FeedDeterminismus bezeichnet die Ansicht
AllerleiBrockhaus 1882

Determinismus bezeichnet die Ansicht, nach welcher die Willensakte durch notwendig wirkende Ursachen bestimmt sind, sodaß sie unter Voraussetzung dieser Ursachen nicht anders ausfallen können, als sie ausfallen, während die entgegengesetzte Ansicht des Indeterminismus das Wollen und Handeln in dem Sinne für frei erklärt, daß es von vorhergehenden Ursachen nicht notwendig bestimmt wird und also auch möglicherweise eine den vorhandenen Ursachen Taun sich schr Richtung nehmen kann. Der D. kann sich ube verschieden gestalten, je nach den Meinungen über die Bes chaffenheit und den Zusammenhang der Ursachen, welche als den Willen bestimmend gedacht werden. Die rohesten Formen desselben sind der Fatalismus, der die Willensakte von einer allgemeinen, blind wirkenden Notwendigkeit beherrscht werden läßt, und der materialistische D., der das geistige Leben nur für den Ausdruck der Bewegungen der Bestandteile des körperlichen Organismus erklärt und den Menschen als eine bloße Maschine betrachtet. Wesentlich davon verschieden ist die von Augustinus und Calvin aufgestellte theol. Prädestinationslehre, welche die Handlungen des Menschen von einem unbedingten Ratschlusse Gottes abhängen läßt. Noch anders gestaltet sich der D. wo das Wollen als der Ausdruck und die Folge der innern Gesetzmäßigkeit des geistigen Lebens selbst betrachtet wird, sodaß die Kausalität, die das Wollen bestimmt, in der Regsamkeit des eigenen geistigen Lebens liegt. Dieser D. läßt sich sehr wohl mit dem Satze vereinigen, daß trotz der Abhängigkeit von Motiven überhaupt das Wollen an bestimmte Motive nicht dergestalt gebunden ist, daß nicht andere Motive Einfluß zu gewinnen im Stande wären. In diesem Sinne haben namentlich Leibniz und Herbart den D. verteidigt. Hiergegen hat Kant den Indeterminismus in dem Sinne der transscendentalen Freiheit oder des intelligibeln Charakters behauptet, wonach zwar in der Erscheinung jeder Willensakt durch empirische Beweggründe determiniert ist, diese Erscheinung aber in ihrem ganzen Verlaufe durch die Freiheit des Dings an sich bedingt sein soll. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 101Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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