Dagget, soviel wie Birkenteer (s. d.). Da hestan, d. h. Bergland, der Ostabfall des Kaukasus bis zum Gestade des Kaspischen Meers, bildet ein auch nach der Hauptstadt Derbent (s. d.) genanntes, militärisch von dem Befehlshaber der Bezirkstruppen verwaltetes Gebiet des russ. Kaukasien. Es erstreckt sich am westl. Ufer des Kaspischen Meers entlang nordwärts vom russ. Gouvernement Baku bis zu dem Flusse Ssulak (Koissu), der es vom Terekgebiete scheidet, westwärts etwa bis 63 östl. L. von Ferro, und hat ein Areal von 29840 qlem. Nur an seinem Ostrande längs des See-Ufers eben, ist D. zu seinem größten Teile von Gebirgen durchzogen, den östl. Ausläufern des Kaukasus. Unter hnen markieren sich namentlich drei; der südliche endigt mit dem Babadagh (3870 m) unter 41 nördl. Br., der mittlere bei Derbent unter 42² und der nördliche südwestlich von Petrowsk, dem alten Tarku, unter 42 55. Der mittlere, durch welchen das Gebiet naturgemäß in eine nördl. und südl. Hälfte zerlegt wird, bildet das berühmte Eiserne Thor (Demir-Kapu), den 2000 m breiten Paß von Derbent auf der großen Völkerstraße zwischen Asien und Europa, die von Baku bis Kisljar am Terek etwa 570 kmelang ist. Zahlreiche kleinere Flüsse entquellen der Schneeregion des westl. Hochlandes und den Verzweigungen seiner Ausläufer; unter ihnen sind der Ssamur im Süden und namentlich der Ssulak im Nordwesten hervorzuheben, beide mit nicht unbedeutendem Delta, letzterer von dem Andischen und dem Awarischen Koissu gebildet; im Norden von Derbent mündet der Bugan. Das Klima ist im ganzen ein gemäßigtes, auf der Höhe rauher, in den Niederungen milder und trocken, in der 32 Buellen abwechselnd heiß und regnerisch. Heiße Quellen erinnern an den vulkanischen Ursprung des Gebirgslandes. Wo die Bewässerung reichlich, da ist der Boden des Flachlandes fruchtbar; von den Getreidesorten gedeiht am besten die Hirse, außerdem besonders Obst und Wein; auch für Gemüse, Baumwoll- und Seidenkultur, Tabak und Safran sind Boden und Klima zugänglich. Die Berge sind reich an Wäldern, weniger an Erzen. Die Bevölkerung ist aus den verschiedenartigsten Stämmen zusammengesetzt und betrug (1878) 444023 E. Zu den Bergvölkern, die größtenteils lesghischen Stammes sind, gehören die Awaren, Laken, Kjuren und Akuschen, hohe Gestalten mit brünettem Typus, freier Stirn, dunkeln Augen, gestreckter Nase. Die nordöstl. Niederung bewohnen die türk. Kumücken und Nogaier, jene mit Ackerbau, Fischerei und aftter dit auch Baumwoll- und Seidenzucht beschäftigt, diese Nomaden. Im Norden wie im Süden finden sich tatar. Turkmenen. Zur Nomadenbevölkerung zählen ferner daghestan. Araber, welche im Sommer im Gebirge hausen, im Winter in die Ebene hinabsteigen. Diesem mohammed. Gros der Bevölkerung stehen etwa 6800 Russen und 5400 Juden gegenüber. Das geistige und moralische Niveau dieser Bevölkerung ist ein ziemlich niedriges, wie es bei der mannigfaltigen Stammesverschiedenheit (man zählt in D. 32 verschiedene Nationalitäten) durch endlose Kriege leicht zu erklären ist. Die Hauptbeschäftigung der Einwohner ist Viehzucht, namentlich Schafzucht. Im Landbau ist die Obst⸗ und Weinkultur des Flachlandes nennenswert. Die Tabaksproduktion ist in D. gering. Der noch ziemlich roh betriebene Bergbau hat 1918 nur ein sehr mäßiges Erträgnis; im Engpasse Kana-Syrga ist ein nicht bedeutendes Steinkohlenlager; im Karadaghischen Kronbergwerk wird Brandschiefer gebrochen (1871 21176 Ctr.). An Naphtha wurden 1871 aus 127 Quellen 5116 Ctr. gewonnen. Der Haupthandelsplatz ist Derbent. Geschichtlich bietet D. bereits in der ersten Zeit der christl. Periode ein nicht geringes Interesse. Schon früh nahmen die auch hier, wie in Transkaukasien zählreich eingewanderten Juden das Chri-⸗ stentum an; über Grusien und Armenien kam es auch nach D., dem damaligen Albania. Vom 3. bis zum 7. Jahrh. bestand D. harte Kämpfe mit den pers. Sassaniden, welche die Ebene zur pers. Provinz machten. Mit dem 7. Jahrh. begründete der Mohammedanismus auch in D. seine Herrschaft; 641 eroberten die Araber Derbent. Im J. 733 soll der arab. Heerführer Muslime die muselmanische Schamchalenwürde daselbst zur Anerkennung gebracht haben, welcher die Unterjochten von nun an botmäßig sind. Im 14. Jahrh. werden die kumuchischen Schamchalen im Vordergrunde genannt, welche später durch die vereinten Chaidaken und Awaren vom Schauplatze verdrängt werden. Nie hat das Gebiet früher ein staatliches Ganzes gebildet; immer war es ein Mosaik von verschiedenen Schamchalen, Chanen und Fürsten. Seit dem Anfang des 19. Deyr 5 eröffnen sich die Beziehungen D.s zu Europa. em Namen nach ist D. bereits seit 1812 russisch, faktisch seit der Unterwerfung von Schamyl (s. d.), 1859, obgleich die russ. Regierung zunächst noch einzelne einheimische Machthaber bestehen ließ, denen später russ. Offiziere als Gehilfen zur Seite gestellt wurden, welche binnen kurzem die Organe der vollziehenden Gewalt wurden und den übergang zur Beseitigung der einheimischen Machthaber bezeich—⸗ nen. Im J. 1863 wurde der awarische Chan abgesetzt, 1864 der Gebieter von Abchasien, 1865 der kiurische Chan, 1867 der Herrscher von Kaitag und Tabassaran, sowie der mechtulische Chan, und 1868 endlich der Schamchal von Tarku. Während des Russisch⸗-Türkischen Kriegs erhoben sich im Mai 1877 die Bergvölker; der Aufstand erreichte im August und September seine größte Verbreitung und konnte erst im Jan. 1878 unterdrückt werden. Seitdem schreitet die Organisation nach russ. System immer mehr vorwärts. Die Bevölkerung von D. stellt außer der für die innere Verwaltung des Bezirks erforderlichen berittenen Miliz nur ein irreguläres Reiterregiment zum russ. Heere. Unter den Städten ragt nächst Derbent am meisten ——— Petrowsk (Tarku). Die wissenschaftliche Erforschung des Gebietes ist ein Gegenstand der eifrigen Thätigkeit russ. Gelehrten. Vgl. Cunynghame, «Travels in Eastern Caucasus, especially in Dagestano (Lond. 1873).