FeedDemokritos aus Abdera
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Demokritos aus Abdera, geb. gegen 460 v. Chr., ein griech. Philosoph, der den von seinem Landsmanne Leukippos zuerst aufgestellten Atomismus weiter ausbildete. Von seinem Leben ist wenig bekannt. Daß er durch Magier und Chaldäer, welche Xerxes bei seinem Durchzuge durch Abdera zurückgelassen, 101 die P llosophie gewonnen worden sei, ist ebenso unglaubwürdig als die Nachricht, er habe über die Thorheiten der Menschen immer gelacht, während Heraklit über sie geweint habe. Verbürgt dagegen sind seine weiten Reisen durch einen großen Teil Asiens, die er aus Wißbegierde unternommen hat. Von seinem vielseitigen Sammlerfleiße ebenso wie von seinen Versuchen, sich über die verschiedenen Naturerscheinungen Rechenschaft zu geben, legen selbst die wenigen Fragmente Zeugnis ab, welche wir von seinen zahlreichen physischen. mathem., ethischen, musikalischen und technischen Schriften noch besitzen. Den Mittelpunkt seiner philos. Naturansicht bildet der Versuch, zur Erklärung der verschiedenen Naturerscheinungen sich nicht, wie die ältern ion. Philosophen, auf ein ursprünglich qualitativ Bestimmtes zu berufen, sondern dieselben lediglich aus quantitativen Verhältnissen abzuleiten. Er — daher als die lezte elementare Grundlage der Natur eine unendliche Menge körperlicher und unteilbarer Urbestandteile, Atome, an, und legte denselben eine ursprüngliche, aus keinem höhern Prinzip abzuleitende Bewegung bei. Durch diese begegnen sich infolge ihrer verschiedenen Gestalt und Schwere die Atome und bilden je nach ihrer Gestalt, Lage und Ordnung ins Unendliche hin verschiedene und wechselnde Aggregate, wie sie eben die Natur uns vor Augen legt. Bei dieser Ansicht ist zwar der Begriff der Zweckmäßigkeit, aber nicht der Gesetzmäßigkeit ausgeschlossen, wie denn D. den Zufall ausdrücklich nur eine Ausrede menschlicher Unwissenheit nennt. Die Verschiedenheit der Ruant der Atame scheint er hauptsächlich auf die Gestalt der Atome und die dadurch bedingte größere oder kleinere Beweglichkeit derselben zurückgeführt zu haben. Namentlich das geistige Leben suchte er sich aus den Aus⸗ und Einströmungen höchst feiner Atome zu erklären; die Vorstellungen der uns umgebenden Sinnendinge waren ihm Eindrücke, Bilder der durch die Poren der Organe einströmenden Atome. So materialistisch diese Ansicht, ist sie doch für seinen Standpunkt ebenso konsequent als seine Ansicht von den Göttern, welche er ebenfalls für Aggregate von Atomen erklärte, die nur mächtiger und lebenskräftiger seien als der Mensch. Seine ethischen Aussprüche, die auf uns gekommen sind, enthalten neben schönen und kräftigen Gedanken über Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, gesetzliche Ordnung, die Pflichten der Herrscher u. s. w. vorherrschend die Hinweisung auf ein ruhiges Wohlbefinden als das höchste Gut. Die Zeit seines Todes ist ungewiß; er scheint erst um 362 gestorben zu sein. Die von ihm zuerst einigermaßen ausgebildete materialistische und mechan. Naturansicht hat bis auf die nenesten Zeiten herab, wenn auch in verfeinerter Gestalt, auf die empirische Naturforschung großen Einfluß gehabt. Wieland hat in den Abderiteno eine achen des Lebens und der Lehre des D. gegeben. Am vollständigsten sammelte Mullach die Fragmente der Schriften D.s (Berl. 1843). Vgl. H. Ritters Artikel Demokrito in der Encyklopädie von Ersch und Gruber; L. Liard, De Democrito philosophos (Par. 1873); A. Lange, Geschichte des Materialismusv emokritos oder Hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen ist der Titel eines unvollendet gebliebenen Werks von Karl Jul. Weber (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 43Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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