Demmler (Georg Adolf), hervorragender Architekt und sozialdemokratischer Politiker, geb. 22. Dez. 1804 in Güstrow (Mecklenburg), studierte das Bausach auf der Bau-und Kunstakademie und der Universität zu Berlin, trat nach Ablegung seiner Examina, nachdem er 1823 bei der potsdamer Regierung als Feldmesser vereidigt worden, als Baukondukteur in den mecklenb. Staatsdienst, wurde bald zum Baumeister und 1837 zum Hofbaumeister befördert und erhielt 1841 den Charakter als Hofbaurat. Als solcher führte er eine Reihe hervorragender Bauwerke aus, insbesondere das großherzogl. Residenzschloß zu Schwerin, das Theater, den Marstall, das Zeughaus. Bei der Ausführung dieser Bauten erwarb er sich gleichzeitig dadurch ein großes Verdienst, daß er als einer der ersten einen erfolgreichen Versuch machte, das schwierige volkswirtschaftliche Problem einer Gewinnbeteiligung der Arbeiter zu lösen. Unbekümmert um die strengen Zunftgesetze seines Landes vergab er die Bauarbeiten direkt an die Arbeiter und führte ihnen durch ein eigentümliches Löhnungssystem den Gewinn zu, der sonst den Meistern als Unternehmern zugefallen wäre. Auch auf andern Gebieten der Volkswirtschaft und Politik kämpfte er mit Energie gegen die mittelalterlichen Zustände seiner Heimat. Als er im Febr. 1850 als Repräsentant der schweriner Bürgerschaft für das bedrohte Staatsgrundgesetz vom 10. Okt. 1849 eintrat, geriet er mit seiner Dienstbehörde, dem Staatsrat von Brock, in Konslikt und wurde 1851 ohne Pension aus seiner Stellung entlassen. Er ing ins Ausland, durchstreifte England, Schottand, Dete eudie die Schweiz, Italien, Sicilien und kehrte endlich nach sechsjähriger Abwesenheit verbittert in seine Heimat zurück, wo er seine Wirksamkeit nun vorzugsweise dem polit. Gebiete zuwendete. Im J. 1859 Mitbegründer des Nationalvereins, kehrte er 1866 seinen Freunden, die in den Erfolgen des ichen Schrteltenteichischen Kriegs den ersten wesentlichen Schritt zur Erfüllung ihres Programms begrüßten, den Rücken und schloß sich 1868 in Stuttgart der Deutschen Volkspartei an, welche damals mit dem von Bebel geleiteten Verbande der deutschen Arbeitervereine in engster Fühlung stand. Die hier angeknüpften persönlichen Beziehun en und seine Teilnahme für die arbeitenden Klassen führten D. allmählich ganz in die Reihen der sozialdemokratischen Partei; von demagogischem Treiben hielt er sich jedoch fern. Im J. 1877 wurde er vom Landkreise Leipzig zum Mitd des Reichstags gewählt; er schloß sich hier der sozialdemokratischen Fraktion an, fühlte sich aber bald fremd unter seinen Genossen, deren Auftreten seiner Natur widersprach, und verzichtete auf eine Wiederwahl, als 1878 die Auflösung des Reichstags seinem Mandat ein Ende machte. Seitdem hat er sich vom öffentlichen Leben vollständig zurückgezogen.