FeedDipsektor
TechnikBrockhaus 1882

Dipsektor heißt ein von Wollaston Lenes konstruiertes, mit zwei Planspiegeln versehenes Winkelmeßinstrument, welches ganz auf demselben Prinzip beruht wie der von Newton vielleicht auch von Hoolt) erfundene und von Hadley (1731) ausgeführte Spiegelsextant und wie der Reflexionskreis. Der D. besteht im wesentlichen aus einem te vor dessen Objektiv ein ebener Spiegel unter 45 so aufgestellt ist, daß die eine Hälfte des Objektivs frei bleibt, derart, daß man nach einem entfernten Punkte direkt visieren kann, d. i. so, daß die Lichtstrahlen am Spiegelrande vorbei in das halbe Objektiv treten. Hierbei kommt also jener Spiegel noch gar nicht zur Wirkung, sondern erst mit Hilfe eines zweiten seitlichen Planspiegels, welcher um eine in seiner Ebene liegende Achse drehbar ist und von einem andern entfernten Punkte Lichtstrahlen empfängt, die er nach dem fixierten Spiegel reflektiert, von dem sie durch die andere Hälfte des Objektivs in das ibren dr treten. Stehen nun die beiden Spiegel mit ihren das Licht zurückwerfenden Ebenen gegeneinander parallel, so gewahrt der durch das Fernrohr sehende Beobachter einen und denselben Punkt sowohl mittels der direkten, als auch mittels der gespiegelten Lichtstrahlen; eine mit dem drehbaren Spiegel verbundene Schiene zeigt dann nach dem Nullpunkte der zu diesem Instrumente gehörigen Kreisteilung. Der leneidierer hat also seine Anfangsstellung. Wenn jetzt dieser Spiegel gedreht wird, so bekommt der Beobachter vermöge der gespiegelten Strahlen einen andern Punkt zu sehen, als er mittels der direkten Strahlen wahrnimmt. Der reflektierte Strahl bildet dann mit dem direkten Visierstrahl einen Winkel, welcher, nach dem Gesetze für Drehspiegel, doppelt so groß ist als jener Winkel, um welche der Spiegel gedreht wurde. Bildet nun die Spiegelebene des Drehspiegels mit der fixen Spiegelebene einen rechten Winkel, so muß, nach jenem Spiegelgesetze, der reflektierte Strahl mit dem direkten Visierstrahl einen Winkel von 180° machen, d. h. die zwei beobachteten Punkte liegen einander direkt gegenüber. Ist z. B. der eine vorn der Nordpunkt, so ist der andere hinten der Südpunkt. Wenn nun ein Beobachter auf dem Meere den D. mit seinem Teilkreise in eine Vertikalebene legt, wobei die Spiegel gegeneinander rechtwinkelig gerichtet sind und er mit dem Fernrohre nach einem bestimmten Punkte visiert, so muß er, um einen direkt entgegengesetzt liegenden Zielpunkt wahrnehmen zu können, den beweglichen Spiegel etwas drehen. Daraus folgt, daß in solcher Weise die Depression (s. d.) des Horizonts auf dem Meere, der Küsten u. s. w., also auch der entsprechenden Entfernungen sich bestimmen läßt, indem jener beobachtete Drehwinkel die Depression mißt. Vorzüglich zu diesem Zwecke hatte Wollaston den D. bestimmt, der jedoch durch die viel präziser ausgeführten Reflexionskreise mehr als ersetzt ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 384Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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