FeedDeroy (Bernh. Erasmus)
GeschichteBrockhaus 1882

Deroy (Bernh. Erasmus), bayr. General der Infanterie, entstammte einem alten Geschlechte der franz. Picardie und wurde 11. Dez. 1743 zu Mannheim geboren; sein Vater war damals kurpfälz. General. D. nahm im pfälz. Kontingente am Siebenjährigen Kriege teil, trat dann in Nalzehayr. Dienst und verteidigte 1794 die Rheinschanze von Mannheim mit nur 3000 Mann 70 Tage hindurch (bis 25. Dez.) gegen die Franzosen. Als Führer der 1. Brigade des Subsidienkorps focht D. im J. 1800 unter Generallieutenant von Zweibrücken bei Gutenzell, Neuburg an der Donau und in der Schlacht bei Hohenlinden, wo er verwundet in Gefangenschaft geriet, und bearbeitete gemeinsam mit Wrede das neue bayr. Dienstreglement. Im J. 1805 befehligte D. als Generallieutenant anfänglich das bayr. Hilfskorps, dann unter Marschall Bernadotte eine Division, mit der er Salzburg besetzte und in das nördl. Tirol einfiel. Bei Erstürmung der Strubpässe bei Lofer wurde D. 2. Nov. abermals verwundet, übernahm nach erfolgter Genesung den Oberbefehl in Tirol und Vorarlberg, focht 1806 als Divisionskommandeur unter Prinz Jéröme, blockierte im November die preuß. Festung Glogau, bombardierte dieselbe 23. bis 25. Nov., sowie Breslau 20. bis 23. Dez. und Brieg im Januar, schloß Kosel ein, wurde im März 1807 Kommandant von Breslau, eroberte im Juni Glatz und belagerte dann bis zum Eintritt der Waffenruhe Silberberg. Anfang November kehrte D. nach Bayern zurück, übernahm 24. Dez. dort das Generalkommando und Febr. 1809 die 3. Division, mit der er im April bei Abensberg und Eckmühl gegen die Österreicher kämpfte, dann unter Lefebvre nach Innsbruck rückte, aber Ende Mai nach Kufstein zurückgehen mußte. D. verstärkte im Juni Salzburg und zog Anfang Juli nach Linz, kehrte jedoch bald zurück, stand 10. Aug. wieder vor Innsbruck, focht dort am 1. Tage und 13. Aug. auf dem Berge Isel, mußte sich jedoch wieder uber Kufstein nach Rosenheim zurückziehen. Am 16. Okt. rückte D. abermals in Tirol ein und kehrte, nachdem dort jeder Widerstand aufgehört hatte, zu Ende des Jahres nach München zurück. Im J. 1812 führte er unter Gouvion St.⸗Cyr eine ivision des 6. Korps nach Rußland, focht am 16. und 17. Aug. bei Polozk und wurde, als er an der Spitze seiner siegreichen Division die Verfolgung begann, durch einen Gewehrschuß tödlich verwundet. D. starb 23. Aug. 1812 zu Polozk und wurde auf dem Kirchhofe St.⸗Xaver, zwischen Polozk und dem Dorfe Spaß, bestattet. D. war der Reformator der bayr. Infanterie, wegen seiner ememans keit und Fürsorge für den Soldaten allgemein als (Vater D.y verehrt, und noch heute lebt sein Name in den bayr. Soldatenliedern fort.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 74Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6