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ReligionBrockhaus 1882

Deutsche, wahrscheinlich Nachkommen von Kolonisten freisingischer Klostergüter. Nicht rein oberdeutsch, sondern mit niederdeutschen Bestandteilen vielfach gemischt, ist die Sprache der von Einwanderern verschiedener Zeiten und Gegenden abstammenden Deutschen oder der sog. Sachsen in Siebenbürgen, die auf 10 737 qkm zusammen etwa 250000 Seelen betragen, und ähnlich auch der Dialekt von etwa 50000 Deutschen in der Zips, welche Tdemil2. Zaß von Bergleuten abstammen, die seit dem 12. Jahrh. eingewandert sein mögen. Vgl. Schott, Die deutschen Kolonien in Piemonto (Stuttg. 1842); Schmeller, «Cimbr. Wörterbuch v (Wien 1855); Schröer, «Beitrag zu einem Wörterbuche der deutschen Mundarten des ungar. Berglandeso (Wien 1858 — 59), „Versuch einer Darstellung der deutschen Mundarten des ungar. Berglandesv (Wien 1864), (Ein Ausflug nach Gottschees (Wien 1869) und «Wörterbuch der Mundart von Gottschee »(Wien 1870). Die Grenzlinie zwischen den mittel- und niederdeutschen Mundarten wird ungefähr durch folgende Punkte bestimmt: Aachen, Bonn, Kassel, Nordhausen (mit der vorgeschobenen oberdeutschen Sprachinsel Clausthal), Kalbe, Dessau, Wittenberg, Lübben, Krossen, Meseritz. Im Westen dieses Gebietes, namentlich gegen den Rhein hin, wo einst zahlreiche kleinere und größere Stämme in langen Wanderungen und Kämpfen durcheinander eworfen wurden, herrscht die bunteste Mannigaltigkeit der Dialekte, sodaß es bei dem Mangel an Einzelforschungen hier noch durchaus unthunlich ist, charakteristische Merkmale und sichere Be-Cante dur aufzustellen. Deutlich aber wird das Ganze durch Thüringerwald und Erzgebirge in zwei Hauptmundarten geschieden, eine östliche, die obersächsische, und eine westliche, welche die fränkische genannt und wiederum in Ost⸗ und Westfränkisch gesondert werden mag. Ost⸗ und Westfränkisch scheidet sich etwas östlich der Regnitz, unefähr in der Richtung von Cichstätt + dem Fictelgebir e. Das Ostfränkische, dem in Bayern das Nabgebiet, in Böhmen das obere Egerthal und vielleicht in Schlesien das aleten nalte zugebleid steht den süddeutschen Dialekten näher und leibt freier von niederdeutschen Einflüssen, weil es von diesen durch das zwischenliegende Oberfachsische getrennt ist. Die obersächs. Mundart hat sich von Thüringen und Meißen mit der Eroberung der Slawenländer ostwärts bis über den Grenzsaum des Großherzogtums Posen ausgedehnt. Slawisch geblieben sind in diesen östl. Strichen das Kesselland von Böhmen, der rößte Teil von Mähren, die östl. Hälfte von Oberschlesien und die Sprachinsel der Wenden in der Lausitz, längs der Spree von Bautzen bis Luckau. Wegen dieses leichmäßigen Fortschreitens über das Gebiet einer remden Sprache hin erfuhr das Obersächsische auch nur geringe Abweichungen, die sich meist auf öhere oder tiefere, vollere oder dünnere Ausprache von Vokalen und im Osten (durch slaw. ärbung) von einigen Konsonanten beschränken. Im Bau und den Lautverhältnissen ist die oberas übrige deutsche Flach- und Tiefland gehört der niederdeutschen Sprache, deren charakteristisches Merkmal die zweite Stufe der Lautverschiebung ist. (S. Deutsche Sprache.) Weil ihr die Mehrzahl der aspirierten Konsonanten und der Doppelvokale abgeht, klingt sie zwar weicher als das Oberdeutsche, ist auch für syntaktischen Gebrauch hinreichend ausgerüstet, aber sie kann die Kraft, das Kernhafte, den mannigfaltigen Wechsel des Oberdeutschen nicht erreichen. In den Städten wird sie meist +70 Einflüsse der hochdeutschen Schriftsprache entstellt, und auch ihre reinen Dialekte verlaufen, wegen der gleichen Armut an Lauten, weit mehr ineinander als die kieder heraus. Vorzugsweise +4* sich zwei Hauptglieder heraus, der niedersächs. und der westfäl. Dialekt. Jener hat seinen Hauptsitz im Norden der Elbe, in Holstein, und geht östlich ziemlich rein bis durch Brandenburg und Pommern; im Hannoverschen und sches sich einzumischen. Die östl. Grenze läuft hinter Thorn, Graudenz, Rastenburg, Insterburg bis Labiau; links der Weichsel aber zieht sich, das Niederdeutsche durchbrechend, ein slaw. Strich wechselnder Breite von Posen bis an die Ostseeküste. 5. Aieder westfäl. Dialekt herrscht vom Westen der Niederweser bis gegen den Rhein 5 Außerdem besteht noch ein kleines, durch Jülich, Köln, Elberfeld, Wesel bestimmtes Gebiet (denn Kleve zählt bereits zur holländ. Sprache), das niederrheinische, dessen Mundart schon im 13. Jahrh. kleinen günstigen Eindruck machte. Diese Mundart besteht aus einem Gemisch ober⸗ und alaud Ciilaß Laute und Formen, wozu noch niederländ. Einfluß tritt; selbst ihr Bau gehört weder der einen noch der andern Mundart entschieden an. Die niederländ. Dialekte Belgiens und Hollands sowie die kümmerlichen Reste des Friesischen im Nordwesten Hollands, im saterländischen Moore westlich von Oldenburg und in Schleswig dürfen bei dem ganz abweichenden Gange, den jene Sprachen schon seit dem Mittelalter genommen haben, nicht mehr zum deutschen Sprachgebiete gerechnet werden. (S.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 152Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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