Deutsche Mundarten. Den ersten Spuren eines Auseinandergehens der Laute in der deutschen Sprache begegnet man in den durch röm. Schriftsteller überlieferten Eigennamen. Es finden sich z. B. die cheruskischen Fürsten aus der Familie des Arminius Segimerus, Inguiomerus, Actumérus neben den freilich um 300 Jahre spätern Alamannenkönigen Chrodomärius, Vadomärius (vom got. mêrjan: verkündigen; got. mrs, althochdeutsch märi, mittelhochdeutsch märe: berühmt); ferner aus derselben cheruskischen Familie einen Chariomérus, neben dem Alamannenkönige Hariobaudus (vom got. harjis, althochdeutsch hari: das Heer): also bereits anhebende Unterschiede in Bokalen und Konsonanten bei zwei Völkerschaften, von denen die eine später entschieden dem niederdeutschen, die andere dem hochdeutschen Sprachgebiete zugehörte. Durchgreifend weichen sodann von allen diesen Eigennamen die Lautverhältnisse der durch Ulfilas (um 350) in die Litteratur tretenden got. Sprache ab, indem sämtliche stumme Konsonanten nach dem Gesete der Lautverschiebung (6. d.) um eine Stufe fortgerückt sind, und sogar innerhalb der got. Sprache lassen sich wieder mundartliche Färbungen unterscheiden. Mit dem 7. Jahrh. beginnen darauf die erhaltenen Sprachdenkmäler der übrigen deutschen Stämme, aus denen sich zunächst die Trennung sämtlicher deutscher Völkerschaften in zwei große Sprachgebiete, das oberdeutsche und das niederdeutsche, als vollendete Thatsache ergibt. Eigentümlich dem Oberdeutschen zeigt sich die Vollendung der Lautverschiebung durch Fortrücken der stummen Konsonanten auf die dritte Stufe, die Vorliebe für vollere, härtere Laute und das Überwiegen der tiefer liegenden Sprachorgane, Brust und Kehle; während die niederdeutschen Dialekte auf der zweiten (got.) Konsonantstufe verharren, breitere und weichere Laute lieben und die Vorderorgane vorherrschen lassen. Die geogr. Grenze zwischen beiden Sprachgebieten scheint schon damals die heutige Linie, von der Mündung der Ruhr und Sieg in den Rhein bis zum Harze, ziemlich eingehalten zu haben. Zur oberdeutschen Sprachgestaltung gehörten die Alamannen (Schwaben), Bayern und Langobarden; zur niederdeutschen die Westfalen, Sachsen, Friesen, Goten und Skandinavier. Vermittelnd zwischen beiden standen die auf der Sprachgrenze wohnenden Hessen und Thüringer und die vom Niederrhein aufwärts gezogenen Franken. Unsicher ist noch die Einreihung der Burgunder, deren Sprache nach den wenigen erhaltenen Eigennamen und Glossen dem Gotischen näher gestanden haben mag als dem Hochdeutschen; doch können sie in den spätern Sißen des Volks (von der westl. Schweiz hinein nach Frankreich) bedeutende hochdeutsche Einflüsse + * haben. über der weitern Entwickelung der Mundarten dieser Stämme waltete ein sehr verschiedenes Schicksal. Ganz zu Grunde gingen außer den Goten und Burgundern auch die Langobarden, ohne andere Sprachreste zu hinterlassen als einige Eigennamen und spärliche Glossen. Dagegen traten die Skandinavier und die Friesen ganz aus dem Kreise der gemeinen niederdeutschen Form 4N½% und schufen sich eine eigene Litteratur un Schristsprache. Doch erzeugte die fries. Sprache nur weniges und sank später wieder zu einer auch geographisch in immer engere Grenzen gedrängten Mundart herab. Die Sprache der Skandinavier entfaltete zunächst in Norwegen und auf Jsland eine reiche und bedeutungsvolle Litteratur (die sog. altnordische oder isländische), während sich etwas später in Schweden und in Dänemark zwei neue Schriftsprachen, die dänische und die schwedische, entwickelten. Ferner erwuchs aus einem andern schwachen niederdeutschen Zweige der gewaltige Baum einer Weltsprache, der englischen. Endlich ging noch eine selbständige Litteratur- und Schriftsprache aus der niederdeutschen hervor, die niederländische, welche sich später in zwei wenig unterschiedene Zweige, das Vlämische und das Holländische, spaltete. Die übrigen, im eigentlichen Deutschland verharrenden Stämme änderten nun zwar seit der karolingischen Zeit ihre Sitze im wesentlichen nicht mehr, aber wohl keiner mochte selbst damals seine ursprüngliche Mundart noch rein und ungetrübt besihen. Denn durch die gewaltige Bewegung der vorangegangenen o vieltach v hatten sich alle Völkerverhältnisse so vielfach verschoben, daß die Benennungen Alamannen, Franken u. s. w. neben dem herrschenden und wohl auch der Zahl nach überwiegenden Bestandteile der Bevölkerung nun notwendig auch die vielen kleinern, in der Geschichte verschollenen Stämme und die zurückgebliebenen Reste der frühern Bewohner unter sich begreifen mußten. Dem entsprechend zeigen auch die Sprachdenkmäler Oberdeutschlands in der althochdeutschen Periode zwar eine reiche Fülle dialektischer Verschiedenheiten, aber doch auch wieder so zahlreiche, so mannigfach sich kreuzende, so unmerklich N Übergänge, daß es der Grammatik noch nicht gelungen ist, die unterscheidenden Merkmale der einzelnen Dialekte vollständig zu gewinnen und ihre gegenseitigen Grenzen festzustellen. So vertritt den fränk. Dialekt des 8. Jahrh. die Übersetzung der Abhandlung Isidors De nativritate dominiv; den bayrischen des 9. ichen das Gedicht «Muspilliv; den alamannischen des 8. Jahrh. die sanetgallische Übersetzung der Benediktinerregel und eine Interlinearversion Ambrosischer Hymnen, und den schon ziemlich abgeschliffenen und verblaßten glamann. Dialekt des 11. Jahrh. eine Reihe von Übersetzungen aus der Feder sanctgallischer Mönche, namentlich Notkers. Das bedeutendste Werk des Zeitraums, das Evangelienbuch Otfrieds, zeigt eine zwar in der Grundlage oberdeutsche, aber durch niederdeutschen Einfluß weicher und wohllautender gestimmte Sprache, die man als südfränkische bezeichnen kann. Auch das Mittelland Hessen hat ein unschätzbares Denkmal aufzuweisen im Hildebrandsliede. Der niederdeutschen Mundart endlich, über deren beide Zweige, den westfälischen und sächsischen, in dieser Periode anderweite Quellen fehlen, gehört der „(Heéliande an, dem man das Münsterland als Heimat anweisen darf. Vgl. Piper, «Deutschlands Dialekte bis zum J. 13005 (Lahr 1880). Keiner deutschen Mundart war es in dieser ersten Periode gelungen, Werke aufzustellen, welche ihr die Herrschaft über andere Dialekte verschafft hätten. Vielmehr waltet in jedem der erhaltenen Denkmäler die Mundart des Verfassers oder auch des Schreibers, die nicht nur nach Ort, sondern auch nach Zeit eine verschiedene war. Dabei verblieb es im großen und ganzen auch in der mittelhochdeutschen Periode, denn das früher behauptete und allgemein geglaubte Übergewicht, welches die schwäb. Mundart während der Re ierung der Staufen über die andern oberdeutschen Dialekte soll gehabt haben, hat niemals bestanden. Zwar waren, nachdem die deutsche Sprache im Laufe der Jahrhunderte den Reichtum an Lauten mehr und mehr eingebüßt und namentlich hier —— dort weniger die alten tönenden Flexionsvokale a 0 u durchweg zu e abgeschwächt „die Unterschiede zwischen den einzelnen deutschen Mundarten nicht mehr so groß wie früher, aber völlig wurden sie niemals auf n, und vollends von einer Herrschen Sprache in mittelhochdeutscher Zeito, Wien 6 iffer, en und Bildung der höfi1861.) Eine merkwürdige und folgenreiche Veränderung vollzog sich seit Mitte des 13. Jahrh. in der bayr.⸗österr. Mundart, indem hier 1 zu ei, à und ou zu au, iu zu eu und später, durch die regensburger Reichstage und die kaiserl. Kanzlei an Ausbreitung gewinnend, die Hauptgrundlage wurden für die Bildung der neuhochdeutschen Schriftsprache. Die niederdeutsche Sprache schien ihre beste Kraft an die aus ihr hervorgegangenen und zu voller Selbständigkeit erwachsenen Litteratursprachen, die angelsächsische (englische), niederländische und die kandinavischen, abgegeben zu haben. Was von ihr im engern Sinne deutsch geblieben war, die schlechthin so genannten niederdeutschen Mundarten, standen an Zahl und Gehalt ihrer Erzeugnisse weit 7 der oberdeutschen Fülle zurück. Einfluß geübt, ist schon aus diesem Grunde unwahrscheinlich und kaum nachzuweisen. Wohl aber fand das Umgekehrte statt, und hier war die Einwirkung eine starke und nachhaltige. Recht anschaulich zeigt sich die Überlegene Macht des Oberdeutschen gerade an dem wichtigsten und am meisten verbreiteten niederdeutschen Werke, dem im 13. Jahrh. verfaßten Sachsenspiegel. Dieser wurde nicht nur bald nach seiner ½½5 ins Obersächsische umgeschrieben, sondern erlangte gerade in dieser neuen Gestalt den größern Beifall. Vorzugsweise dem Sachsenspiegel und den .. andern sich daranknüpfenden Rechtsbüchern, welche in den magdeburgischen, meißnischen und schles. Ländern entstanden und bis nach dem Nunde Culm sich hinzogen, verdankte die obersächs. Mundart ihre wachsende Ausbildung und Verbreitung, durch die sie später berechtigt wurde, in Verbindung mit der österr.⸗bar nischen eine Hauptgrundlage für die Sprache Luthers abzugeben. Mit Luther aber erlosch die „¹ der Dialekte für die Litteratur und die höhern Bildungskreise. dritbald wichen vor der neuen hochdeutschen Schriftsprache die oberdeutschen Dialekte zurück, und auch die niederdeutschen überließen ihr allmählich die Alleinherrschaft in Litteratur, Kirche und Schule. Wenn von da ab Schriftsteller sich der Dialekte bedienten, so geschah das mit bestimmtem Bewußtsein und in der Absicht, bestimmte Wirkungen zu erreichen. Als eins der frühesten Beispiele mag Andreas Gryphius gelten, der (1660) sein Lustspiel Das verliebte Gespensto mit einer dramatisierten Idylle: «Die geliebte Dornrosev, in schles. Dialekt durchwebte, nachdem schon in den J. 1593 —91 Herzog Heinrich Julius von Braunschwei in seinen Stücken Bauern und Lustigmacher sich des schwäb., thüring., niedersächs. Dialekts Gemn bedienen lassen. Rumart wurden die Versuche in den verschiedenen Mundarten, und selbst umfassendere Sammlungen mundartlicher Gedichte erschienen in nicht geringer Anzahl, seit in der letzten Hälfte des 18. Jahrh. alle Dichtungsarten in der hochdeutschen Litteratur sich entfaltet hatten. Aber nur wenige Schriftsteller vermochten in mundartlicher Fassung Befriedigendes zu erreichen. Das Höchste in dieser Darstellung gelang Hebel in seinen (Alamann. Gedichten ». Rächst ihm zeichnen sich aus Franz Kobell, der sich in der bayr. wie der pfälz. Mundart mit er. Da Hen bewegt, und Franz Stelzhamer, der mehrere Gedichtsammlungen in oberösterr. Mundart veröffentlicht hat. Unter den Dichtern, welche sich des Niederdeutschen bedienten, haben sich in jüngster Zeit besonders Klaus Groth und Fritz Reuter einen gefeierten Namen erworben. Von andern Versuchen in deutschen Mundarten sind noch besonders her6556. MI die bayr. Stücke in Buchers «Werken⸗ (6 Bde., Münch. 1819—22), Grübels «Gedichte in nürnberger Mundarto, G. Dan. Arnolds Lustspiel „Der Pfingstmontag in straßburger Dialekt; die frankfurter Lokalpossen von K. Malß und W. Sauerwein; die Gedichte Nadlers in pfälzer Mundart; die Dichtungen Castellis und Seidls in niederösterreichischer, die Kaltenbrunners und chlossers in oberösterr. Mundart; Holteis Schles. Gedichtex; die Schriften und Poesien von Sebastian Sailer und C. Weitzmann in schwäb. Dialekt; Usteris 4Gedichte in zürcherischer Mundarto; endlich die Gedichte Bornemanns in märkischer und die Predigten Jobst Sackmanns in autichererte Mundart. Ein Verzeichnis niederdeutscher Werke lieferte Scheller in der «Bücherkunde der sassischniederdeutschen Sprache (Braunschw. 1826); eine Auswahl von Dichtungen der verschiedensten deutschen Dialekte gibt die Schrift: „Die deutschen Mundarten im Liedes (Lpz. 1875). Eine vorurteilsfreie, allseitige und begründete Würdigung der Mundarten ward erst möglich durch die junge Wissenschaft der deutschen Philologie. Nur die histor. Grammatik konnte die Rätsel der mundartlichen Formen und Wortbedeutungen mit Erfolg zu lösen suchen und aus dem hier ch vorhandenen ursprünglichen Leben manche Lücke der ältern und neuern Schriftsprache ergänzen; manche verdunkelte Beziehung wieder aufhelen; nur die deutsche Altertumswissenschaft konnte jene zahlreichen Goldkörner entdecken und verwerten, welche oft aus grauestem Altertume her sich unter dieser unscheinbaren Hülle erhalten hatten. Wie lohnend solche Studien sind, hat schon hafseit 1821, Schmeller bewiesen in den musterhaften grammatischen und lexikalischen Behandlung der bayr. Mundarten (neue Ausgabe seines bayr. Wörterbuchs von Frommann, 2 Bde., Münch. 1872 fg.). Nächst den bayrischen haben die schweiz. Mundarten fleißige Bearbeitung erfahren durch Stalder (Versuch eines schweiz. Idiotikonv», 2 Bde., Aarau 1812; «Die Landessprachen der Schweizo, Aarau 1819) und Tobler (Appenzellischer Sprachschatzo, Zür. 1837). Für die übrigen Mundarten sind unter den ältern Werken als noch unentbehrlich hervorzuheben: »Das westerwäldische Idiotikon o von K. Ch. L. Schmidt (Hadamar und Herborn 1800); Reinwalds «Hennebergisches Idiotikono (2 Bde., Berl. u. Stett. 1793—1801); J. Ch. Schmids 4Versuch eines schwäb. Idiotikon (Berl. u. Stett. 1795) und „Schwäb. Wörterbuch» (Stuttg. 1845); Höfers Etymolog. Wörterbuch der in Österreich üblichen Mundart » (3 Bde., Linz 1815) und „Die Volkssprache in Rider 120 vorzüglich ob der Ens (Wien 1800); der 4Versuch eines bremisch-niedersächs. Wörterbuchs v (5 Bde., (3 Bde., Hamb. 1800 — 2); Richeys «Idioticon Hamburgensen (Hamb. 1755); Ritters „Grammatik der mecklenb.⸗plattdeutschen Mundarto I 1832); Dähnerts Plattdeutsches Wörterbuch v (Strals. 1781) und Strodtmanns «Idioticon Osnabrugense „(Lpz. u. Altona 1756). Von neuern Arbeiten sind zu nennen: «„Schweiz. Idiotikonv von Staub und Tobler (Frauenfeld 1881 fg.); „Schwäb.⸗augsburgisches Wörterbucho von Birlinger (Münch. 1864); «Tirolisches Idiotikon v von Schöpf (Innsbr. 1865); Kärntisches Wörterbuchv von Lexer (Lpz. 1862); (Beiträge zu einem schles. terbuch der niederdeutschen Mundart der Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen» von Schambach (Hannov. 1858); «Wörterbuch der altmärk.⸗ 1359865. Pit Mundartv von Danneil (Salzwedel 1859); 4Ostfries. Wörterbuchs von Stürenburg Aurich 1857); „Die nordfries. Mundart nach der föhringer und amrumer Mundarto von Johansen (Kiel 1862); „(Wörterbuch der ostfries. Sprachev (Rorden 1877 fg.). Endlich Weinholds Alamann. Grammatiko und „Bayr. Grammatiko (Berl. 1863 —67) und die vortreffliche Zeitschrift von Frommann: „Die deutschen Mundarten» (Nürnb. u. Nördl., 6 Jahrg., 1854 — 59; neue Reihe 1875). Auch Arbeiten, die sich über sämtliche ober⸗ oder niederdeutsche Mundarten, wie auch über beiderlei Dialekte zugleich verbreiteten, hatte man früher bereits versucht, sowohl in theoretischer Fassung als in Gestalt von Idiotiken und Quellensammlungen. Gegenwärtig haben sie fast nur noch Wert durch die mitgeteilten Proben. So die Werke von Fulda, Kinderling und Radlof. Alle frühern Sammlungen übertrifft an Vollständigkeit das Werk Firmenichs, 4Germaniens Völkerstimmeny (Bd. 1—3, Berl. 1843 -66, Nachträge 1867). Die Litteratur der deutschen Mundarten stellten zusammen Hoffmann von Fallersleben in seiner „Deutschen Philologien (Berl. 1836) und Trömel Galle 1854). Versuche, sämtliche deutsche Mundarten nach ihrer Verbreitung graphisch darzustellen, sind Kieperts «Nationalitätskarte von Deutschland» (Weim. 1848), Bernhardis „Sprachkarte von Deutschlando (Kassel 1843; 2. Aufl. 1849) und die Karten von Berghaus in dessen Physik. Atlasv (Abteil. 8, Gotha 1852); endlich Wenkers »Sprachatlas von Nord⸗ und Mitteldeutschlandv (Straßb. 1881 fg.). Zwar ist es gelungen, die Sprachgrenze gegen fremde Zungen überallhin genau zu bestimmen, doch wird eine Abgrenzung der Mundarten im Innern des Sprachgebiets erst nach genauern Einzelforschungen möglich sein. Das Gesamtgebiet des Oberdeutschen scheidet sich sehr bestimmt in zwei Hälften, eine rein oberdeutsche, welche man als die süddeutsche bezeichnen kann, und eine mitteldeutsche, die bei wesentlich oberdeutschem Charakter doch mehr oder minder starke Einmischung niederdeutscher Elemente zeigt. Als Grenze beider Hälften kann man sich etwa eine durch Karlsruhe und Regensburg gelegte, westlich bis an die Vogesen, östlich bis an den Böhmerwald verlängerte gerade Linie denken. Unter den süddeutschen Mundarten nun zeigt die älteste Gestalt die alamannische, ausgedehnt über die deutsche Schweiz, Kaln ut Baden und Elsaß 6wischen Schwarzwald und Vo Wal bis nördlich gegen Rastatt und Hagenau. Am altertümlichsten und rauhesten lautet sie in Bentendtene am meisten durch fremde und neue Bestandteile gestört in und um Straßburg. Estlich von ihr reicht bis an [den Lech mit etwas jüngern Bildungen die schwäb. [Mundart. Wiederum östlich breitet sich die bair. Mundart vom Lech bis über die Grenze Ungarns, —— der ober- und niedersächsischen ihre große Ausdehnung dem Umstande verdankend, daß bei [der Wiedereroberung östl. Länder nicht Deutsche unterworfen wurden, deren abweichende Redeform die Mundart gestört haben würde, sondern Slawen, deren fremde Sprache ohne sonderliche Rückwirkung erlosch. In einzelnen Punkten scheidet sich das Bayrische von der österr. Sprachweise. Noch gehören zu den süddeutschen Mundarten einige Gemeinden mit etwa 7000 E. südlich vom Monte-Rosa, wahrscheinlich einst durch den Goldbergbau [dorthin geführt, dem Ursprunge nach vielleicht Burgunder und jetzt zum alamann. Dialekt zu rech-Unen; ferner in den venedischen Alpen die sog. 13 Kommunen mit ungefähr 9000 E., von denen noch gegen 1800 die deutsche Sprache auch zum häuslichen Gebrauche reden, und die 7 Kommunen mit 30000 Seelen, beide möglicherweise einst durch den Silber-⸗ und Kupferbau der Bischöfe von Trient in diese Gegend gebracht und in ihrem gegenwärtigen Dialekt dem Hochdeutschen des 12. und 13. Jahrh. noch Sprach nahestehend. Endlich wohnen auf einer Sprachinsel mit dem Hauptorte Gottschee im wendischen Krain unter Laibach gegen 23000