FeedDillenburg
ErdkundeBrockhaus 1882

Dillenburg, Kreisstadt des Dillkreises im Regierungsbezirk Wiesbaden der preuß. Provinz Hessen-Nassau, an den Ausläufern des Westerwaldes, 75 Ekm im N. von Wiesbaden, an der Linie Deutz-Gießen der Preußischen Staatsbahn und an dem Lahnzuflusse Dill gelegen, ist Sitz eines Amtsgerichts, einer Forstinspektion, einer Berginspektion, einer Handelskammer, einer Reichsbanknebenstelle und eines königl. Landgestüts, hat eine evang. Kirche mit der Gruft der Fürsten von Nassau-D., eine kath. Kapelle, ein Baptisten⸗ und Methodisten-Bethaus, ein königl. Gymnasium mit Bergschule und ein Lehrerseminar und zählt (1880) 3818 E. Der Haupterwerb ist Bergbau (Eisenstein, Braunkohlen, Dachschiefer) und Hüttenbetrieb; außerdem sind hier eine Tabaksfabrik, eine Dampfkunstmühle und zwei Lohgerbereien. Wegen seiner waldreichen Umgebung und gesunden Luft wird D. vielfach im Sommer als Luftkurort benutzt. D. entstand Mitte des 13. Jahrh. aus dem Anbau um das H gleichen Namens, welches die Residenz der Ottonischen Linie des Hauses Nassau war und in welchem 1533 Wilhelm der Schweigsame und 1567 dessen Sohn Moritz eboren wurde. Es wurde 1760 durch die Franzosen erobert und teilweise zerstört, später geschleift, sodaß davon nur noch eine Ruine übrig ist, worauf 1872—75 ein got. Turm zum Andenken Wilhelms des Schweigsamen erbaut wurde. Im Turm befindet sich ein histor. Museum. Die alte Linde, worunter 1568 Wilhelm eine niederländ. Deputation empfing, welche ihm die Statthalterschaft der Niederlande übertrug, steht noch. Die Linie Nassau-D. starb 1739 aus. D. wurde 1806 durch Napoleon zum Großherzogtum Berg geschlagen und war der Hauptort des Sieg-Departements, kam 1814 an Nassau und 1866 an Preußen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 354Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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