FeedBestie (lat.)
TierreichBrockhaus 1882

Bestie (lat.), wildes Tier; bestialisch, tierisch, roh; bestialisieren oder bestifizieren, zur Bestie machen, vertieren; Bestialität, rohes, tierisches Betragen. Bestimmung(determinatio) imlogischen Sinne ist die Angabe eines Merkmals, wodurch sich ein Begriff vom andern unterscheidet. Gedanken, Urteile und Ansichten bestimmen, heißt demnach überhaupt, das Eigentümliche, sie von andern Unterscheidende zum Bewußtsein bringen und neben andern ihren 8 und ihre Bedeutung sich veregenwärtigen. B. heißt aber auch die Angabe des Zweds, wozu ein Ding da ist. So spricht man 3. B. von der B. eines Schiffs für Seereisen u. s. w. Endlich wird der Begriff der B. auch im kausalen Sinne für die Ursache angewendet, welche der Thätigkeit eines andern Dinges die Richtung gibt. Da B. in diesem Sinne ein Bestimmendes voraussetzt, so erscheint die B. eines Dinges als die Folge gewisser Ursachen, und wo diese Ursachen unbekannt sind, gleichwohl aber stillschweigend vorausgesetzt werden, wird der VSc der B. gleichbedeutend mit Schicksal und Schickung. Durch den Ausdruck: «Es war nun einmal seine B., deutet man daher die Wirkung und den Erfolg unbekannter Ursachen an, denen sich der einzelne nicht habe entziehen können. Wo aber die Ursachen, die gewisse Wirkungen haben, in der eigenen Gewalt dessen sind, nach 0.59 B. man fragt, wo folglich die B. zugleich den Zweck und die ursachliche Kraft angeben soll, wie z. B. bei Ruchen, nach der B. des Menschen: da ist zu untersuchen, wozu jemand sich selbst bestimmen solle oder könne. Die B., die der Mensch sich geben soll, hängt ab von der Klareit, Entschiedenheit und Festigkeit seines sittlichen Wollens daher die Feststellung dieser B. nur der Ausdruck für die Gesamtheit der Rt und letzten Zwecke des menschlichen Wollens sein kann. In diesem Sinne hat z. B. Cicero seine Schrift „De finibuso und Fichte seine „B. des Menscheno (Berl. 1802) geschrieben. Daß die B. des Menschen die Glückseligkeit sei, war die einstimmige Annahme aller Philosophen im Altertum bei großer Meinungsverschiedenheit über die Wege, welche zu ihr führen. Die Cyrenaiker suchten sie im sinnlichen Vergnügen, die Epikuräer in schmerzloser Heiterkeit der Seele, die Aristoteliker und Platoniker in Bildung und intellektueller Kultur, die Stoiker in der moralischen Vervollkommnung durch grundsätzliches Rechthandeln. Die letztere Theorie ist sodann vermöge der Übereinstimmung des Christentums mit dem Stoizismus in diesem Punkte ur allgemein herrschenden geworden. Insbeson-Lere hat Kant dieselbe weiter . dadurch, daß er das zwischen moralischer Vollkommenheit und Glückseligkeit bestehende Verhältnis genauer bestimmte. Denn während die Stoiker beide Begriffe unkritisch miteinander vermengten und sich dadurch in die üble Lage brachten, trotz aller augenblicklichen Widerwärtigkeiten eine ungetrübte Glückseligkeit und Seelenheiterkeit affektieren zu sollen, beschränkte Kant die menschliche B. allein auf die moralische Vervollkommnung, und ließ die Glückseligkeit nur noch als zu Veiand Folge, nicht aber mehr als integrierenden Bestandteil derselben zu.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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