Deutschland verkümmerten, aung die Musik in dem neugewonnenen Gemeindegesang, dem Choral, eine Nährquelle von so reichem Gehal „daß die Gebundenheit daran durch Kunstgebilde von unerschöpflicher Mannigfaltigkeit belohnt wurde. Ebenso verhielt es sich mit der Orgel, dem Mittelpunkt aller Musik in der prot. Kirche. Hieraus wird es auch erklärlich, warum das lutherische Norddeutschland es war, welches in der Musik zuerst zur Selbständigkeit gelangte. Eine ganze Reihe von Tonsetzern hat seit Rue dieses Gebiet mit emsigem Fleiße lultiviert und schöne Resultate erzielt; Johannes Ercard am Ende des 16., Heinrich Schütz in der Mitte des 17. Jahrh. sind die bemerkenswertesten, bis endlich Johann Sebastian Bach auf den meisten Gebieten alle seine Vorgänger überragte. Wie sehr dieser Weg der Choral⸗ und Orgelkunst bei aller scheinbaren Enge und Gebundenheit dennoch der richtige Ausgangspunkt war zur höchsten künstlerischen Freibeit zeigt auf andere Weise Georg Friedrich Händel, welcher die Formen der ital. Kunst mit ½hn Gehalt erfüllte. Beide Meister, Händel und Bach, die eine lange Entwickelung abschließen als die höchste Höhe derselben; jeder in seiner Weise, werden in patriotischer Hinsicht auch immer noch deshalb verehrungswürdig bleiben, weil in ihnen zum ersten mal und in mächtigster Weise das musialische Übergewicht der Deutschen über andere Nationen an den Tag kam. Indes blieben, trotz der an die Orgel sich lehnenden Kirchen- und Instrumentalmusik Bachs und der nach Form und Gehalt vollendeten Gesänge Händels, doch noch immer zwei Formen in dem mehr oder weniger ausschließlichen Besitz der Italiener und Franzosen: die Bühnenmusik oder Oper und die freie vielgestaltige Instrumental⸗ oder ½7 Hier war es nun der südl. kath. Teil Deutschlands, welcher auf diesen beiden Gebieten die Oberherrschaft erlangen sollte. Der Aufschwung ging von Wien aus, wo die bisher bevorzugten Italiener den Sinn für schöne Melodie erschlossen und die außerdeutschen Nationen der österr. Krone den reichsten Zufluß neuer Quellen der Instrumentalmusik lieferten. Die Oper war um 1600 in Italien entstanden und bald auch nach Deutschland gedrungen, wo sie namentli um 1700 auf dem musikalischen Gebiete die Herrschaft erlangte und alle musikalischen Formen von Grund aus umbildete. Dennoch gelang es nicht, trotz eines Tonsetzers wie Reinhard Keiser, der hauptsächlich für Hamburg seine mehr als 100 Opern schrieb, in diesem Gebiete eine solche Bedeutung zu erlangen, wie die gleichzeitige franz. Oper, welche schon um 1680 der italienischen in völliger Selbständigkeit ebenbürtig zur Seite trat.