Dioskuren (A.s 0bpor, d. h. Söhne des Zeus) ist ein gewöhnlicher Name für Kastor und Polydeukes (lat. Castor und Pollux), die Zwillingssöhne der Leda (s. d.). In der Ilias und Odyssee findet sich dieser Name nicht. In der Odyssee heißen sie Tyndariden als Söhne des Tyndareos, des Gemahls der Leda. Nach Hesiod dagegen sind beide Söhne des Zeus. Nach der gewöhnlichen nach— Polpdeutes Auffassung hat Kastor den Tyndareos, olydeukes den Zeus zum Vater; jener ist sterblich, dieser unsterblich. Als über eine von den D. und den Apharetiden gemeinschaftlich geraubte Rindererde, oder nach andern wegen der von den D. den lpharetiden (Idas und Lynkeus) geraubten Leukippiden (Töchter des Leukippos, Bruders von Aphareus) zwischen den beiden Zwillingspaaren Streit ausbrach, ward Kastor von Idas getötet, während Polydeukes den Lynkeus erlegte und ein Blitzstrahl von Zeus Idas erschlug. Da aber Zeus auf die Bitte des Polydeukes, ihn mit seinem Bruder Handig zu lassen, ihm die Wahl ließ, entweder betändig allein im Olymp zu wohnen oder mit seinem Bruder zusammen je einen Tag im Olymp, den andern in ihrem Grabe zu Therapnä (oder in der Unterwelt) zuzubringen, wählte der treue Bruder das letztere und so wurden sie beide einen Tag um den andern abwechselnd sterblich und unsterblich, wie sie 3 50 die Odyssee kennt, während sie nach der Ilias beide tot sind. In späterer Zeit nahm man an, daß abwechselnd immer ein Bruder im Olymp, der andere in der Unterwelt verweile. Diese Annahme entstand wohl im Zusammenhang damit, daß man zwischen ihnen als Göttern des hlichts und der Abenddämmerung einen beimmtern Unterschied machte, und sie dann auch als Morgen⸗ und Abendstern deutete. Ursprünglich sind beide Zwillinge wie die ind. Acvins, welche aus einer Crundan den indogerman. Völkern gemeinsamen Bondertoeruuchher vorgegangen sind, zusammen Götter des am Morgen aufleuchtenden und hernach auch des am Abend wieder erblassenden H und wurden namentlich als Schutzgötter der Schiffer im Sturm und als Helfer in der Schlacht in verschiedenen Gegenden Griechenlands, besonders auch in Sparta und Athen, wo sie Anakes hießen, und ebenso in Rom, göttlich verehrt, wo sie seit alten Zeiten namu als ideale Vorbilder des Ritterstandes in hohen Ehren standen. Man glaubte sie bei Stürmen im Elmsfeuer (s. d.) zu erblicken und in verschiedenen großen Schlachten sollten sie sich Griechen und Römern in Person hilfreich erwiesen und dann wunderbar rasche Botschaft vom Siege gebracht haben. Die Sage berichtet auch von der Teilnahme der D. an den Unternehmungen anderer Heroen, an der Jagd des calydonischen Ebers, wie am Argonautenzug; in Attika erzählte man namentlich auch von ihrem Zuge gegen ne um ihre von diesem geraubte Schwester Helena zurückzuholen. Zur Zeit der Sommersonnenwende pflegte man die D. zu festlicher Bewirtung an reichbesetzten Tischen (Xenien und Theoxenien) einzuladen, wozu sie nach griech. Glauben zu Zeiten auch sichtbar sich einfanden. Die D. waren in Sparta seit den ältesten Zeiten durch zwei mit Querhölzern verbundene Balken symbolisch dargestellt. Die Kunst bildete sie als zwei rüstige Jünglinge mit oder ohne Pferde, gewöhnlich mit Schifferhüten auf dem Kopfe und mit am Hinterhaupte anliegendem, um Stirn und Schläfe in starken Locken hervortretendem Haar. Berühmt sind die kolossalen Statuen der Montobändigenden D. auf dem danach benannten Monte-Cavallo vor dem Ponnt Quirinale (jetzt Regio) in Rom, die einst vor den hier gelegenen Thermen des Konstantin standen. Gewöhnlich sind beide D. gleichmäßig dargestellt. In einigen Bildwerken aber erscheinen sie, wie schon in einem Homerischen Verse, verschieden gebildet. Während Kastor stets vorzugsweise reisiger Jüngling, Rossebändiger ist, erscheint Polydeukes als Faustkämpfer. Namentlich finden sich Darstellungen des Faustkampfes von Polydeukes mit Amykos und von der Fesselung des besiegten Königs durch den D. auf dem Zuge der Argonauten. Vgl. Myriantheus, Die Acvins oder arischen Dioskuren» (Münch. 1876) und Deneken, De Theoxeniise (Berl. 1881).