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ErdkundeBrockhaus 1882

Diez, Kreisstadt des Unterlahnkreises im Regierungsbezirk Wiesbaden der preuß. Provinz Hessen-Nassau, an der Linie Frankfurt-Wetzlar der Preuschifn Staatsbahn und zu beiden Seiten der hier schiffbaren Lahn gelegen, deren alte, merkwürdige Steinbrücke die Altstadt mit der regelmäßig gebauten, saubern Neustadt verbindet, ist Sitz eines Landratsamts und eines Amtsgerichts. Der Ort hat zwei evang. Pfarrkirchen, ein Realprogymnasium, eine höhere Hi ein Pensionat, ein Hospital, ein altes, großes Bergschloß, jetzt Zuchthaus, eine von den Züchtlingen betriebene Marmorschleieing in der Umgebung viele Eisen⸗ und Braunallbrenne und zählt (1880) 4753 E., welche große Kalkbrennereien, Lohgerbereien, Gips⸗, Ol⸗, Phosphorit⸗, Farb⸗ und Getreidemühlen, sowie Wollmärkte unterhalten und Kornhandel und ausgezeichneten Obstbau treiben. In der Nähe von D. liegen das 1676 erbaute, jetzt zum Kadettenhause eingerichtete Schloß Oranienstein, ehemals ein Nonnenkloster, mit schönen Gartenanlagen, und die Dörfer Fachingen und Geilnau mit ihren Mineralbrunnen. D., sonst Theodissa genannt, wurde von Karl d. Gr. 790 dem Kloster Prüm geschenkt; später erscheint es im Besitze eigener Grafen, unter welchen es 1280 eine Kollegiatkirche und 1329 städtische Rechte erhielt. Durch Verheiratung kam es an das Haus Nassau, das in einer seiner Linien Nassau-Dietz sich nannte. Diese Linie wurde später unter dem Namen Nassau-Oranien in den Fürstenstand erhoben, erhielt die Erbstatthalterschaft in Holland und trägt gegenwärtig die niederländ. Königskrone.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 340Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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