Eisenstuck (Bernh.), Neffe des vorigen, deutscher Politiker, geb. 1806 zu Annaberg, trat 1820 als Lehrling in das Fabrikgeschäft von Pflugbeil u. Comp. in Chemnitz und ward später Teilhaber derselben Handlung. Daneben war er eifriges Mitglied des chemnitzer Industrievereins, sowie des von ihm mitbegründeten Handwerkervereins; auch stand er längere Zeit dem Stadtverordnetenkollegium vor und beteiligte sich bei den allgemeinen Vereinigungen deutscher Gewerbtreibenden, welche in den J. 1843 und 1844 für den Schutz der nationalen Arbeit sich bildeten. Im J. 1848 gab er seine kaufmännische Thätigkeit auf, um sich ganz der Politik zu widmen. Er nahm teil am Vorparlament, wo er namentlich im Interesse der arbeitenden Klassen praktische Vorschläge entwickelte, und trat dann, zu Chemnitz gewählt, in die Nationalversammlung, wo er als Vorstand des Volkswirtschaftlichen Ausschusses und während der letzten Monate der Versammlung als zweiter Vizepräsident thätig war. Seiner Parteistellung nach gehörte E. der Linken an, obschon er die vom Parlament beschlossene monarchische Verfassung durchgeführt wissen wollte. In diesem Sinne wirkte er, als ihn das Ministerium Gagern als Reichskommissar in die Rheinpfalz sandte, indem er die Erhebung dieser Provinz, soweit dieselbe nur auf die Durchführung der Reichsverfassung abzweckte, anerkannte und selbst organisierte, was seine Rückberufung zur Folge hatte. An dem Rumpfparlament zu Stuttgart nahm E. eine Zeit lang teil, verließ dasselbe jedoch noch vor dessen gewaltsamer Auflösung und begab sich nach der Schweiz. Später ging er nach Brüssel und wurde Teilhaber an einem Spinnereigeschäft zu Floristal an der Dyle. Er starb 5. April 1871 zu Dresden.