Desnoyers (Auguste Gaspard Louis Boucher, Baron), ausgezeichneter franz. Kupferstecher, geb. 20. Dez. 1779 zu Paris, übte sich von frühester Jugend in der Kupferstecherkunst, und machte dieselbe zu seinem Lebensberuf, als seine Familie in ihren Vermögensumständen einen harten Schlag erlitt und durch den Wechsel der polit. Verhaltnisse zur Auswanderung gezwungen ward. Er trat im J. 1799 bei Alexandre Tardieu als Lehrling ein und betrieb zwei Jahre lang das Stechen mit Grabstichel und Radiernadel. Der 1804 für den Salon eingeschickte und von Lucien Bonaparte, damaligem Minister des Innern, bestellte Stich nach Rafgels Belle Jardinière gründete seinen Ruf. Rafael blieb sein Lieblingsmeister, nach dem er, außer jenem Stiche, noch folgende Blätter geliefert hat: die Madonna von Foligno (1810), die Vierge au linge, die Vierge au berceau, die Madonna della Sedia, die Vierge au poisson (1822), die Madonna aus dem Hause Tempi, die Heimsuchung der Maria, die heil. Katharina von Alexandria, die Madonna aus dem Hause Alba (1827), die heil. Margarete, die Madonna aus dem Hause Orléans (1838), die Transfiguration (1839), sein vorzüglichstes Blatt, und zuletzt die Madonna di San-Sisto (1846). D. wurde 1816 Mitglied des Instituts, 1825 erster Hofkupferstecher und 1828 zum Baron ernannt. Er starb zu Paris 16. Febr. 1857. Als Künstler gehört D. zur großen franz. Kupferstecherschule. Seine Blätter sind im Vortrage einfach und gediegen, in Wirkung und Gesamthaltung breit und kräaftig. Wenn er die ältern Meister bisweilen in modern verschönernder Weise auffaßt, so ist doch dieser Verstoß gegen den alten Stil weniger dem Künstler, als dem Geschmacke seiner Zeit beizumessen.