Junges Deutschland, ein Name, der, ebenso wie die analogen Bezeichnungen Junges Frankreich, Junges Italien, Junges Polen u. s. w., in den Jahren nach der franz. Julirevolution von 1830 auftauchte und wie jene eine Verzweigung des sog. Jungen Europa (s. d.), einer polit. Verbindung mit revolutionärer Tendenz, bezeichnete. Viel geläufiger ist jedoch die Benennung Junges Deutschland in einem andern Sinne geworden, indem man sie einer rein litterarischen Richtung beilegte, die sich in Deutschland in der aufgeregten Zeit nach der franz. Revolution von 1830 geltend machte, und das in Leben, Kunst und Wissenschaft zu bekämpfen suchte, was ihr veraltet und fur die Gestaltung einer neuen Kulturepoche hinderlich erschien. Diese Polemik wurde in Flugblättern und Zeitschriften, in der Lyrik und in Tendenznovellen, zumal aber in ästhetisch-kritischen Raisonnements Aiel uber n Wienbarg zuerst widmete seine in Kiel über Asthetik gehaltenen Vorlesungen dem (Jungen Deutschlando. Unter demselben Kollektibnamen stellte dann Kühne in der aZeitung für die elegante Welt die Schriftsteller Heine, Laube, Gutzkow, Mundt und Wienbarg als diejenigen zusammen, in denen der neue Geist der deutschen Jugend seinen entsprechendsten Ausdruck finde. Indem die Genannten aber häufig statt der Sache die Personen angriffen, gaben sie nach vielen Seiten hin Anstoß und Argernis. Es bedurfte daher nur der Denunziation des früher mit Gutzkow innig verbundenen Menzel, um die Regierungen zu dem Verbote der Schriften und litterarischen Unternehmungen des Jungen Deutschland, ja selbst der künftigen, zu veranlassen. Diese Maßregel hatte zur Folge, daß die litterarische Opposition an die radikalern Junghegelianer überging, während sich die meisten Schriftsteller des Jungen Deutschland positiven Kunstschöpfungen zuwendeten.