Anaximander, griech. Mathematiker und Philosoph, Sohn des Praxiades, geb. zu Milet 611, Han 546 v. Chr., ist unter den ersten griech. Denern, den ion. Naturphilosophen, derjenige, welcher das spekulative Bestreben derselben, den Urstoff der Dinge aufzufinden, am reinsten begrifflich gefaßt hat. Während nämlich die andern Jonier irgend einen der erfahrungsmäßigen Stoffe, das Wasser, die Luft u. s. w., als den Urstoff ansahen, lehrte A., das Urprinzip der sinnlichen Welt sei das Unbestimmte » (88 &Neipoy, das Unbegrenzte, Unendliche), aus welchem sich in ewiger Bewegun die elementaren Gegensätze des Warmen und Kalten, des Flüssigen und Trockenen ausschieden und in welches sich dieselben wieder auflösten. Indem er sich. o von der sinnlichen Bestimmtheit zum reinen Begriffe philos⸗ tritt er aus der Reihe der übrigen Naturphilosophen heraus. Vgl. Seydel, „(Der Fortschritt der Metaphysik unter den ältesten ion. Philosopheny (Lpz. 1861). Über die Art, wie er seine Hypothese zur Erklärung der Entstehung der einzelnen Dinge benutzte, gibt es nur unvollständige Nachrichten. So lehrte er, die Sonne befinde sich in der in inuf Himmelsregion, habe einen 28mal größern Umkreis als die Erde und gleiche einer Walze, aus welcher Feuerströme sich ergießen; verstopfe sich die Offnung, so erscheine sie verfinstert. Ebenso ist ihm der Mond eine Walze, 19mal so 10 als die Erde; ihre Schiefe erzeugt die Phasen, ihre gänzliche bihm wie Gest Finsternisse. Die Erde hat ich ihm die Gestalt eines Cylinders und befindet sich schwebend in der Mitte des Weltalls. A. lehrte zert in Griechenland die Schiefe der Gialerc und bestimmte die Sonnenwenden und Nachtgleichen mittels eines Sonnenzeigers. uch soll er zuerst die Umrisse der Länder und Meere Griechenlands zu einer Karte zu entwerfen versucht und zur Erläuterung seines Weltsystems eine Hüumei e verfertigt haben. Vgl. Schleiermacher, «über A.y (Berl. 1815). über den nähern usammenhang seiner Kosmogenie mit oriental. pekulationen vgl. Büsgen, «über das werooy A.s» (Wiesbad. 1867).