FeedDershawin (Gawril Romanowitsch)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Dershawin (Gawril Romanowitsch), lyrischer Dichter Rußlands, geb. zu Kasan 14. Juli 1743, war der Sohn eines von dem tatar. Mursa Bagrim abstammenden Offiziers und diente, nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt besucht hatte, seit 1762 als Soldat im Preobrashenskischen Garderegiment. Hier zeichnete er sich, besonders 1774 gegen den Rebellen Pugatschew, aus. Die Kaiserin Katharina lernte bald sein Talent würdigen und beförderte ihn zu höhern Staatsämtern. Er wurde 1793 Geheimrat und Staatssekretär, unter Paul 1800 Reichsschatzmeister, unter Alexander I. 1802 Justizminister, zog sich jedoch schon 1804 von allen öffentlichen Geschäften zurück. Früh schon entwickelte D. selbständiges poetisches Talent, und jedenfalls ist er als der hervorragendste Dichter aus der Zeit Katharinas anzusehen. Von seinen Oden ist die An Gott» (1784) die bekannteste; sie ward in die meisten Sprachen übersetzt (vgl. Poltoratzky, Dieu, hymne du poête russe D.o, Lpz. 1855), ist aber nicht frei von Reminiscenzen, z. B. an Youngs «Nachtgedanken ». Origineller sind Felizaso, unter welchem Namen er Katharina feierte, «Der Wasserfallv, die Ode auf den Tod Meschtscherskijs u. a. Im allgemeinen sind D.s Dichtungen nicht selten reich an wahren dichterischen Schönheiten; doch artet in einigen die orient. Bildersprache bisweilen in Bilderprunk aus. Der größte Teil seiner Gedichte hat eine nahe Beziehung zu Ereignissen seines Lebens oder seiner Zeitepoche. Indem er sich in der Person Katharinas II. sein menschliches Ideal vorstellte, verhielt er sich zugleich satirisch zu denen von ihrer Umgebung, deren Leben sich von diesem Muster entfernte. Keiner der damaligen russ. Schriftsteller wußte so glücklich volkstümliche Wendungen anzuwenden wie er. Daher werden einige seiner Gedichte noch jetzt in russ. Schulen gelesen und gelernt. D. starb am 21. Juli 1816 auf seinem Landgute Swanka im Nowgorodischen. Seine sämtlichen Schriften erschienen in Petersburg (5 Bde., 1810 — 15 u. öfter; zuletzt herausg. von der Akademie der Wissenschaften durch Jak. Grot, 7 Bde., 1864 — 72). Die von ihm hinterlassenen Memoiren wurden erst lange nach seinem Tode veröffentlicht. (KZapiski D.», Mosk. 1860). Vgl. Grot, «Zian' Derkavinap (Petersb. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 74Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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