Dialekte nennt man die innerhalb einer als einheitlich angesehenen Sprache vorkommenden sprachlichen Unterschiede zwischen den vers iedenen Teilen des Sprachgebiets und den verschiedenen Stämmen, aus welchen das Volksganze zusammengesetzt ist. Jede einigermaßen ausgedehnte Sprache hat D., es ist aber faft unmöglich, zwischen D. und selbständiger Sprache eine scharfe Grenze zu ziehen: man kann einerseits das Niederländische einen deutschen D. nennen, wenn man nur auf das sprachliche Verhältnis Rücksicht nimmt, andererseits eine selbständige Sprache, wenn man die polit. Selbständigkeit des Volks und die besondere niederländ. Litteratur im Auge hat. —— man alle german. Sprachen zu einer Familie zusanmenfaßt lassen sich Deutsch, Englisch, Dänisch u. s. w. auch als D. derselben bezeichnen; und es ist z. B. ganz einerlei, ob man die slaw. Sprachen so nennt oder als D. bezeichnet. Das letztere kann man sehr wohl, da sie sich sprachlich näher stehen als z. B. Plattdeutsch und Hochdeutsch, sodaß man diese beiden auch zwei verschiedene Sprachen nennen könnte. Es läßt sich somit eine genaue Definition von D. nicht geben, man wird nur im allgemeinen sagen können, D. seien die Sprachvarietäten eines sich als einheitlich fühlenden und so betrachteten Volks. Hat ein solches Volk eine allrn angenommene Schriftsprache ausgebildet, ie gewöhnlich so entsteht, daß ein einzelner D. von allen Schreibenden und den Gebildeten in Schrift und Rede angewendet wird, so gelangen die übrigen D. entweder gar nicht zu einer Litteratur, oder wenn eine solche vorhanden war, wird sie aufgegeben. In Griechenland wurde anfangs in mehrern D. eine Litteratur entwickelt (äolis e, ionische, dorische), später wurde der attische D. allgemeine Schriftsprache. Die dialert der deutschen Litteratur waren ebenfalls dialektisch; erst seit der Reformation gibt es eine allgemein anerkannte gleichmäßige deutsche Schriftsprache, die dialektisch wesentlich Mitteldeutschland angehört. Wo eine Schriftsprache herrscht, verlieren die übrigen D. leicht die Fähigkeit zu höherm und feinerm Gedankenausdruck, und man empfindet sie in einem gewissen Gegensatz zur Schriftsprache als etwas weniger Edles; die D. erscheinen als patois, und man versteht deswegen auch in der ewöhnlichen Rede unter D. zuweilen nur die lokale Abweichung von der Schriftsprache, die Volkssprache. Diese bewahrt aber in der Regel eine größere Frische, Sinnlichkeit und Unmittelbarkeit als die Schriftsprache, und es ist daher ein Glück für die Sprache und Litteratur eines Volks, wenn tein zu schroffer Gegensatz zwischen der Schriftsprache und den übrigen D. besteht, sodaß die Schriftsprache gelegentlich aus dem Vorrat der Volkssprache schöpfen kann. Das Vorurteil, als sei der D. an ich etwas Gemeineres als die Schriftsprache und aus dieser nur verderbt und verdreht, hat die uneuere Sprachwissenschaft beseitigt, jeder D. ist 3vielmehr nach bestimmten erkennbaren Gesetzen aus einem ältern Zustande der Sprache heraus „entwickelt und bildet ein notwendiges Glied zur Erkenntnis der Gesamtsprache eines Volks, daher „in der neuern histor. und Dalereumn Gramd matik die Dialektologie (Dialektkunde) eine besondere Rolle spielt. Ein größeres Sprachgebiet . hat gewöhnlich zahlreiche D., die sich wieder nach 3gewissen gemeinsamen Eigentümlichkeiten in Haupt5dialekte zusammenfassen lassen; die Unterschiede innerhalb dieser pflegt man dann als Unter-oder Lokaldialekte zu bezeichnen. Als deutschen Ausdruck für D. braucht man wohl Mundartso, unter⸗ „scheidet diese Bezeichnungen aber bisweilen so, daß man unter «Mundarto diejenigen Sprachvarietäten „einer Gesamtsprache versteht, die gar nicht zu litterarischen Produktionen verwendet sind, unter lich noch verwendeten; die Unter cheidung ist aber „willkürlich, da es kaum eine Mundart gibt, in der nicht gelegentlich auch geschrieben wäre. (S. Deutsche Mundarten.) * ö Dialektik, seiner griech. Ableitun nach die Kunst der Unterredung und Gesprächführung, bezeichnete in dem Sprachgebrauche der wihen ophie anfangs die Kunst eines regelmäßigen wissenschaftlichen Verfahrens mit Begriffen. In diesem Sinne ist die D. dem Plato die Methode des spekulativen Denkens, welches seinen Gegenstand mit reinen Begriffen vollständig durchdringen zu können glaubt. Schon Aristoteles Perließ aber diese Bedeutung des Wortes, indem er 1d und. unter Schlüsse von dialektischen unterschied und unter letztern bloße Wahrscheinlichkeitsschlüsse —4½ Allmählich bildete sich der Sprach ebrauch dahin um, daß man unter D. die Kunst des logischen Scheins, die Fertigkeit, den Gegner durch die falsche Anwendung logischer Formen, versteckte Fehlschlüsse u. s. w. zu täuschen, verstand. Das Dialektische wurde daher fast gleichbedeutend mit dem Sophistischen. Hierauf gründet sich der Sprachgebrauch Kants, wenn er von einer transscendentalen D. spricht, als einem Widerstreit der Vernunft mit sich selbst in Beziehung auf alle die der Erkenntnis unzugänglichen Fragen, welche die Welt als Ganzes betreffen. Indes ist man in neuerer Zeit zu einer der Platonischen verwandten Bedeutung des Wortes zurückgekehrt; namentlich hat der Begriff der D. und des Dialektischen in der Hegelschen Philosophie die größte und umfassendste Bedeutung gewonnen. Es ist hier nämlich zur Bezeichnung einer spekulativen Methode geworden welche in die Gegenstände ihrer Erkenntnis dadurch eindringt, daß sie in jedem Begriffe die darin enthaltenen Widersprüche aufzuweisen und durch die auf diese Weise gestellte Aufgabe zu immer höhern Begriffsbildungen fort Astoseprs sucht Die Methode der Hegelschen Phi osophie wird daher die dialektische MRethode genannt. Als das freilich nie zu erreichende Ideal derselben hat 53005 Lotze die Aufgabe bezeichnet, zu begreifen, weshalb der absolute Weltgrund sich gerade in diejenigen Erscheinungen entwickelt, welche die Erfahrung festzustellen im Stande ist.