FeedDemidow
GeschichteBrockhaus 1882

Demidow, eine durch ihren außerordentlichen Reichtum, ihre f. Familte, und ihre Originalität berühmte russ. Familie, gelangte zu Ansehen durch Nikita D., einen Bauer aus dem tulaschen Gouvernement, der, um 1665 geboren, bereits 1694 als einfacher Arbeiter in der Gewehrfabrik zu Tula durch seine Geschicklichkeit die Aufmerksamkeit Peters d. Gr. auf sich 1—8 Schon zur Zeit des anbrechenden Schwedischen Kriegs hatte er durch befriedigende und dabei verhältnismäßig außerordentlich wohlfeile Lieferung von Kanonen, Musketen und Pulver in der Gunst des Zaren sich festgesetzt. Im J. 1702 schenkte ihm Peter die erste von D. auf Kronkosten drei Jahre zuvor auf der osturalischen, asiat. Seite des jetzigen permschen Gouvernements zu Newiansk im werchoturischen Kreise angelegte Eisenhütte nebst Raht erlte Ländereien, wobei er ihm zugleich das echt verlieh, diese Besitzungen durch Ankauf nach Belieben weiter auszudehnen. Das war die Grundlage von den unermeßlichen Reichtümern, die D. und seiner Nachkommenschaft aus den großenteils schon von ihm hier entdeckten und nach dem Muster von Newiansk in Betrieb gesetzten, sehr ergiebigen Metallgruben zuflossen. Er wurde 1720 in den Adelstand erhoben und hinterließ zwei Söhne, Akinfii und Grigor. Durch erstern, der es im Dienstrang bis zum Staatsrat brachte, wurde 1725 am Fuße des Magnetbergs im Gouvernement Perm das Eisenwerk Nishnitagilst angelegt, welches noch gegenwärtig das blühendste unter den sibir. Hüttenwerken ist. Vgl. Spasskij, «Shisneopissanie Akinfija D.5 (Petersb. 1833). Dessen ältester Sohn, Prokopii D., gest. 1786, einer der excentrischsten Charaktere seiner Zeit, verwendete 1 100 000 Rubel zur Gründung des Waisenhauses in Moskau und ward dafür von Katharina II. zum Wirkl. Staatsrat ernannt, obgleich er nie in Diensten gestanden hatte; der jüngere, Nikita, that viel für die Künste und Wissenschaften in Rußland, machte auch große Reisen im Ausland, deren Beschreibung er 1786 in Moskau drucken ließ, und starb 1789. — Paul Grigorjewitsch D., geb. 1738 zu Reval, gest. 1821 zu Moskau, erhielt seine Erziehung und Ausbildung zu Reval, Göttingen und auf der freiberger Bergakademie. Auf dem Rückwege von weiten Reisen im westl. Europa, 1762, setzte er sich in Stockholm mit Linné, dessen Vorlesungen er besuchte, in nähere nem Paln Nachmals hat er in Moskau neben seinem Palast einen botan. Garten angelegt, ein herrliches Kunst⸗ und Naturalienkabinett gesammelt, das er der dortigen Universität schenkte, und 1803 das nach ihm genannte Lyceum in Jaroslawl gestiftet. — Nikolaj Nikititsch D. wurde 1773 zu Petersburg geboren, trat früh in Militärdienste und ward später Geheimrat und Kammerherr des Kaisers. Als Freund der Naturkunde und der Künste unternahm er eine Reise nach Deutschland, Italien, Frankreich und England, sendete auch mehrere seiner Berg⸗ und Hüttenmänner nach Steiermark, um geübte Lehrer des Bergbaues heranzubilden. Im Kriege von 1812 errichtete er auf seine Kosten ein Regiment und führte dasselbe. Nach dem Frieden begab er sich nach Paris, dann nach Florenz, in dessen Nähe er das Gut San-Donato (ein eingezogenes Cistercienserinnenkloster) kaufte, auf welchem er neue Prachtbauten, Dampfspinnereien, eine Armenschule und Erziehungsanstalt erstehen ließ. Er starb 1828 und hinterließ aus seiner Ehe mit einer Schwester des Grafen Grigor Stroganow zwei Söhne, Paul und Anagkol. Paul Nikolajewitsch D., geb. zu Petersburg 17. Aug. 1798, empfing seine Erziehung im Lycce Napoléon zu Paris, machte die Feldzüge von 1812 bis 1814 mit und nahm 1826 als Rittmeister den Abschied, um in den Civildienst zu treten. Von 1831 bis 1834 war er Gouverneur von Kursk, wo er während der Cholerazeit mit menschenfreundlicher Aufopferung wirkte. Seine Freigebigkeit war ebenso groß als sein Reichtum. Der petersburger Akademie der Wissenschaften wies er bedeutende Fonds zu, aus welchen diese seit 1831 alljährlich die Dischen Preise für die besten russ. Werke erteilt. Durch Krankheit genötigt, sich von den Staatsgeschäften zurückzuziehen, starb er zu Mainz 5. April 1840. — Anatol Nikolajewitsch D., geb. 1812, verlebte wie sein älterer Bruder Paul seine Jugend in Frankreich und Italien. Im J. 1830 in sein Vaterland zurückgekehrt, that auch er durch großartige Wohlthätigkeitsstiftungen in Moskau sich hervor (1832). Vom Kaiser zum Kammerjunker ernannt, sagte seinem für größere Unternehmungen schwärmenden Kopfe eine Anstellung als Attaché bei der Gesandtschaft in Wien jedoch nicht lange zu. Auf seine Kosten und unter seiner persönlichen Leitung wurde 1837 von mehrern Gelehrten eine Reise durch das südl. Rußland unternommen, die unter anderm zu dem wichtigen Ergebnis führte, daß die dort gesuchten Steinkohlenlager in der That entdeckt wurden. Beschrieben ist diese Reise in der kVoyage dans la Russie méridioniale et la Crimée etc.“ (4 Bde. Par. 1839—42; im Auszuge deutsch von Neigebaur, 2 Bde., Bresl. 1854) und illustriert in dem prachtvollen KAlbum du voyage, (Par. 1849). Im Ott. 1841 vermählte er sich in Florenz mit der Prinzessin Mathilde von Montfort, der Tochter des Hieronymus Bonaparte (J. d). Weil er hierbei als Bekenner der griech. Kirche das Versprechen gab, alle aus dieser Ehe entspringenden Kinder römisch-katholisch erziehen zu lassen, wurde D. aus dem russ. Staatsdienste entlassen und nach Petersburg zur Verantwortung gezogen. Hier gelang es ihm bald wieder, die Gunst des Kaisers zu gewinnen, sodaß er die Erlaubnis erhielt, nach Paris zurückzukehren. Doch trennte er sich schon 1845 von seiner Gemahlin, der er eine ansehnliche Leibrente aussetzen mußte, die bis zur Errichtung des zweiten Kaiserreichs zun Unterhalt ihrer Familie diente. Mathilde, später von ihrem Vetter Ludwig Napoleon zur kaiserlichen Prinzessin von Frankreich ernannt, blieb in Paris, D. aber kehrte nach San-Donato zurück. Beim Ausbruch des Orientkriegs schenkte er dem russ. Staatsschatz 1Mill. Silberrubel, worauf ihm Nikolaus 1854 den Titel eines Wirkl. Staatsrats verlieh; den eines Gro ten von San-Donato hatte er schon früher vom roßherzog von Toscana erhalten. Er starb 29. April 1870 zu Paris, ohne Kinder zu hinterlassen. Vgl. Kleinschmidt, «Geschichte des russ. hohen Adels (Kassel 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 37Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6