FeedDendrologie
PflanzenreichBrockhaus 1882

Dendrologie, d. h. Baumkunde oder Gehölzkunde, wird derjenige Teil der systematischen Botanik genannt, welcher sich ausschließlich mit der Naturgeschichte der Holzgewächse (Bäume, Sträucher und Halbsträucher), besonders mit deren Beschreibung und genquer Unterscheidung beschäftigt. Die D. beschränkt sich in der Regel auf geographisch mehr oder weniger scharf abgegrenzte Gebiete, ähnlich wie die Floren der einzelnen Länder. Während letztere meist nur die von Natur in dem Gebiete heimischen Pflanzen behandeln, zieht die D. auch fremde, das örtliche Klima vertragende Gehölze mit in den Bereich ihrer Betrachtungen. Zahlreiche neue Arten und Varietäten werden ihr deshalb fast jährlich zugeführt. Da die Gehölze meist erst in späterm Alter blühen und Frucht tragen, Bäume oft erst nach mehrern Jahrzehnten, da sie vielfach variieren und Kreuzungen (Bastardformen) bilden, so sind die Aufgaben der D. schwerer zu lösen als die der gewöhnlichen Floren. Jahrelange Beobachtungen, wiederholte Nachzuchten durch Aussaat sind oft notwendig, um über die Artrechte gewisser Formen Klarheit zu schaffen. Diese Schwierigkeiten sind um so größer, als das Ziel der Gärtner oft gerade darin besteht, Varietäten und Kreuzungen zu züchten, um sog. neue Arten auf den Markt bringen zu können. Schon in sehr alter Zeit pflegte man die Baumzucht zu Zwecken der Landschaftsgärtnerei. Erst der neuern Zeit blieb es aber vorbehalten, die D. 5 einer Wissenschaft zu gestalten. Die ersten dendrologischen Werke, z. B. «Traité des arbres et arbustes, qui se cultivent en France en plaine terres von Duhamel (2 Bde., Par. 1755), neu bearbeitet von E. Michel (7 Bde., w1800—19), «Dendrologies von Knoop (Leeuwarden 1763, Amsterd. 17907, „Die Graunt e wilde Baumzuchto von Düroi (2 Bde., raunschw. 1771 — 72), mit Vermehrungen und Veränderungen von Pott (3 Bde., 1791 — 1800), „Verzeichnis ausländischer Bäume des Lustschlosses Weißensteino von Mönch (Lpz. und Frankf. 1785), die inländischen (9 Hfte., Stuttg. 1783 —92) und ausländischen Gehölze (4 Hfte., Lpz. wW von Kerner, Wilde Baumzuchte von Willdenow (1796; 2. Aufl. 1811), „Gsterreichische Baumzuchto von Schmidt (4 Bde., Wien 1792 — 1822), „Dendrologische Flora der Umgegend und der Gärten Berlinso von Hayne (Berl. 1822), 4Arboretum et Fruticetum britannicumo von Loudon (8 Bde., Lond. 1838) u. s. w. bieten zum Teil nur noch istor. Interesse. Neue Bahnen eröffnete in dieser issenschaft Koch (s. d.), namentlich durch seine „Dendrologies (2 Tle. in 3 Bdn., Erlangen 1869 —73), in welcher er Bäume, Sträucher und Halbsträucher, welche in Mittel- und Nordeuropa im Freien kultiviert werden, kritisch beleuchtet, ferner durch seine in Berlin gehaltenen Vorlesungen über D. (Stuttg. 1875). Von neuern Schriften sind noch besonders zu nennen: Hartwig und Rümpler, „Illustriertes Gehölzbuch (Berl. 1875), Lauche, „Deutsche D.» (Berl. 1880). Die Forstbotanik kann insofern als Zweig der D. betrachtet werden, als sie sich vorzugsweise mit Gehölzen beschäftigt. Die forstbotan. Arbeiten von Burgsdorf, Borkhausen, Bechstein u. s. w. sind meist veraltet, auch das sehr interessante Buch von Wangenheims, «Beytrag zur teutschen holzgerechten Forstwissenschaft, die Anpflanzung nordamerik. Holzarten mit Anwendung auf teutsche Forsten betreffendo (Gött. 1787) ist in der Hauptsache nur von histor. Wert. Aus neuerer Zeit verdienen vorzugsweise Beachtung: Hartig, «Vollständige Natureschichte der forstlichen Kulturpflanzen Deutschandso (Berl. 1840); Willkomm, Forstliche Flora von Deutschland und Ssterreichy (Lpz. 1875); Nördlinger, «Deutsche Forstbotanik' (Stuttg. 1874 —75); J. Booth, «Die Naturalisation ausländischer Waldbäume in Deutschlando (Berl. 1882). Die Anzahl der von der D. zu behandelnden Arten und Spielarten ist in neuerer Zeit bedeutend Lolzeaufhn Während Duhamel 1755 erst 250 Geölze aufzählt, Willdenow 1811 deren 770, beschreibt Koch 1873 schon 1400 Arten, ja unter Hinzurechnung aller Spielarten kann man jetzt in der Gärtnerei über 3000 verschiedene Gehölze zählen. Einen so bedeutenden Aufschwung hat die Gehölzkunde neuerer Zeit infolge der sich mehr und mehr verbreitenden Landschaftsgärtnerei genommen. Gewöhnliche Baumschulen vermochten das gesteigerte Bedürfnis nicht mehr zu befriedigen, und es entstanden ausgedehnte Gärtnereien, welche sich fast ausschließlich mit Gehölzzucht beschäftigen. In Deutschland entstanden die ersten derartigen dendrologischen Gärten von hervorragender Bedeutung in Kleinflottbeck bei Hamburg (von J. Booth u. Komp.) und in dem berühmten Park zu Muskau in der Niederlausitz. Auch Holland und Belgien pflegen diesen Zweig der Gärtnerei in besonders ausgedehnter Weise. Dendrométer (Baummesser) kann jedes Instrument genannt werden, welches zur Messung der 598 und Stärke stehender Bäume verwendet wird. Die Bestimmung der Höhe erfolgt mit Hilfe von Höhenmessern, deren Konstruktion sich auf Ahnlichkeit und Proportionalität der Dreiecke oder auf trigonometrische Berechnung stützt, z. B. das D. von Winller, Jaustmanns Spiegelhypsometer, Preßlers Meßknecht u. s. w. Die Durchmesser (Stärken) werden mit Meßband, Kluppe als „Baumzirkelv gemessen. Der kubische Inhalt des Baums berechnet sich dann als Produkt aus Höhe, Grundstärke und «Formzahle, d. h. einer Zahl, welche das Verhältnis des Bauminhaltes zu einem Cylinder von gleicher Stärke und Höhe ausdrückt. Auch andere Verfahren werden angewendet, so namentlich mit gutem Erfolg die von Preßler erfundene Richtpunkts-Methoder, bei welcher es notwendig ist, die Höhe des sog. Richtpunktes zu bestimmen, wo des Stammes Durchmesser halb so groß ist, wie die unten gemessene Grundstärke. D., mit denen Stammdurchmesser in beliebiger Höhe gemessen werden können, sind Erc konstruiert worden, finden aber sehr selten praktische Anwendung. Schwan (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 50Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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