Deutsche Musik. In der Musik —0 die Deutschen das Höchste errungen, sowohl im Vergleich zu andern Künsten wie auch zu andern Nationen. Schon in der Musik unserer heidnischen Vorfahren traten einige Eigentümlichkeiten zu Tage, welche stets vorherrschend geblieben sind: die Beteiligung der Menge oder des Chors an den in der Form sehr knappen Gesängen und der Hinzutritt vielfacher Instrumente, zarter und starker, je nach den verschiedenen Stimmungen. Die Sänger waren als die Überlieferer der geschichtlichen Erinnerungen selbst an den Fürstenhöfen hochgegchtet und durch Gesang und Dichtung mit dem Leben der Nation eng verwachsen. Wenn auch nicht in demselben Grade als ein besonderer Stand ausgebildet, wie bei den Angelsachsen, kann doch das, was von der Übung des Gesangs und Saitenspiels bei jenem Volke berichtet wird, auch für die alte deutsche Heimat desselben gelten. Das Christentum verfolgte diese Gesänge, in denen der Kern der heidnischen Lehre enthalten war, und wurde zugleich der Lehrmeister des Volls in den ausgebildetern griech.⸗-antiken Formen und dem kunstvoll edeln Sologesang. Der Kern der alten Melodien wurde zu kirchlichen Texten verwandt; und kaum war die Bekehrung allgemein durchgeführt und der Hauptschatz der altheidnischen Gesänge in Veressenheit geraten, so äußerte sich der musikalische rieb des deutschen Volks in neuen volksmäßigen Liedern, welche nach und nach entstanden im Anschluß an verschiedene christl. Lehren oder Feste und die in Worten und Tönen die Formen der alten Vorzeit erneuerten. Die Zeiten der die Musi brachten insofern eine Wendung, als die Musik nunmehr als unerläßliches Bildungsmaterial aller vornehmen Stände betrachtet wurde; die Sänger oder Spielleutev, deren Stand vom 8. bis 12. Jahrh. durch den Einfluß der Geistlichkeit tief herabgedrückt worden war, gelangte von neuem zu Ansehen. Der lebhafte Verkehr unter allen christl. Völkern tauschte die poetisch-musikalischen Formen aus, die Musik wurde kunstvoller ausgebildet, hauptsächlich nach der weltlichen Seite hin, die Geistichkeit konnte in dem Zeitalter des Minnegesangs nicht mehr tonangebend sein. Neben dem volkstümlich kirchlichen Liede bildete sich von den Kreuzzügen bis zur Reformation das weltliche Lied aus als Niederschlag der vielen in- und ausländischen Weisen, die der Minnegesang in Schwung brachte; der durch die Reformation Luthers hervorgerufene Kirchengesang ist das gemeinsame Produkt beider. Diese verhältnismäßig einfachen Bildungen waren bis dahin die bemerkenswertesten musikalischen Thaten der Deutschen, denn im Bereich der kunstvollern Verbindung der Töne sind sie seit den frühesten Zeiten wohl stets eifrige und glückliche Mitarbeiter, aber nie allgemein Tonangeber gewesen, und selbst im alten Liedergesang berragen sie nur auf geistlichem, nicht aber auf weltlichem Gebiete das von andern Nationen Geleistete. Unter den Begründern der musikalischen Harmonie oder des mehrstimmigen Satzes nimmt ranco von Köln im 12. Jahrh. eine angesehene tellung ein, wie der kaiserl. Kapellmeister Heinrich Isaac im 15. Jahrh. unter den kunstvollen Tonsetzern, doch mußten bis zum Ende des 16. Jahrh. auch die Deutschen sich den Niederländern und Italienern unterordnen. Der größte Musiker der iederländer, Orlando Lasso, wirkte in Deutschland, welches er von München aus beherrschte; die Schule der Niederländer faßte daher unter den