters Tode in fortwährendem Kriege und abwechselnd vom Glück begünstigt, bis er 1294starb. — D. II., ein Sohn des Großfürsten Michael, gelangte nach des Vaters Ermordung 1320 in den Besitz des Fürstentums Twer, wurde aber durch Georg III. bekriegt und sah sich genötigt, zu den Tataren seine Zuflucht zu nehmen. Als er hier Georg III., der sich ebenfalls zum Tataren-Chan begeben hatte, erdolchte, ward er 15. Sept. 1326 hingerichtet. — D. III., ein Sohn Konstantins von Susdal, 1360 durch die Tataren als ½½ eingesetzt, wurde 1362 entthront und starb 5. Juli 1383. — Ihm folgte D. IV., mit dem Beinamen Donskoi, ein Sohn Iwans, geb. 12. Okt. 1350, der schon als unmündiges Kind im Besitze des Fürstentums Moskau gewesen war und sich 1367 mit der Tochter seines Vorgängers vermählte. Er verlegte seine Residenz von Wladimir nach Moskau, erbaute den Kreml von Stein und war glücklich im Kriege gegen die Mnasan von Twer, die Litauer, die Fürsten von Rjäsan und selbst gegen die Tataren. Wegen der siegreichen Schlacht gegen die letztern am Don (8. Sept. 1380) erhielt er den Beinamen Donskoi. Im erneuerten Kampfe aber gegen dieselben unterlag er; Moskau wurde niedergebrannt, und die Russen sahen sich genötigt, unter die arb 18. 200. 1 der Tataren zurückzukehren. D. starb 18. Mai 1389. — D. V., ein Sohn Iwans des Schrecklichen, geb. 19. Okt. 1583, ward durch seinen Stiefbruder, den Zaren Feodor Iwanowitsch, mit seiner Mutter Marfa nach Uglitsch verwiesen und auf Befehl Boris Godunows wahrscheinlich 15. Mai 1591 ermordet. Im J. 1603 trat der erste sog. falsche Demetrius auf. Er gab sich für den Sohn Iwans aus und behauptete, den Mördern Ratiecher Ade sein, war aber wahrscheinlich von kosakischer Abstammung: daß er ein Mönch aus dem Kloster Tschudow, Namens Gregor Otrepjew, gewesen sei, ist nicht nachgewiesen, mindestens von ältern wie .Uneuern Historikern für zweifelhaft erklärt worden. Er entdeckte sich zuerst dem Fürsten Wisniowezki in Litauen, bei dem er in Diensten stand, und dann dem Wojwoden von Sandomir, Mniszek, durch den er dem poln. Könige Sigismund III. vorgestellt wurde. Die Polen erkannten in ihm ein willkommenes Werkzeug, um Einfluß auf Rußland zu 1 winnen. Da die Republik als solche ihn zufolge des mit Rußland doten einen Friedens nicht unterstützen konnte, bildeten seine Freunde, die Mniszek und Wisniowezki, eine poln. Freiwilligen-Armee, die sich rasch durch kosakische und russ. Zuzügler verstärkte. Boris Godunow starb, nachdem er mehrere Niederlagen erlitten und den Übertritt seines Feldherrn Bassmanow erlebt; sein Sohn Feodor, der ihm folgte, geriet in Gefangenschaft. Hierauf zog D. 1605 in Moskau ein, bestieg den Thron und ließ Feodor erdrosseln. Er regierte mit Kraft und Umsicht, doch brachte er das Volk egen sich auf, als ine Braut, die kath. Marina niszek, die Tochter des Wojwoden von Sandomir, mit 2000 Polen in Moskau erschien. Während der Hochzeitsfeier entstand ein Aufstand in Moskau; das Volk, von dem Fürsten Wasilij — geleitet, dem D. verziehen hatte, als er eines Plans, ihn vom Throne zu stürzen, überführt worden war, brach in den Kreml. D. und viele Polen wurden 17. Mai 1606 ermordet, Marina, die mit Mühe dem Tode entging, ward ins Gefängnis geworfen. Die Berichte der Zeitgenossen über diesen ersten Pseudo-D. sind von Usträlow (5 Bde., Petersb. 1831—34) gesammelt worden; neue Untersuchungen über ihn gaben Merimée (1855), in der russ. Litteratur Pogodin, Kostomarow (1864), Ssolowjow u. a. m. Unter den zahlreichen Dichtungen, zu welchen 7 Schicksal den Stoff geliefert, ragt Schillers als Torso zurückgebliebenes Meisterwerk hervor. — Schon 1607, nachdem Wasilij Schuistij den Thron bestiegen, trat der zweite falf e D. (der sog. Dieb von Tuschino) auf. Er gab sich für eine Person mit dem ersten aus, behauptete, sich aus Moskau gerettet zu haben, war aber nach einer Angabe ein Jude, nach einer andern der Sohn des Fürsten Andrei Kurbskij. Er fand besonders Anhang, als die herrschsuchtige Marina nach ihrer Befreiung ihn für ihren Gemahl anerkannte. Die Polen unterstützten ihn ebenfalls, verließen hn aber nachher. Der poln. Hetman Zolkiewfki nahm nach Wasilijs Sturze die russ. Hauptstadt für Sigismunds III. Sohn, Wladyslaw, in Besitz, ohne sie lange behaupten zu können. D. hatte sich nach Kaluga geflüchtet und ward 11. Dez. 1610 ermordet. — Ein dritter falscher D. war der angebliche Sohn des Otrepjew. Er fand Unterstützung bei Wladyslaw IV. von Sawes flüchtete, als dieser gestorben, erst nach chweden, dann nach Holstein, wo —* der Herzog 1648 an den Zaren Alexeéi Michailowitsch auslieferte, der ihn erdrosseln ließ. — Ein vierter salscher D. war der Diakon Sidor. Er bemächtigte sich der Stadt Pskow, wurde aber von den Bewohnern vertrieben, von Kosaken nach Moslau gebracht und dort 1613 hingerichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 36Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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