Dendera, ein Dorf in Oberägypten, welches eine Tagereise nördlich von Theben, am linken Ufer des Nil liegt. In geringer Entfernung stromaufwärts liegen die Ruinen der alten Stadt Tentyris oder Tentyra, mit einem der besterhaltenen Tempel des ganzen Landes. In Tentyris, der Hauptstadt des nach ihr benannten Nomos, wurde vorzugsweise die Göttin Hathor (Aphrodite) verehrt. Fr war der große Tempel geweiht (83 m lang und 43 breit), welcher seit der franz. Expedition unter Bonaparte hauptsächlich durch die beiden Tierkreise berühmt wurde, die sich unter seinen Deckenbildern fanden. Der eine von ihnen, im Pronaos, ist in zwei Hemisphären von länglich-viereckiger Form geteilt; der andere, in Form einer Scheibe, befand sich an der Decke eines Zimmers im obern Stock und wurde 1820 von einem Franzosen ausgesägt und nach Paris geschafft. Das Interesse knüpfte sich vornehmlich an die griech. Zodiakalzeichen, die man hier den Wer. Sternbildern eingereiht fand. Man glaubte eine Verschiebung dieser Zeichen gegen ihren jetzigen Stand zur Sonne zu bemerken, woraus einige Gelehrte Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V. auf ein ungeheueres Alter dieser Kompositionen und des Tempels schließen wollten. Hierüber bildete sich in kurzer Zeit eine ganze Litteratur von Streitschriften, die aber durch die Entdeckungen Champollions längst völlig wertlos geworden sind. Letzterer las auf mehrern ägypt. Tempeln, namentlich auch in den hieroglyphischen Inschriften des Pronaos und der übrigen Teile des Tempels von D., die Namen der Kaiser Augustus, Tiberius, Claudius, Nero, Domitian u. a. Es ging daraus die späte Erbauung des Tempels unzweifelhaft hervor. Die Frage über die Zodiakaldarstellungen nahm seitdem eine erfolgreichere Richtung, an welcher sich besonders Letronne, Biot, A. W. von Schlegel, Ideler, in späterer Zeit Lepsius beteiligten. Der Bau des roßen Hathortempels war von Ptolemäus XIII. Neos Dionysos zuerst angelegt, wie die Krypten des Unterbaues lehren, dann aber, mit Ausnahme der Vorhalle, ausgeführt und teilweise mit Darstellungen versehen unter der Regierung der Königin Kleopatra. Sie ist nebst ihrem Sohne Cäsarion auf der äußern Hinterwand des Tempels in 4 m hoher Gestalt abgebildet, und es erscheint wahrscheinlich, daß sich die Konstellation des runden Tierkreises so- wie die Ausführung des ganzen Tempels auf die Geburt des Cäsarion (46 v. Chr.) bezog. Die Vorhalle des Tempels, welche den zweiten Tierkreis enthält, wurde nach der griech. Dedikationsinschrift über dem Eingange unter dem Kaiser Tiberius zwischen 32 und 37 n. Chr. von den Tentyriten errichtet. Die Wandskulpturen des hintern Tempels sind unter Kleopatra und Augustus, die des Pronaos unter Tiberius, Caligula, Claudius und Nero ausgeführt worden. Strabo berichtet, daß hinter dem Tempel der Aphrodite der Tempel der Isis, dann die Typhonien sich befänden. Beide Tempel sind ebenfalls noch jetzt ziemlich wohl erhalten. Der erstere, sehr klein, steht hinter der Westecke des großen Tempels und ist der Isis und Hathor zugleich geweiht; er wurde unter Augustus gebaut und ausgeschmückt. Der zweite größere liegt nördlich vom Tempel der Hathor und ward unter Trajan errichtet. Einige Darstellungen wurden noch von Hadrian und Antoninus Pius hinzugefügt. —