Deutschland » eine litterarische Bestimmtheik. Als die Hauptvertreter desselben sind besonders hervorzuheben: Karl Gutzkow, Heinr. Laube, Gust. Kühne, Theod Mundt und Ludolf Wienbarg. Letzterer verriet ein tüchtiges, kritisches Talent, doch ist er allzu früh verstummt. Theod. Mundt wirkte anregend auf den verschiedensten Gebieten, doch hat er durch überproduktion seine ursprünglich nicht gering 15 achtende Begabung verflacht. —.— Kühne, als Novellist und Kritiker elegant und geistvoll, hat mit seinen feinempfundenen Schöpfungen einen sinnigen Leserkreis gefesselt, ohne es zu jenen durchreifenden Wirkungen bringen zu können, dur welche Karl Gutzkow und Heinr. Laube als die produktivsten Kräfte der Schule bis in die jüngste 195 einen sich stets erneuernden und nachhaltigen Einfluß ausübten. Karl Gutzkow, ein feinorganisiertes, vielder modernen Zeit, von glänzender Dialektik und bedeutsamen Perspektiven, rührig und strebsam, eroberte 1839 durch seinen „Richard Savage der modernen Richtung das deutsche Theater, welchem später zahlreiche Schöpfungen schenkte. In seinen zwei großen Zeitromanen: „Die Ritter vom Geistev und Der Zauberer von Romp, zeigte Gutzkow eine bedeutsamen Aufgaben gewachsene Kraft und Ausdauer der Darstellung, eine Gestalten schaffende Phantasie, und wenn auch das eigentliche Erzählungstalent gegen die geistige Bedeutung dieser großartigen, das ganze moderne prot. und kath. Leben darstellenden Kulturgemälde zurücktritt, so gehören sie immerhin zu den hervorragendsten Romanschöpfungen der Neuzeit. Heinr. Laube, ein frisches und gewandtes Talent, Meister des Stils in ebenso lebensvoller wie stilistisch gefeilter Prosa, errungen. In seinem großen Roman:Der deutsche Kriego, unternahm er ein umfassendes Gemälde der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs, welches eine ungetrübte Frische der Erfindung und Darstellung satmet. Als ein Nachzügler des Jungen Deutschland muß Gust. . Wasd in seinen ersten Dramen „Valentines und «Waldemarv betrachtet werden, während er in seinen Romanen »Soll und Habeno und Die verlorene Rachen 9 eine neue Richtung einschlug, den realistischen Roman nach dem Vorbilde der engl. Humoristen mit einem in Deutschland seltenen Erfolge ausbaute, und neuerdings in dem Romancyklus »Die Ahnenv kulturgeschichtliche Bilder deutscher Vorzeit in mehr oder minder glückliche poetische S Deech rückt, wozu er sich durch seine „Bilder aus Deutschlands Derhre; den Weg 3nd 0 hatte. Ebenso vielseitig, in Kritik, Drama und Roman thätig und überdies als lyrischer Dichter anerkannt, erscheint Rob. Prutz, eine tüchtige und gediegene Natur, schwunghaft in der Lyrik und von behaglichem Humor in Satire und Roman. Ebenfalls von vielseitiger Beweglichkeit und geistier Bedeutung sind die Leistungen und Schöpfungen ud. von Gottschalls, der zuerst mit polit. Gedichten auftrat, dann in seiner „Göttin v und seinem „Zenon größere epische Dichtungen von frischer Kraft und lebendiger Phantasie schuf, dabei aber auch als Dramatiker in Trauerspiel und Lustspiel eine große Winsenerer entwickelte; als Litterarhistoriker und in seiner »Poetiko betont er entschieden das moderne Prinzip. An die Grabbesche Richtung knüpfte Friedr. Hebbel an, ein Dramatiker von kühnen und großen Intentionen, von energischem Gepräge des Ausdrucks und von sicherer Konseder Waht der Stof Motivierung, aber paradox in der Wahl der Stoffe und in ihrer Ausführung oft schroff und verletzend. Als Lyriker ist Hebbel gedanlenreich in einer oft prägnanten, oft herben Form. Während diese Autoren durch ihre, alle Gebiete der Litteratur beherrschende Wirksamkeit, durch die Vereinigung von Theorie und Praxis an die Traditionen unserer klassischen Epoche Aeden hero fanden auch die einzelnen Dichtungsarten hervorragende Pflege. RNamentlich darf die Blüte der modernen Lyrik sich kühn mit der Lyrik des 18. Jahrh. messen. An die patriotische Lyrik schloß sich zunächst nach der Julirevolution die österreichische an, welche den jugendlichen Schwung Zilderreich-Begeisterung atmete. In glänzendem Bilderreichtum, oft amAuton Ule oft naiv eröffnete die Muse des Grafen Anton Alexander von Auersperg, der unter dem Dichternamen Bänt fot Grün auftrat, den Reigen dieser Lyrik. Wu folgte Niembsch von Strehlenau, genannt Nikolaus Lenau, ein großer elegischer Poet, von unnachahmlichem eiz schwermütiger eltbetrachtung. Der feurige Ungar Karl Beck, die böhm. Dichter Moritz Harkmann und Alfred Meißner, Hartmann in Epos und Novelle von maßvoll künstlerischer Haltung, Meißner in Drama und Roman von regster Phantasie und moderner Tendenz, knüpfen, auch wo sie eine oppositionelle Richtung vertreten, oft an ihre österr. Heimat an. Mit der Thronbesteigung des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gewannen die polit. Tendenzen eine bestimmtere Form, die polit. Lyrik einen bestimmtern Inhalt. Beranger, Körner und Platen wirkten auf die Lyrik Georg Herweghs ein, der unter der Jugend großen Enthusiasmus erregte und einen Triumphzug durch ganz Deutschland hielt. Ihm schlossen sich an: Prutz, Hoffmann von Fallersleben, ein volkstümlicher Liederdichter, Franz Dingelstedt, der geistreichste und sorurgewandtene von diesen Dichtern, auch in Novelle und Drama thätig, später als Bühnenleiter von sörderlichstem Einfluß auf Theater und Litteratur, dann in seiner letzten Epoche Ferdinand Freiligrath, der bei seinem ersten Auftreten durch den Phantasiereichtum und die Virtuosität der Darhellung in exotischen Gedichten großes Aufsehen erregte, in seinen bedeutt bei revolutionärer Leidenschaft doch eine bedeutende Kraft anschaulicher Schilderung zeigte. Die früh verstorbenen schles. Fubsta traten ebenfalls mehr oder weniger in die Fußstapfen der polit. Lyrik: Moritz Graf Strachdabe von großem Adel der Form bei ritterlich feu⸗ [daler und doch für Deutschland glühender Gesinnung, Friedr. von Sallet, gediegen, charaktervoll und gesinnungstüchtig in Gedichten und in dem Laienevangelium », Georg Spiller von Hauenschild (Max Waldauh, reichbegabt und hochgebildet, formgewandt in Canzonen und poetischen Erzählungen, an Jean Paul sich anlehnend im Roman. Einzelne polit. Klänge schlug auch Emanuel Geibel han, Deutschlands beliebtester und produktipster ö Liederdichter, auch trefflicher Situationsmaler, in der Form nach klassischer Vollendung strebend. Er war das Haupt des poetischen Kreises, der sich um den König Max von Baiern versammelte, dem lange Zeit Dingelstedt, dann Bodenstedt und Paul Heyse angehörten, letzterer ein feiner Novellist und akademisch geschulter poetischer Erzähler. Geibel führte auch Herm. Lingg in die Litteratur ein, einen düstern Elegiker wie Lenau, nur Imit weltgeschichtlichen Perspektiven; sein großes Epos Die Völkerwanderungo läßt bei großen Einzelschönheiten einheitlichen Stil vermissen und ist eine aller epischen Regeln spottende Reimchronik. (Eine mehr vereinsamte Stellung nimmt der Dichüter des „Laienbrevierv, Leopold Schefer, ein, in seinen Gedichten didaktisch und anakreontisch nach orient. und klassischen Mustern, in seinen Novellen traumhaft phantastisch, Vertreter einer pantheistischen Weltanschauung. Ebenso isoliert steht Wilh. Jordan, philosophisch bedeutend im ⸗Demiurgos ». Als Rhapsode durch Deutschland und von Petersburg bis San-Francisco die Welt durchreisend, trug er sein großes allitterierendes Epos Die Nibelungenv vor, ein Werk von plastischer Anschauung und seltener Sprachbeherrschung, das neben vielem veraltet Sagenhaften, das poetischor Erneuerung widerstrebt, doch auch außerordentliche Schönheiten enthält. Rob. Hamerling ist ein Dichter von Abasvert „ überreizter Phantasie; seine Epen Ahasver in Rom und «König von Sion o sind reich an farbenprächtiger Schilderung; poft herrscht in ihnen wie in seinen Gedichten ein geistig bedeutender Odenstil. Jos. Victor von Scheffel erscheint als Vertreter 5 oft Maus altdeutscher Lebenswahrheit und eines oft J. G. Fucher nieoft 3 and sch frischen Humors; J. G. Fischer fließend und schwunghaft, oft spröde und forciert; A. F. von Schack als formgewandt und reich an freien Gedankenperspektiven. Von den epischlyrischen Dichtern sind noch hervorzuheben: Gottfr. Kinkel, harmonisch und sinnig; Oskar von Redwitz, der mit seinem frömmelnden Gedicht Amaranthoroßes Aufsehen erregte, seitdem aber eine freiere Rlechtung einschlug; Oito Roquette, dessen Hauptwerk die poetische Erzählung Waldmeisters Brautfahrty ist; der Vertreter des preuß. Patriotismus Christian Friedr. Scherenberg, bei Mangel an lünstlerischer Feile doch oft von schlagender Keckheit des bildlichen Ausdrucks, und der produktive, karmgewandte Adolf Böttger. Von geselligen und gemütlichen Liederdichkern sind hervorzuheben der auch in der heimatlichen Diglektdichtung, im Drama und im Volks roman durch Hopitch. Nob. Reinic. Karl von Holtei, Aug. Kopisch, Rob. Reinick. Unter den Dichterinnen nimmt Annette Freiin von mlenldewerten durch originelles Darstellungstalent den ersten Rang ein. Außer Gutzkow, Laube, Hebbel, Prutz, Gottden und Freytag sind noch mehrere auf den deutschen Repertoiren eingebürgerte Dramatiker zu nennen. Bedeutender, durch dichterische Mittel errungener Erfolge darf sich Freiherr Münch-Bellinghausen, genannt Friedrich Halm, rühmen. Seine bekanntesten ältesten Dramen: «Griseldis o und „Der Sohn der Wildnis», haben große lyrische Zug. Höher steht durch patriotischen Schwung und energische Charakteristik & Der Fechter von Ravennav. Minder erfolgreich waren die Dramen von Jul. Mosen, der sich auch als gediegener Lyriker hervorgethan, trotz ihres dichterischen Schwunes. Dagegen —— einen über Deutschland hinansreichenden Erfolg Mosenthal mit seiner „(Deborahv. Unter den wiener Dramatikern verdient der talentvolle Joseph Weilen Erwähnung. Der Grabbe-Hebbelschen Richtung schlossen sich an: Otto Ludwig, energisch in Charakterdarstellung und dramatischem Ausdruck, doch verschroben in der Komposition, Rob. Griepenkerl, J. L. Klein u. a. Ein glänzendes Effektstück war Brachvogels «Narciß »5. Gekrönte Preisstücke, wie Albert Lindners (Brutus und Collatinuso, Geibels „Sophonisber, Schaufferts «Schach dem Königo, haben sich nicht auf der Bühne behauptet. Eleganten Dialog und treffliche scenische Schulung beweisen Pau Lindaus Lustspiele, denen sich die harmlosen, heitern Stücke von G. von Moser, J. B. von Schweitzer, Jul. Rosen u. a. in Bezug auf den Bühnenerfolg anschließen. 901 Lustspiel wie im Trauerspiele talentvoll, doch ungleich in Bezug auf Stil und Verdienst der einzelnen Stücke erscheint Adolf Wilbrandt, der besonders das Repertoire des wiener Burgtheaters beherrscht, und in dessen Iudlapfen in neuester Zeit Ernst von Wildenbruch getreten ist. Als Vertreterin der Bühnenproduktion ohne künstlerische Ziele steht die überaus produktive Charlotte Birch-Pfeiffer da. Ihr schließen sich als Pfleger des Konversationsstücks der in bühnenwirksamen Erfindungen und Kombinationen geschickte Roderich Benedix, Eduard Bauernfeld, ein Meister witzigen Dialogs, die Nachfolger Kotzebues im kecken Wurf der Komposition, Karl Töpfer, Karl Blum u. a. an. Den feinern Salonton trafen namentlich die Prinzessin Amalie von Sachsen, Feodor Wehl und Gustav zu Putlitz, welcher letztere auch im ernstern Drama Talent bekundete. Einer Wiedergeburt ebenso bedürftig wie fähig ist die deutsche Posse, die bei aller Verwilderung Keime einer bessern Zukunft in sich trägt. Hauptpertreter derselben waren in Berlin Louis Angely, in Wien Nestroy und die beiden Schöpfer der Zauberposse, Mand Bäuerle und Ferdinand Raimund. Die Romandichtung der jüngsten Zeit spiegelt die verschiedensten Tendenzen und Richtungen wieder. Ihre Bedeutung ist bei dem in Deutschland herrschenden Lesebedürfnis nicht zu unterschätzen. Die Masse des kaum verarbeiteten Rohstoffs droht indes die bessern Muster zu verdrängen. Der moderne Kulturroman, von Gutzkow, Freytag und Prutz mit künstlerischen Tendenzen kultiviert, wurde ebenso tüchtig durch den feinen Charakter⸗ und Sittenmaler Levin Schücking, durch Fanny Lewald u, a. vertreten. Dem Salonroman, mit glänzender Virtuosität von Alexander Freiherrn von Sternberg, mit poetischem Reiz, doch kapriziös nach Inhalt und Form von der zuletzt ins ultramontane Lager übergegangenen Gräfin Ida Hahn-Hahn behandelt, trat der Volksroman gegenüber, die realistische Dorfgeschichte, oft poesielos, oft kokett, doch als Reaktion gegen die überschwenglichkeiten des Salons nicht ohne Berechtigung. In derb-praktischem Sinne bäuerlicher Moral bildete ihn Jeremias Gotthelf aus, während Auerbach ihm mancherlei glänzende Lichter der Empfindung und Reflexion aufsetzte. Friedr. Spielhagen, ein Autor von feingeistigem Gepräge und lebendigem Darstellungstalent, der in allen seinen Romanen bestimmte gesellschaftliche Tendenzen verfolgt, erregte zuerst Ddel mit den 4Problematischen Naturen». Die beliebte Novellistin E. Marlitt fesselt ein ausnehmend großes Publikum durch glückliche Erfindung und lebendige Darstellung. Unter den humoristischen Romanschriftstellern nimmt Hackländer den ersten Rang ein, den als Novellisten Paul Heyse, neuerdings auch mit größern geistreichen Romanen erfolgreich, und Edmund Hoefer behaupten. Der histor. Roman wurde durch Wilibald Alexis, den Walter Scott der Mark Brandenburg. durch den geistvollen Heinrich Koenig, durch Levin Schücking und Felix Dahn in künstlerischer Weise behandelt. Wennschon früher bei Spindler und Ludw. Storch das Stoffartige überwog, so findet dies in noch erhöhtem Grade in dem modernen Memoirenroman statt, als dessen Hauptvertreterin die sehr produktive Luise Mühlbach gelten kann, welche den von Frau von Paalzow noch künstlerisch gepflegten histor. Roman der prinziplosen Verwilderung preisgab und zahlreiche Nachsanen fand. Auch der phantasievolle Brachvogel schließt sich in seinen Romanen lichen Richtung an. Die rohe Mischung des Geschichtlichen und frei Erfundenen ist nur darauf berechnet, das Lesebedürfnis des Publikums zu befriedigen. Einen höhern Ton schlug Alfred Meißner in den spannenden zeitgeschichtlichen Romanen Schwarzgelbo und 4Babelo an. Als eine besondere Gattung kann der fremdländische Reise⸗-und Seeroman gelten, dessen genialster Vertreter Charles Sealsfield ist, während sich RobRn größerer Volkstümlichkeit erfreut. Philol. Studien wurden, nach dem Vorgange C. A. Böttigers (èSabinas) und Beckers (Chariklesy und „Galluso), dem Publikum in Romanform zugänglich gemacht besonders durch Georg Ebers (4Eine ägypt. Königstochter v, Uarda», Der in den Ausläufern des Leihbibliothekenromans entarteten belletristischen Prosa trat eine Philoop wissenschaftliche Prosa gegenüber. Der Philosoph Arthur Schopenhauer, ein geistvoller Vertreter des Pessimismus, ist Meister eines klaren und scharfen Stils. Dasselbe gilt von Eduard von Hartmann, dessen 4Philosophie des Unbewußtenv, eine Konkordanz von Hegel und Schopenhauer, eins der bedeutendsten philos. Werke der neuesten Zeit ist. Von andern Philosophen verdienen Herm. Lotze, der Anhänger Herbarts, die Vermittelungsphilosophen des theistischen Pantheismus, wie Immanuel Herm. Fichte und Herm. Ulrici, der glänzende Historiker der neuern Philosophie, Kuno Fischer, auch als Meister des stilistschen Ausdrucks auszeichnende Erwähnung. Von den Historikern hielten sich nur wenige von Anklängen an die geschraubte Würde eines Joh. von Müller frei. Dies Dr von Friedrich Dahlmann, von Johann Gustav (Gee und von Georg Gott⸗ * Gervinus, dessen „Geschichte des 19. Jahrh. v urch Gründlichkeit und Lebendigkeit der Darstellung einen hervorragenden Rang behauptet. Ausgeeichnet durch feinen Pragmatismus ist Leopold von anke und einer der gründlichsten Forscher, Georg Heinrich Pertz. Außerdem sind Theodor Mommsen, Heinrich von Sybel, der die Französische Revolution in gänzlich neuem Lichte darstellte, Mar Duncker, der enthusiastische und geistvolle Historiler des Altertums, Ludwig Häusser, Wilhelm Giesebrecht, der rhetorisch ur. Beid Darsteller der deutschen Kaiserzeit, Heinr. Beitzke u. a. zu nennen. Mit dem Aufschwunge der Geschichtschreibung hängt die Entwickelung einer vielseitigen Publizistik zusammen. Ebenso bedeutend regte und steigerte sich das Streben, die großen Resultate der naturwissenschaftlichen Forschungen unserer Zeit in die allgemeine Bildung aufzunehmen und zu höherer und geläuterter Lebensanschauung zu verarbeiten. Einen mächtigen Anstoß hierzu gab Alexander von Humboldt durch die «Ansichten der Naturo und den (Kosmos ». Auf Popularisierung der Naturwissenschaften wirkten ganz besonders Lorenz Oken, Karl Friedr. Burdach, der große Chemiker Justus Freiherr von Liebig, C. G. Carus, I . von Cotta, M. J. Schleiden, Herm. Burmeister, E. A. Roßmäßler, Karl Vogt, Ernst Heinr. Haeckel u. a. Eine sorgfältigere Beachtung fand endlich auch seit längerer Zeit die früher gänzlich vernachlässigte Volkslitteratur. Die Journalistik litt unter den Einflüssen der Revolutionsjahre, hat aber später einen außerordentlichen Aufschwung genommen. Ungeachtet der ausgezeichneten ästhetischen Leistungen Friedrich Vischers, der geschmackvollen Schriften Moritz Carrieres und der nicht unwichtigen Forschungen Adolf Zeisings, denen sich auf dramaturgischem Gebiete Theodor Rötscher anschließt, leidet die litterarische Kritik an Zersplitterung und läßt einen tonangebenden Mittelpunkt vermissen. Im ganzen aber zeigt die deutsche Litteratur der Gegenwart einen erfreulichen Aufschwung, roße Rührigkeit nach allen Richtungen hin und viele Lervorkagende Talente. Die Litteraturgeschichte erfreut sich der eifrigsten Pflege; große Nationalbibliotheken deutscher und ausländischer Litteratur, kritische Ausgaben der Klassiker, regelmäßig erscheinende Shakspeare-, Dante⸗ und Goethe-Jahrbücher, neue + der Litteraturwerke von Gervinus, Koberstein, Vilmar, Barthel, Julian Schmidt, Gottschall, zahlreiche Anthologien aus alter und neuer Zeit beweisen den Anteil des Publikums und halten ihn beständig wach. Gervinus, so einseitig seine ästhetischen Anschauungen sind, behauptet in Bezug auf zusammenhängende Darstellung der deutschen Nationallitteratur durch grundlegende Gruppierungen und Charakteristiken noch immer einen hervorragenden Platz; Koberstein bleibt der fleißigste und unbefangenste Sammler; Goedeke tritt ihm hierin ebenbürtig zur Seite; Bilmars geschmackvolle Darstellung wird durch die einseitig theol. tecall beeinträchtigt; Julian Schmidt und Gottschall behandeln die neuere Litteratur, jener mit ausgesprochener Abneigung gegen ihre idealen Tendenzen, dieser mit warmer Anerkennung derselben. Ein chichte de großes Litteraturwerk ist L. Kleins 4Geschichte des Dramasv (Bd. 1—13, Lpz. 1865 —76), das, ebenso fleißig und geistvoll wie geschmacklos überladen und abschweifend in der Form, einen für das Lesepublikum nicht mehr zu bewältigenden Umfang angenommen hat und in diesen dreizehn Bänden das griech. und röm. Theater, das Theater des Orients, die ital., span. und engl. Bühne behandelt. Hervorzuheben ist auch R. Prölß' «Geschichte des neuern Dramaso (3 Tle., Lpz. 1881 —82). Vgl. Wachler, «Vorlesungen über die Geschichte der deutschen Nationalliteraturo (2 Bde., Frankf. 1818—19; 2. Aufl. 1834); Koberstein, „Grundriß der deutschen Nationallitteratur o (Lpz. 1827; 5. Aufl., von Bartsch, 5 Bde., Lpz. 1872 — 74%); Gervinus, «Geschichte der poetischen Nationallitteratur der Deutschen » (5 Bde., Lpz. 1835 — 42; 5. Aufl., von Bartsch, 1871—74); Vilmar, «Geschichte der deutschen Nationallitteraturv (Marb. 1847; 20. Aufl. 1881); W. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteraturn (Bas. 1851 -53; 2. Aufl., von E. Martin, Bd. 1, Bas. 1879); Goedeke, „(Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung v (3 Bde., Dresd. 1857 —82); Heinr. Kurz, 4Geschichte der deutschen Litteratur » (3 Bde., Lpz. 1851—59; 6. Aufl., 4 Bde., 1873—74); Cholevius, „Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementeno (2 Bde., Lpz. 1854—56); O. Roquette, (Geschichte der deutschen Dichtung (2 Bde., Stuttg. 1862—63; 3. Aufl. w1878 —79); von Leixner, «Illustrierte Geschichte des 7 Schrifttums » (2 Bde., Lpz. 1880 —81). Die deutsche Litteratur der neuern und neuesten Zeit insbesondere behandeln: Gruppe, « Udhunde der deutschen Poesie in den letzten drei Jahrhunderten 9 (5 Bde., Münch. 1865 —70); Löbell, «Die Entwickelung der deutschen Poesie von Klopstocks erstem Auftreten bis zu Goethes Todey (Bd. 1—3, Brannschw. 1856—65); Hillebrand, «Die deutsche Nationaltiteratur des 18. Jahrh. » (3 Bde., Gotha 1845 — 47; 3. Aufl. 1875); Hettner, Litteraturgeschichte des 18. Jahrh. v (4 Bde., Braunschw. 1862 —72; 3. Aufl. 1870— 76); Biedermann, «Deutschland im 18. Jahrh.v (4 Bde., Lpz. 1875—80); Julian Schmidt, „Geschichte der deutschen Litteratur im 19. Jahrh.v (2 Bde., Lpz. 1853; 5. Aufl., 3 Bde., 1866—67) und «Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland von Leibniz bis auf Lessings Tod » (2 Bde., Lpz. 1861—64); Gottschall, 4 Geschichte der deutschen Nationallitteratur in der ersten Hälfte des 19. Jahrh.» (2 Bde., Bresl. 1855; 5. Aufl., 4 Bde., 1881); Prutz, «Die deutsche Litteratur der Gegenwarty (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1860); Brandes, „Die Hauptströmungen der Litteratur des 19. Jahrh. (aus dem Dänischen übersetzt von A. Strodtmann; Bd. 2: „Die romantische Schule in Deutschlando, Berl. 1873); W. Scherer, Geschichte der deutschen Litteraturo (Berl. 1881 fg.); C. Lemcke, „Geschichte der deutschen Dichtung neuerer Zeito (Bd. 1: von Opitz bis Klopstock, Lpz. 1871; neue Ausg. 1882).