FeedDerbent oder Derbend
ErdkundeBrockhaus 1882

Derbent oder Derbend, feste Hafenstadt in der russ.⸗kaukas. Landschaft Daghestan (s. d.), am Kaspischen Meere, war früher Hauptstadt des gleichnamigen Chanats, wurde jedoch 1813 Hauptort einer besondern russ. Provinz, 1840 Kreisstadt des Kaspischen Gebietes, 1846 Hauptstadt eines Gouvernements und bildet jetzt als solche im russ. Gebiet Daghestan mit der Umgegend eine Stadthauptmannschaft mit 17 730 E., wovon 16552 im Stadtrevier selbst. Von alten Mauern und zahlreichen Gärten umgeben, steigt die Stadt von der Hafenbucht, die ziemlich offen, namentlich den Ost⸗, Nord⸗, und Nordwestwinden ausgesetzt ist, in Vierecksgestalt terrassenartig an der Lehne eines waldbedeckten Bergrückens empor, dessen Gipfel die Citadelle krönt. Dort oben liegt auch die Residenz des Gouverneurs von Daghestan, der Palast der ehemaligen orient. Herrscher. Der mittlere Teil des Amphitheaters, die eigentliche Stadt, enthält die schöne russ. Kirche, die armen. Kirche, die jüd. Synagoge, fünf Moscheen und den Hauptbazar. Der untere Teil besteht aus Fischerhütten und Weideplätzen. Nördlich von D. ist das buter mehrenteils arab. Inschriften wegen berühmte Denkmal der Kirk-Lar oder Vierzig Helden, welche im Kampfe gegen die Araber bei Daghestans Eroberung fielen. In der Nähe von D. beginnt die große, durch die ande Maubr Landschaft Tabasseran sich hinziehende Mauer. Dieselbe wird die Derbendsche, auch Kaukasische Mauer oder Sedd-Eskender, d. i. Alexanders Mauer, genannt. Sie war Balge und 2 9m hoch und 3 m dick und lief über Berge und Thäler 150 km gegen Westen. Mit eisernen Thoren, Wachttürmen und Kastellen versehen, diente sie zum Schutze Persiens gegen die nördl. Volksstämme. Es ist unbekannt, wer die Stadt und die Mauer erbaut hat; genannt werden als Erbauer Alexander d. Gr. und der Sassanide Nuschirvan, der Begründer des Chanats D. im 6. Jahrh. Im J. 728 entrissen die Araber D. den eihmmr m 1220 wurde es von den Mongolen erstürmt und diesen so der Weg zur Eroberung des russ. Tieflandes im Norden des Kaukasus eröffnet. Im J. 1722 entrissen die Russen D. den Persern, gaben es aber 1736 wieder an Schah Nadir zurück, der einen Sultan von D. einsetzte. Nachdem 1796 die Russen unter Subow die Stadt vorübergehend eingenommen, wurde dieselbe 1813 dnach überbung und durch Kaiser Alexander I., nach Vertreiung des Chans, dem russ. Kaukasien einverleibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 67Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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